Ein Positionierungsspiel sorgte für lebhafte Diskussionen.

Politik zum Mitdenken und Mitreden: Das Politik-Café am OSZ

Publiziert in 2 / 2026 - Erschienen am 27. Januar 2026

SCHLANDERS - Am OSZ Schlanders finden regelmäßig Treffen für politisch interessierte Schüler*innen der 3., 4. und 5. Klassen statt. Im sogenannten Politik-Café erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen zu informieren, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und diese anschließend gemeinsam zu diskutieren. Ziel ist es, politische Bildung praxisnah zu gestalten und demokratische Kompetenzen zu stärken.  Die erste Session des Politik-Cafés fand im Oktober unter dem Titel „Links und Rechts – warum es mehr gibt als nur zwei Seiten“ statt. Zu Beginn wurden zentrale Grundbegriffe der Demokratie wie Pluralismus und Menschenwürde eingeführt und erklärt. Anschließend beschäftigten sich die Schüler*innen mit der historischen Herkunft der politischen Begriffe „links“ und „rechts“ sowie mit weiteren wichtigen politischen Begriffen wie demokratisch, antidemokratisch, antisemitisch, autoritär, liberal, grün, links und rechts. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Abgrenzung und Einordnung antidemokratischer Aussagen. Ein interaktives Positionierungsspiel sorgte für lebhafte Diskussionen: In der Bibliothek positionierten sich die Schüler*innen entlang der Achsen „links – rechts“ sowie „autoritär – liberal“ zu verschiedenen politischen Aussagen. Darunter waren Thesen wie „Unsere Kultur und Traditionen müssen bewahrt werden, statt sich ständig neuen Trends anzupassen“, „Steuern für Reiche sollen gesenkt werden“ oder „So manches Problem wäre schneller gelöst, gäbe es nur eine starke Person an der Spitze des Staates“. Die Übung machte deutlich, wie unterschiedlich politische Aussagen interpretiert werden können und wie wichtig der Austausch darüber ist. In Gruppen entwickelten die Teilnehmenden anschließend unterschiedliche politische Perspektiven zu vorgegebenen Themen. Im November fand ein weiteres Treffen für alle Interessierten statt, das sich mit dem Thema „Migration – Fluch oder Segen?“ beschäftigte. Die Schüler*innen setzten sich mit der Realität der Migration auseinander, lernten Fakten, Zahlen und die rechtliche Lage kennen und positionierten sich zu Thesen wie „Wir kämen genauso gut ohne Migration aus“ oder „Die meisten Migranten integrieren sich durch Schule und Arbeit“. Diskutiert wurde unter anderem, wie der Staat mit Migration umgehen sollte und was man von Zuwandernden erwarten kann.  Das bislang letzte Politik-Café mit dem Titel „Schreien oder Schweigen? Südtirols Protestkultur unter der Lupe“ fand im Dezember statt. Mithilfe ihrer Smartphones informierten sich die Schüler*innen zunächst über aktuelle Protestinitiativen wie „Make Tourist Pay“, Lehrerproteste oder „Fridays for Future Südtirol“ sowie über polarisierende Persönlichkeiten, die vor allem über soziale Medien große Aufmerksamkeit, teilweise auch Zustimmung, erhalten. In verschiedenen Gruppen entwickelten die Jugendlichen eigene Protestkonzepte, die anschließend im Plenum vorgestellt und kritisch diskutiert wurden. In der abschließenden Reflexion ging es unter anderem um die Fragen, was einen Protest legitim macht, wann radikaler Protest gerechtfertigt ist, welche Rolle Jugendliche bei politischen Veränderungen spielen und welche Protestformen heute am wirkungsvollsten sind. Alle Treffen eint eine zentrale Botschaft: Demokratie lebt vom offenen Austausch unterschiedlicher Meinungen. Auch andere Positionen können berechtigte Argumente enthalten. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es ist, sich klar von extremistischen und antidemokratischen Haltungen abzugrenzen und Brücken zwischen unterschiedlichen Standpunkten zu bauen. Gerade weil es selten nur eine einzige Lösung gibt, sind vielfältige Perspektiven ein entscheidender Vorteil bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. 

Redaktion

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