Schleis

Publiziert in 20 / 2004 - Erschienen am 21. Oktober 2004
Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [F] Dorf an der Schleuse [/F] Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt um 1160 als "Slius", Mundart: "Schlais", amtl. ital. Name: "Clusio". Kühebacher leitet die Bedeutung des Namens aus dem lateinischen "Exclusa" ab. Bedeutung: "Vom übrigen Feld ausgenommenes Grundstück". Angerer vermutet die Herkunft des Namens von "Slius, Slüs, Scludis, Sluis" und leitet schließlich "Schleis" von "Schleuse" ab, was in Anbetracht der Lage als recht wahrscheinlich gelten mag. Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991. "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997 "Chronik von Schleis" von Martin Angerer 1990 [F] Historisches [/F] In den ältesten Urkunden, die wir dem Marienberger Chronisten Goswin verdanken, beschreibt dieser das gute Verhältnis der Bewohner von Schleis mit dem Kloster. Dieses gute Verhältnis währte über Jahrhunderte hinweg und findet sich wieder im Vertrag von 1292, in dem dem Kloster Holz in ausreichender Menge zugesichert wird. Im Gegenzug verpflichtet sich das Kloster zur Abhaltung von zwei Gottesdiensten pro Woche in Schleis. Um das Jahr 1587 gab es 46 Häuser in Schleis, 28 davon im Bezirke des Prälaten von Marienberg, 18 und der größere Teil der Felder außerhalb desselben im Herrschaftsgerichte der Herren von Trapp. Damit waren nicht nur die Besitzverhältnisse geteilt, sondern auch die Gerichtsbarkeit. Die Bevölkerung war unterteilt in die Herrschaftsleute (Untertanen des Landesfürsten, für die der Richter von Glurns zuständig war), den Gotteshausleuten, die sich in Rechtsfragen an den Hauptmann der Fürstenburg wenden mussten und den Klosterleuten, die Lehensleute von Klöstern waren (Kloster Münster, Kloster Marienberg). Nach einer Neuregelung im Jahre 1614 war der Abt von Marienberg Gerichtsherr über das ganze Dorf Schleis. Im Gegenzug hatte das Kloster 50-60 Parteien in anderen Dörfern abtreten müssen. Das neue Hofgericht Schlinig- Amberg- Schleis- Plawenn tagte jeweils im Pleifhof (heute Widum) zu Burgeis und bestand bis in das Jahr 1823. Mit der Gerichtsbarkeit bestand auch die Pflicht zur militärischen Verteidigung. In der Gemeindeordnung aus dem Jahre 1647 wurden vor allem der Holzschlag sowie die Weiderechte festgelegt, weiters regelte die Ordnung die politische und soziale Struktur des Dorfes. [F] Dorfleben [/F] Im Jahre 1679 scheinen in einer Beschreibung der Einwohner von Schleis 173 Personen auf. Kurz vor diesem Datum wütete die Pest in Schleis (1635 und 1636). Auch die Kindersterblichkeit tat ihr Übriges, diese Zahl niedrig zu halten. Anfangs der 70er Jahre hatte das Dorf 300 Einwohner, jetzt sind es 358. Schleis liegt auf 1074 Metern Seehöhe. [F] Dorfzahlen [/F] Schleis liegt oberhalb Mals etwas abgelegen von der Hauptverbindung. Das beschauliche Dorf strahlt für mich den unverwechselbaren Obervinschger Charakter aus, einladend und gastfreundlich. Die Geschichte von Schleis wurde von Pater Martin Angerer (Burgeis) anhand des reichlichen Urkundenmaterials aus Pfarr- und Gemeindearchivs untersucht. Seine Chronik sei all jenen, die sich mit der Vergangenheit dieses Dorfes befassen möchten, unbedingt empfohlen. Das Buch ist sehr gut recherchiert. Neben der Geschichte von Schleis sind einige relevante Ereignisse angeführt, die die ganze Umgebung von Schleis geprägt und gestaltet haben. Als Beispiel sei hier der Kampf des Abtes von Marienberg gegen die Reformation genannt. Die Verbreitung der reformatorischen Lehre Luthers war eng an die romanische Sprache geknüpft. Deshalb trieb der Abt die Einführung und den Gebrauch ausschließlich der deutschen Sprache voran, empfahl "häretische" Dienstboten zu vertreiben, Ansiedelung romanisch sprechender Menschen zu verhindern und gebot bei öffentlichen Versammlungen nur die deutsche Sprache zu benutzen. Abt Matthias Lang gelang es, die aus dem Westen kommende Reformation zurückzudrängen. Wie in Burgeis, Laatsch oder Mals sind in Schleis mehrere kunstvolle Häuserfassaden mit Malereien zu finden. Viele dieser Fassaden und ihre Kunstwerke wurden im letzten Jahrhundert restauriert und erzählen von vergangener Zeit, weisen auf Schutzpatrone, Lehens- und Gerichtsherren hin, oder gestalten einfach nur Fenster, Erker und Türen. Wer Schleis besucht, sollte also den Blick in die Höhe nicht vergessen. Leider wurden im Laufe der Geschichte viele Häuser durch Überschwemmungen und Vermurungen unwiederbringlich zerstört und an anderer Stelle errichtet. Interessant im Dorfbild von Schleis ist, wie sich hier Neues an Altes schmiegt, vermischt und ergänzt. So entsteht ein einmaliger Gesamteindruck. Das "Künstler- und Denkertum", das ja allen im Vinschgau im Blut liegen soll, ist auch hier zu finden. So stammten aus Schleis der hochbegabte Maler Franz Pund, der jedoch im Alter von nur 24 Jahren verstarb. Ebenfalls aus Schleis stammten der namhafte Historiker Anton Noggler, der jedoch Tirol verlassen musste, sowie Johann St. Raffeiner, der in den USA dreißig Pfarreien gegründet hat. Schleis liegt an den beiden Flüssen Etsch und Metzbach und ist mit diesen schicksalhaft verbunden. Die heutige Laurentiuskirche wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und steht an der Stelle, an der seit dem 15. Jahrhundert eine Laurentius-Kapelle stand. Als Pfarrkirche diente damals die Kirche zum hl. Matthäus. Diese wurde jedoch durch eine Wasserkatastrophe im Jahre 1689, bei einem Ausbruch des Metzbaches, zerstört. Dies war nicht die einzige Mure, unter der das Dorf zu leiden hat. In der Chronik von Schleis ist immer wieder die Rede von Katastrophen. Diese machten die Wichtigkeit einer Feuerwehr im Orte deutlich, die dann im Oktober des Jahres 1896 gegründet wurde. Anlässlich der 100 Jahr- Feier erschien ein Festbüchlein, in dem die Chronik der Feuerwehr näher beschrieben ist. Die Musikkapelle von Schleis wurde 1933 zu Ostern gegründet. Der damalige Pfarrer Schöpf empfand die Gründungspläne der Musikkapelle gar als Bedrohung für die Seel-sorge und legte Protest ein, der allerdings ungehört blieb. Leider konnte die Kapelle ihre Mitgliederzahl nicht aufrechterhalten und spielte anlässlich der Erstkommunion 1967 das letzte Mal. Seitdem werden Instrumente und Trachten für den Fall einer Wiederbelebung sorgsam verwahrt. Leider verirren sich nur wenige Vinschger in das abgelegene Dorf und verpassen eine Menge. Lediglich der “Kirchta” ist gut besucht. Dabei ist das Dorf der ideale Ausgangspunkt zahlreicher lohnender Wanderungen (siehe Wanderung). [F] Wanderung [/F] Ins Arundatal Von Schleis aus gelangt man auf die etwas oberhalb des Dorfes gelegene Rodelbahn. Hier sollte man das Auto stehen lassen und zu Fuß weiter marschieren. Entlang des sehr gut beschilderten Weges führt die Wanderung mit geringer Steigung nun Richtung Schlinig. Nach etwa einer halben Stunde zweigt der Weg links ins Arundatal. Über die Forststraße gelangt man nun in einer weiteren gemütlichen Stunde ins malerische Tal. Die Forststraße weist am Anfang eine geringe Steigung auf, die auch Kindern keine Probleme bereitet, später führt der Weg absolut eben durch das Tal. Entlang üppiger Fauna und dem Alpbach gelangt man zur Abzweigung zur Laatscher Alm und bald darauf zur Schleiser Alm. Motivierten Wanderern sei der Aufstieg zum Monterodes, einem Aussichtspunkt, empfohlen. Von hier aus kann der Rückweg auch über Schlinig angetreten werden. Auf den Almen im Arundatal wird Milchvieh gehalten und daher (ein sehr guter!) Käse und Butter hergestellt, den Sie probieren sollten. Vorschau: 05.11.04 - Staben 18.11.04 - Naturns

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