Johannes Stecher vor dem Jugendhaus Phönix (links die Plakette für die Turbogemeinde)
Schludernser Abordnung beim Turbogemeinden-Treffen in Bozen mit Landesrat Philipp Achammer (Bildmitte): Heiko Hauser, Sophie Lingg, Sonja Abart und Sarah Thanei (v.l.).
Unter anderem bei diesem Felsen im Konfall soll ein Klettergarten entstehen.

Schluderns: Turbo-Mitbestimmung

Junge Menschen entscheiden mit, wie Gemeindegelder eingesetzt werden.

Publiziert in 8 / 2026 - Erschienen am 21. April 2026

Schluderns - Jungen Menschen die Möglichkeit geben, die eigene Gemeinde aktiv mitzugestalten – von der Idee bis hin zur Umsetzung. Darum geht es beim Jugendhaushalt „Turbo“. 15 Gemeinden in Südtirol beteiligen sich an dieser Initiative, darunter Schluderns als einzige im Vinschgau. Gemeinderat und Jugendreferent Johannes Stecher hatte von der Aktion Wind bekommen und war an den Schludernser Ausschuss um Bürgermeister Heiko Hauser und die für den Bereich Jugend zuständige Vizebürgermeisterin Sonja Abart mit der Idee herangetreten, daran mitzuwirken. Konkret ging es dabei darum, ein eigenes Budget speziell für Jugendprojekte bereitzustellen und die jungen Menschen selbst entscheiden zu lassen, wofür dieses eingesetzt werden soll. Damit sollten Partizipation und Identifikation der Jugendlichen mit der eigenen Gemeinde gestärkt, Politikverdrossenheit entgegengewirkt und Selbstwirksamkeit ermöglicht werden. Schluderns stellte wie auch die weiteren beteiligten Gemeinden rund 30.000 Euro zur Verfügung. Von Jänner bis Ende Februar konnten Ideen von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen usw. eingereicht werden.

Was die Jugend wünscht

„Wir starteten einen Aufruf und versuchten, die Aktion bekannt zu machen. Alle Bürgerinnen und Bürger konnten mitmachen, unabhängig von ihrem Alter. Einzig das Projekt musste etwas mit der Jugend zu tun haben und es musste umsetzbar sein“, erklärt Stecher. Schlussendlich gingen rund 20 Ideen ein. Innerhalb des Gemeindeausschusses wurde hierbei besprochen, was konkret realisierbar sei. Elf Projekte wurden schließlich zur Wahl zugelassen. Mittels Online-Voting konnten 14- bis 25-Jährige am vorletzten März-Wochenende abstimmen. Über 40 Prozent der Stimmberechtigten beteiligten sich an der Wahl in Schluderns, bis zu zwei Stimmen konnten pro Person abgegeben werden. So gingen 174 Stimmen ein. Als Siegerprojekt (27 Stimmen) wurde der kleine Klettergarten im Konfall (eingereicht vom AVS Schluderns) bestimmt. Da dieses bereits für rund 5.000 Euro realisiert werden kann, soll auch das zweitplatzierte Projekt umgesetzt werden: das Turbofestival von Magdalena Strobl und
Sophie Lingg. Dieses würde etwa 25.000 Euro kosten. Nun gelte es, diese und eventuelle weitere Projekte umzusetzen. „Da waren auch einige andere interessante Projekte dabei, die der Gemeinderat gerne aufnimmt. Wir haben schon einiges an Ideen und Arbeit bekommen“, unterstreicht Sonja Abart. Etwa die Idee zur Gestaltung des Außenbereichs beim Jugendzentrum Phönix gelte es weiterzuverfolgen. „Wir konnten so sehen, was die Jugend möchte“, weiß auch BM Heiko Hauser.

Hohe Wahlbeteiligung 

Hauser unterstreicht, dass die Initiative zeige, „dass junge Menschen durchaus Interesse haben, mitzudenken und mitzuentscheiden“. Er weist darauf hin, dass Schluderns mit einer Wahlbeteiligung von über 40 Prozent südtirolweit führend gewesen sei. „Das ist sehr lobenswert. Ein großer Dank gilt Johannes Stecher für seinen unermüdlichen Einsatz“, so der Bürgermeister. Die Initiative sei auch deshalb wertvoll, „damit junge Menschen sehen, wie die Arbeit im Gemeinderat funktioniert und wie ein Projekt seinen Lauf nimmt“, ergänzt Vize-Bürgermeisterin Abart. So könne man auch potenziell interessierte Kandidatinnen und Kandidaten für künftige Gemeindewahlen gewinnen.

Wunsch nach Disco

Im Rahmen des Jugendhaushalts sprach Johannes Stecher mit allen über ihre jeweils eingereichte Idee. Auch das Disco-Projekt, das nicht umsetzbar gewesen wäre, wurde dabei besprochen. Herausgekommen ist eine Unterschriftenaktion, um eine nahegelegene Diskothek – konkret das ehemalige „Fix“ in Laas – wieder zu eröffnen. Vier junge Schludernserinnen konnten bereits in den ersten Wochen rund 400 Unterschriften sammeln. Diese werden dann an die Laaser Bürgermeisterin Verena Tröger übergeben. Damit solle klargemacht werden, wie groß der Bedarf nach einer Disco in der Nähe sei.

Michael Andres

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