Schludernser Weg
Gemeindeentwicklungskonzept einstimmig genehmigt.
Schluderns - Einstimmig genehmigt wurde bei der Schludernser Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 10. September, das Gemeindeentwicklungskonzept. Nun liegt der Ball bei der Landesregierung, die das Konzept voraussichtlich noch im Oktober genehmigen wird. Dann hat es eine Gültigkeit von rund 15 Jahren. Zur Erinnerung: Das Gemeindeentwicklungsprogramm, kurz GProRL, ist ein zentrales Planungsinstrument, das jede Südtiroler Gemeinde auf Grundlage eines Landesgesetzes ausarbeiten muss. Es analysiert den aktuellen Zustand des Gemeindegebiets und legt Ziele sowie Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung in den kommenden Jahren fest. Ausgearbeitet wurde das Konzept in Schluderns zusammen mit dem Beratungsunternehmen rcm solutions und dem österreichischen Unternehmen Kommunaldialog Raumplanung. Bürgerbeteiligung spielte dabei eine wichtige Rolle, so wurden Bürgerbefragungen und Emotionsbefragungen durchgeführt, in Workshops wurde über „Megatrends“ diskutiert.
Siedlungsentwicklung mit klaren Grenzen
Einen großen Stellenwert im Konzept haben die Siedlungsgrenzen, welche die bauliche Entwicklung der Gemeinde vorgeben sollen. Dabei setzt Schluderns vor allem auf eine Entwicklung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets. Leerstände sollen genutzt, bestehende Wohnbauzonen besser ausgeschöpft und Möglichkeiten zur Nachverdichtung genutzt werden. Dadurch soll zusätzlicher Bodenverbrauch möglichst geringgehalten werden. „Verdichtung ist das Wichtigste, ebenso die Nutzung von Leerständen“, betont Bürgermeister Heiko Hauser. Für 2040 werden 2.000 Einwohner und 943 Haushalte angenommen. Dafür werden rund 14.600 Quadratmeter zusätzlicher Wohnraum beziehungsweise 29.300 Kubikmeter als Zielgröße angegeben. Insgesamt entspricht dies 138 zusätzlichen Wohneinheiten. Gleichzeitig gibt es noch beträchtliche Potenziale: 71.200 Kubikmeter Verdichtungspotenzial in Wohnbauzonen und 25.900 Kubikmeter bereits gewidmete, aber noch nicht genutzte Flächen. Als realistisch mobilisierbar gelten rund 9.300 Kubikmeter.
Vier Einwände
Im Zuge der Ausarbeitung wurden vier Einwände behandelt. Die Rückmeldungen zum Konzept seien aber insgesamt gut gewesen. Mit der Genehmigung ist die Arbeit am Thema allerdings noch nicht abgeschlossen. Auf das Gemeindeentwicklungsprogramm folgt nun der Gemeindeplan, mit dem die konkreten baulichen Vorgaben festgelegt werden. Dafür wird mit rund eineinhalb Jahren gerechnet. Am Gemeindeentwicklungsprogramm selbst wurde rund zweieinhalb Jahre lang gearbeitet.
Leistbares Wohnen
Dass das Thema Wohnen die Gemeinde beschäftigt, zeigt auch die Bürgerbefragung. 498 Bürgerinnen und Bürger nahmen daran teil. Hohe Wohnungskosten für Bau, Kauf und Miete wurden häufig als großes Zukunftsrisiko genannt. Bei möglichen Standorten für neue Wohnbauzonen wurden am häufigsten die Talwiesen bzw. die Flugplatzstraße genannt. Fast ebenso häufig wurde vorgeschlagen, zunächst Leerstände bzw. alte Kubatur zu nutzen. Gut bewertet wurde die Gemeindeverwaltung. „Das freut uns sehr und gibt Motivation“, so Hauser. Insgesamt gaben 67 Prozent an, sehr gerne in Schluderns zu leben, weitere 31 Prozent eher gerne. Besonders gut bewertet wurden die gemeinschaftliche Vitalität mit 8,3, das Orts- und Landschaftsbild mit 8,2 und das Vertrauen in die Institutionen mit 8,5. Für ein Tourismuswachstum sprachen sich insgesamt 78 Prozent aus, 70 für ein nachhaltiges. Das Gemeindeentwicklungskonzept soll nun den Rahmen dafür schaffen, wie mit diesen unterschiedlichen Anforderungen umgegangen wird: Schluderns soll sich entwickeln können, ohne den Siedlungscharakter und die vorhandenen Freiräume aus dem Blick zu verlieren.