Taufers im Münstertal soll sich gezielt weiterentwickeln.

Taufers gibt Richtung vor

Als erste Vinschger Gemeinde hat Taufers im Münstertal das Gemeindeentwicklungsprogramm abgeschlossen. 

Publiziert in 16 / 2025 - Erschienen am 9. September 2025

Taufers i.M. - Seit einigen Wochen ist es amtlich: Mit dem Beschluss der Landesregierung ist das Gemeindeentwicklungsprogramm von Taufers im Münstertal rechtlich verbindlich. Der Gemeinderat hatte den Plan bereits im März verabschiedet, nun ist das Verfahren abgeschlossen. Taufers ist damit die erste Gemeinde im Vinschgau, die diesen Schritt geschafft hat, und zählt auch landesweit zu den Vorreitern. Das Gemeindeentwicklungsprogramm, kurz GProRL, ist ein zentrales Planungsinstrument, das jede Südtiroler Gemeinde auf Grundlage eines Landesgesetzes von 2018 ausarbeiten muss. Es analysiert den aktuellen Zustand des Gemeindegebiets und legt Ziele sowie Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung in den kommenden zehn Jahren fest. Berücksichtigt werden nicht nur bauliche Aspekte, sondern auch Natur- und Landschaftsschutz, Kultur und Lebensraum. Taufers war von Beginn an Pilotgemeinde und wurde durch das Land eng begleitet. In die Ausarbeitung flossen zahlreiche Koordinierungsgespräche mit Landesämtern, Fachleuten, Vereinen und Bürger/innen ein.

Bedachte Siedlungsentwicklung

Besonders wichtig ist eine bedachte Siedlungsentwicklung. Der neue Plan weist lediglich 2,5 Hektar als potenzielle Entwicklungsfläche aus, rund 7,3 Prozent des gesamten Siedlungsgebiets. Es handelt sich ausschließlich um Lückenschlüsse innerhalb bestehender Strukturen. Neue Baulandwidmungen orientieren sich streng am tatsächlichen Bedarf, wobei Leerstand und bestehende Substanz im Vordergrund stehen. Der maximal zulässige Bodenverbrauch liegt bis 2040 bei nur 0,66 Hektar – ein klares Signal im Einklang mit dem Klimaplan Südtirol 2040, der Netto-Null-Versiegelung vorsieht. Ein weiteres Ziel ist die Bewahrung der traditionellen Kulturlandschaft mit ihren kleinräumigen Strukturen, prägenden Elementen und historischen Nutzungsmustern. Naturnahe Lebensräume sollen gefördert und als Teil der ökologischen Vernetzung gestärkt werden. Auch die forstlich-hydrogeologischen Gegebenheiten und die vielfältigen Waldfunktionen wurden berücksichtigt. In der Mobilität setzt die Gemeinde auf Zukunftsperspektiven. Die Buslinie zwischen Mals und Zernez, die bereits im Stundentakt verkehrt, soll mittelfristig im Halbstundentakt fahren. Ergänzend sollen flexible Mikro-ÖV-Angebote wie Ruf- oder Bürgerbusse die Ortsteile besser anbinden. Eine neue Haltestelle in Pradatsch ist geplant. Auch Fuß- und Radwegenetze sollen systematisch ausgebaut werden, wobei Sicherheit und Übersichtlichkeit Vorrang haben. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und eine attraktivere Gestaltung des Dorfzentrums sollen die Aufenthaltsqualität steigern.

Neue Tourismuszonen möglich

Im Tourismus verfolgt Taufers eine klare Linie: Rund 200 Gästebetten stehen aktuell zur Verfügung, deren Erhalt hat oberste Priorität. Die Gemeinde setzt auf sanften Tourismus, Authentizität und die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft. Neue touristische Zonen sind möglich, wenn sie sich harmonisch in bestehende Infrastrukturen einfügen. Auch die Siedlungsstruktur wird gezielt weiterentwickelt. Der historisch gewachsene Ortskern soll gestärkt und gezielt weiterentwickelt werden, wobei insbesondere die Aktivierung leerstehender Gebäude im Vordergrund steht. An sensiblen Stellen wie Uferbereichen sind Schutzstreifen von zehn Metern vorgesehen, die der Renaturierung und ökologischen Aufwertung dienen. In den Gewerbezonen ist eine maßvolle Entwicklung geplant. Bestehende Betriebe sollen durch Ergänzungswidmungen abgesichert und bei Bedarf erweitert werden können. An der Siedlungsgrenze eröffnen sich neue Möglichkeiten, etwa durch grenzüberschreitende Handelsbeziehungen mit der benachbarten Schweiz. Auch in den Fraktionen Rifair und Schlossoir sind kleinere, ortsverträgliche Lückenschlüsse vorgesehen. 

Michael Andres

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