Just am Tag der Bürgerversammlung zum Gefahrenzonenplan kam es in der Örtlichkeit „Heilige Drei Brunnen“ erneut zu einem Murgang; im Bild die Lage am 21. August, rechts ist die Wallfahrtskirche zu sehen.
Die Karten sowie Auszüge des Gefahrenzonenplanes konnten im Rahmen der Bürgerversammlung begutachtet werden
Am Podium saßen Vertreter des Amtes für Wildbach- und Lawinenverbauung West, Gemeindeverwalter sowie zahlreiche Techniker.

Viele „rote“ Zonen

Gefahrenzonenplan der Gemeinde Stilfs liegt vor.

Publiziert in 15 / 2026 - Erschienen am 25. August 2026

Stilfs - Die Gemeinde Stilfs gehört zu jenen wenigen Gemeinden in Südtirol, die noch keinen rechtsverbindlichen Gefahrenzonenplan haben. „Nach jahrelangen Vorarbeiten sind wir nun auf einem guten Weg. Der Plan ist erstellt, das Genehmigungsverfahren steht uns noch bevor“, schickte Bürgermeister Samuel Marseiler bei der gut besuchten Bürgerversammlung voraus, die am 20. August im Rathaus in Stilfs stattgefunden hat. Am Podium konnte Marseiler eine Reihe von Technikern begrüßen, die den Gefahrenzonenplan erarbeitet hatten, sowie Vertreter des Amtes für Wildbach- und Lawinenverbauung West in der Agentur für Bevölkerungsschutz, namentlich den Amtsdirektor Peter Egger und den leitenden Mitarbeiter Julius Staffler.

„Sehr viele Gefahren“

Stilfs ist flächenmäßig eine große Gemeinde und aufgrund ihrer geografischen Lage im hochalpinen Raum vielen Naturgefahren ausgesetzt. „Es gibt bei uns viele Gefahren und entsprechend viele ‚rote‘ Zonen“, so der Bürgermeister. Daher sei es höchst an der Zeit, „dass wir dieses wichtige und umfangreiche Planungsinstrument endlich erhalten, um die Raumplanung und Bautätigkeit steuern zu können.“ Der Geologe Lucas Pagliarini sagte, dass man die Klimaveränderung im hochalpinen Gelände besonders stark spüre: „Die Natur wird dynamischer, besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit der Prozesse.“ Der Gefahrenzonenplan spiegele den Ist-Zustand wider: „Er ist eine Bestandsaufnahme und ein Instrument, das verändert und angepasst werden kann.“ Ziel sei es, die Gefahren bezüglich Lawinen, Massenbewegungen und Überschwemmungen aufzuzeigen und abzugrenzen, um das hydrogeologische Risiko zu reduzieren und die Raumplanung und Bautätigkeit in entsprechende Bahnen zu lenken.

Lawinen, Wasser, Muren

Wie Lucas Pagliarini und weitere Techniker mit Zahlen, Fotos und Fakten aufzeigten, gibt es in der Gemeinde Stilfs viele Bereiche, in denen die Gefahren von Lawinen, Massenbewegungen und Überschwemmungen erheblich sind und woraus sich auch die Ausweisung vieler „roter“ Zonen ergibt. In „roten“ Zonen dürfen in Zukunft keine Neubauten entstehen. Für die Bautätigkeit in „blauen“ und „gelben“ Zonen werden abgestufte Einschränkungen gelten (Gefahren- bzw. Kompatibilitätsstudien, Schutzmaßnahmen usw.). „Rote“ Zonen bzw. gefährliche Bereiche gibt es im Gemeindegebiet von Stilfs zuhauf, man denke etwa an die Wassergefahren in der Örtlichkeit „Heilige Drei Brunnen“ in Trafoi, an Gebäude und Strukturen im Gemeindegebiet, die theoretisch von Lawinen erfasst werden könnten oder Zonen, wo es zu Steinschlägen kommen könnte.

Wie geht es weiter?

Wie der Bürgermeister ankündigte, wird der Gefahrenzonenplan in absehbarer Zeit für 30 Tage veröffentlicht. Er rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich den Plan, die Karten und Zonen anzusehen und bei Bedarf direkt mit den Technikern bzw. der Gemeinde Kontakt aufzunehmen. Bereits im Anschluss an die Bürgerversammlung standen die Techniker für Fragen bereit. Nach einem ersten Gemeinderatsbeschluss können in einem Zeitraum von 30 Tagen Stellungnahmen, Vorschläge bzw. Einwände zum Plan eingebracht werden. Zum weiteren Prozedere gehören die Anhörung der Fachämter (Gutachten), eine Stellungnahme der Dienststellenkonferenz und ein zweiter Gemeinderatsbeschluss, bevor der Plan im Anschluss an die abschließende Genehmigung seitens der Landesregierung rechtsverbindlich wird. Einen Vorteil eines rechtskräftigen Gefahrenzonenplanes sieht der Bürgermeister auch darin, „dass bestimmte technische Spesen bzw. Kosten, wie sie derzeit etwa für die Erstellung von Gutachten anfallen, bei künftigen Bautätigkeiten eingespart werden können.“

Viel Arbeit für Wildbach- und Lawinenverbauung

Ein großes Dankeschön für die gute Zusammenarbeit sprach Samuel Marseiler dem Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung West in der Agentur für Bevölkerungsschutz aus. Schon seit Jahren werden in der Gemeinde Stilfs zusammen mit dem Amt Schutzmaßnahmen und Verbesserungen umgesetzt. Er erinnerte etwa an Eingriffe am Schwemmkegel des Zaytalbaches in Sulden, an wiederholte Aufräumarbeiten nach Murgängen bei den „Heiligen Drei Brunnen“ und etliche weitere Arbeiten im Gemeindegebiet. Wie Peter Egger und Julius Staffler ankündigten, werde im Anschluss an die endgültige Genehmigung des Gefahrenzonenplanes zusammen mit der Gemeinde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, um zu vereinbaren, wo und welche Schutzmaßnahmen vordringlich umzusetzen sind.

Josef Laner

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