Wald der Zukunft
Tagung in Goldrain widmet sich Prävention, Klimawandel und Wiederaufbau.
Goldrain - Um die „Perspektiven für den Wald von morgen“ mit den Forstbehörden im Mittelpunkt ging es im Rahmen des zweiten Tages der Eurac-Tagung „Wenn Wälder brennen“, diesmal im Schloss Goldrain. „Das Thema der Waldbrände ist von hoher globaler Aktualität und vor allem für uns im Vinschgau seit dem letzten Jahr sehr präsent“, erinnerte der Latscher Bürgermeister Mauro Dalla Barba an die Großbrände in St. Martin im Kofel sowie in Prad. Die Prävention und der Umgang mit den Risiken sei wichtig, zudem gelte es zu verstehen, was die Folgeschäden sind und wie diese unsere Lebensräume beeinflussen. „Deshalb sind solche Tagungen mit Fachleuten derart wichtig“, unterstrich Dalla Barba. Auch Gerhard Rinner, Direktor der Raiffeisenkasse Latsch, die die Tagung unterstützte, betonte: „Wir glauben fest daran, dass Lösungen dort entstehen, wo Experten zusammenarbeiten.“
Neues ausprobieren
Als erster Experte referierte Nikolaus Obojes vom Institut für Alpine Umwelt in der Eurac. Er sprach über die größte Herausforderung für Mensch und Wald, den Klimawandel. „Bestimmte Baumarten wie die Fichte werden weniger, Tannen und Kiefern nehmen zu, die Waldgrenze wandert nach oben“, so Obojes. Aufgrund des Klimawandels werde es nicht nur wärmer, sondern auch die Extremwetterereignisse häufen sich, was bestimmte Störungen für die Wälder hervorrufe. Zudem finde der Borkenkäfer nach Unwettern ideale Bedingungen vor. Aufgrund des Klimawandels und zunehmender Unwetterereignisse werde die Unsicherheit immer größer, vieles sei nicht mehr planbar. „Man kann nicht mehr wie früher sagen: Die Fichte geht immer“, nannte Obojes ein Beispiel. Die ökologischen Rahmenbedingungen änderten sich, daher gelte es, neue Ansätze auszuprobieren. Obojes nannte unter anderem eine stärkere Durchforstung und mehr Pflegeeingriffe, die Erhöhung der Strukturvielfalt, eine größere Baumartenvielfalt (Stichwort Mischwald) sowie wärme- und trockenheitsangepasste Saatgutherkünfte und die Überlegung, neue Arten zu pflanzen.
Handeln und Wiederherstellen
Über die Aufgaben des Landesforstdienstes im Bereich Waldbrände und konkret das „Vorbeugen, Handeln und Wiederherstellen“ referierte Andreas Platter, der stellvertretende Amtsdirektor im Forstinspektorat Schlanders. So habe der Forstdienst neben Präventionsaufgaben (wie den Bau von Wasserspeichern, das Anlegen von Forstwegen und Steigen, das Waldbrandmonitoring etc.) vor allem auch im konkreten Brandfall die Koordinierung der Brandbekämpfung inne. Eine Waldbrandeinsatzkarte liefert schnell und detailliert alle notwendigen Informationen über Hubschrauberlandeplätze, Wasserstellen, Hydranten und vieles mehr. „Nach einem Brand fängt dann die Arbeit für uns so richtig an“, erklärte Platter. Es gelte, sich dem „Wiederherstellen des Waldes und des Ökosystems“ zu widmen. Darauf ging Platter anhand der konkreten Beispiele der Brände in St. Martin und in Prad ein. So wurde nach den Löscharbeiten ein Integralprojekt mit waldbaulichen und technischen Maßnahmen erarbeitet. Dazu zählen etwa die Instandsetzung und Wartung der Waldbrandinfrastrukturen. Mit der Aufforstung sei bereits begonnen worden, die Umwandlung in Mischwald werde mit hohem Laubholzanteil, der trockenheitsresistent und auch weniger brandanfällig ist, gefördert. Außerdem haben die Forstarbeiter die Zufahrtstraßen und Wanderwege instandgesetzt und gesichert. Auch ein Monitoringsystem wurde installiert. In der anschließenden Diskussion waren sich die Referenten einig, dass es nicht das eine Mittel gebe, um resilient zu sein, es brauche ein Zusammenspiel vieler. Nicht zuletzt sei die Sensibilisierung der Bevölkerung wichtig.