„Wasser braucht neue Strukturen“
Schuler: „Bewässerungskonsortien müssen sich grundlegend weiterentwickeln.“
Südtirol/Vinschgau - Die aktuelle Diskussion über Wassereinsparungen und die Versorgungssicherheit macht deutlich: Wasser wird auch in Südtirol zu einer der zentralen Zukunftsfragen. Für Landtagsvizepräsident Arnold Schuler ist deshalb klar, dass die Diskussion nicht bei kurzfristigen Sparmaßnahmen stehen bleiben darf. „Der Klimawandel führt dazu, dass Wasser zu einem immer kostbareren Gut wird. Deshalb müssen wir heute die richtigen Entscheidungen treffen, um auch morgen eine sichere Wasserversorgung für die Landwirtschaft ebenso wie für die gesamte Bevölkerung gewährleisten zu können“, betont Schuler.
Seit Jahren weist er darauf hin, dass sich die Bewässerungskonsortien grundlegend weiterentwickeln müssen: „In Südtirol kümmern sich heute rund 300 Bodenverbesserungskonsortien um die Bewässerung. Ziel muss es sein, Wasser sparsamer und effizienter einzusetzen sowie die Kräfte in größeren, professionell organisierten Einheiten zu bündeln. Nur so könnten große Investitionen geplant, Fördermittel genutzt und die Versorgung langfristig gesichert werden.“
Laut Schuler geht es nicht nur darum, Wasser zu verteilen. Es gehe um eine verantwortungsvolle Verwaltung einer lebenswichtigen Ressource: „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, gleichzeitig wächst der Investitionsbedarf. Viele kleine Strukturen stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen.“ Das Bonifizierungskonsortium Vinschgau zeige, dass dieser Weg funktioniert. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien mehr als 85 Millionen Euro in die Bewässerungsinfrastruktur investiert worden. Gleichzeitig sei es gelungen, einen Großteil dieser Investitionen über öffentliche Beiträge zu finanzieren.
Bonifizierungskonsortium Vinschgau als Beispiel
„Genau diesen Weg müssen wir auch in anderen Landesteilen einschlagen. Nur wenn Verantwortung gebündelt wird, können wir Wasser effizient bewirtschaften, notwendige Investitionen umsetzen und die Versorgung langfristig sichern“, ist Schuler überzeugt. Nach seiner Ansicht geht dieser Veränderungsprozess noch immer viel zu langsam voran. Dadurch seien in den vergangenen Jahren nicht nur wichtige Investitionen ausgeblieben, sondern auch Fördermittel in Millionenhöhe ungenutzt geblieben. Neben der organisatorischen Weiterentwicklung der Bewässerung gewinne auch die Absicherung der landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend an Bedeutung. Schuler spricht sich dafür aus, Versicherungen gegen Trockenschäden sowie den Mutualitätsfonds, ein Instrument zur gegenseitigen Absicherung wirtschaftlicher Ausfälle in der Landwirtschaft, künftig stärker zu nutzen. Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme müsse das Risikomanagement weiterentwickelt werden. Dieses Potenzial werde derzeit noch zu wenig ausgeschöpft.
„Der Blick ist nach vorne zu richten“
Die Diskussion über Wasser dürfe sich nicht darauf beschränken, wer wie viel Wasser bekommt. Die entscheidende Frage laute: Wie organisieren wir unsere Wasserversorgung so, dass sie auch in 20 oder 30 Jahren noch funktioniert? Dafür brauche es heute den Mut, Strukturen weiterzuentwickeln, in die notwendige Infrastruktur zu investieren, die Akzeptanz für notwendige Speicherbecken zu schaffen und die Landwirtschaft besser gegen die Risiken des Klimawandels abzusichern.