Massimo Gargano
Paul Wellenzohn (links) und Gottfried Niedermair

„Wasser-Unterstützung“ aus Rom 

Neue Bewässerungsprojekte stärken Landwirtschaft und Wassereffizienz. Hoffen auf Beiträge. 

Publiziert in 3 / 2026 - Erschienen am 10. Februar 2026

Latsch - „Das Bonifizierungskonsortium steht für Fortschritt. Viele Projekte konnten in den vergangenen Jahren realisiert werden. Nun ist weiteres geplant, wir bitten um Unterstützung für diese Maßnahmen“, so Paul Wellenzohn, der Präsident des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau, in Richtung Massimo Gargano, dem Generaldirektor der ANBI, des staatlichen Verbandes der Bonifizierungs-, Bodenverbesserungs- und Beregnungskonsortien. Sein Wort hat bei den Ministerien in Rom, dort wo die Gelder verteilt werden, Gewicht – und er sicherte seine Unterstützung zu. „Ihr steht für Innovation und Fortschritt, eure Region produziert Außergewöhnliches“, erklärte er im Rahmen der unlängst stattgefundenen Informationsveranstaltung in der VI.P in Latsch.

Flächendeckende Tropfbewässerung 

Konkret ging es um ein weiteres Mega-Projekt, das seitens des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau geplant ist. Genau genommen sind es zwei Initiativen, mit denen insgesamt rund 1.300 Hektar von der Oberkronen- auf die Tropfbewässerung umgestellt werden. Damit wäre das Obstbaugebiet im Vinschgau, das rund 5.000 Hektar umfasst, zum Großteil mittels Tropfberegnung versorgt. Luca Battan, einer der verantwortlichen Techniker, stellte die Projekte im Detail vor. So betrifft das erste Projekt mit einem Volumen von 25 Millionen Euro hauptsächlich Flächen in Latsch, Morter, Tschirland, Staben und Tabland, während ein weiteres Projekt mit 8,6 Millionen Euro Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen in Latsch und Kortsch vorsieht. Dabei sollen neue Filter- und Messtechniken installiert sowie zahlreiche Leitungen verlegt werden. Für die Umsetzung sind rund 36 Monate vorgesehen. Um die Projekte finanziell zu stemmen, hoffen die Landwirte auf ausreichende Beiträge aus dem staatlichen Topf „Piano nazionale di interventi infrastrutturali e per la sicurezza nel settore idrico (PNIISSI)“ beziehungsweise aus dem staatlichen Fonds für Projekte der Wassernutzung und Wasserversorgungssicherheit. Die Genehmigungsverfahren laufen bereits, mit einer Entscheidung ist in den nächsten Wochen oder Monaten zu rechnen. Beiträge von bis zu rund 80 oder 90 Prozent sind möglich. „Sollte alles glatt laufen, kann im nächsten Jahr mit den Arbeiten begonnen werden“, erklärte Gottfried Niedermair, der Direktor des Bonifizierungskonsortiums. Die restlichen, geringeren Summen entfallen anteilsmäßig – je nach Fläche und Maßnahme – auf die Bauern.

Optimale Verteilung des Wassers

Die Landwirtschaft im Vinschgau hat die Vorteile moderner Tropfberegnungssysteme im Zeichen zunehmender Wasserknappheit – insbesondere in trockenen Gebieten wie dem Vinschgau – schon längst erkannt, wie bei der Informationsveranstaltung deutlich wurde. „In den vergangenen Jahren wurde die Nutzung des Wassers zu einem immer wichtigeren Thema, sowohl politisch als auch kulturell“, unterstrich Niedermair. Eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung des Wassers sei von öffentlichem Interesse. Das Bonifizierungskonsortium Vinschgau habe dabei zwei wesentliche Aufgaben: „Einerseits das Wasser sinnvoll und ohne Verluste zu nutzen und andererseits Frostschäden zu verhindern“, so Niedermair. Durch die Tropfbewässerung sei eine optimale Verteilung des Wassers gewährleistet. Es komme dorthin, wo es gebraucht wird, der Wasserverlust sei minimal. Zudem bringen die Systeme mehr Flexibilität mit sich: Der Bauer könne bewässern, wann er es braucht, und gezielt nur dort, wo es nötig ist. Dort, wo eine Frostberegnung weiterhin Sinn macht, wird zusätzlich auf die traditionelle Überkronenberegnung gesetzt. Niedermair erinnerte dabei auch an die Abkommen mit dem Südtiroler Energiedienstleister Alperia. Das Bonifizierungskonsortium erhält die für die Frostberegnung notwendigen Wassermengen aus den Alperia-Kraftwerken in Kastelbell, Laas und Glurns. 20.000 Sekundenliter – also 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – stehen zur Verfügung. Was die herkömmliche Bewässerung betrifft, kann durch die Umstellung auf die Tropfberegnung einiges Wasser eingespart werden – damit wiederum kann mehr Strom produziert werden.

„Modello di sviluppo“

Gargano lobte den ganzheitlichen, nachhaltigen Ansatz, den das Bonifizierungskonsortium stets verfolgt. Die Landwirtschaft leiste Großartiges, der Vinschgau sei ein „modello di sviluppo“. Man müsse aber auch immer wieder daran erinnern. „In der Stadt kennt man Äpfel, Käse und Wein. Aber was dahintersteckt, wissen die wenigsten“, so Gargano. Es müsse kommuniziert werden: „Es reicht nicht, es zu tun – man muss auch darüber erzählen“, betonte er. Auch VI.P.-Direktor Martin Pinzger unterstrich in seinen Grußworten, wie wichtig es sei, für die Landwirtschaft zu sensibilisieren – auch politisch. 

Michael Andres

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