Im Bild (v.l.): Gemeindereferent Kurt Agethle, Enkelkind Dorian, der Jubilar Willi Kuntner mit seiner Schwester Anna im Hintergrund, Tochter Ulrike, Bürgermeister Rafael Alber und Ulrikes Mann Arthur Blaas.

Willi Kuntner feiert 100. Geburtstag

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Prad/Laas - Im kleinen Kreis von Familienangehörigen und Freunden feierte Wilhelm Kuntner aus Prad kürzlich seinen 100. Geburtstag im Wohn- und Pflegeheim St. Sisinius in Laas. Willi ist ein gebürtiger Trafoier. Er hat ein bewegtes, entbehrungs- und arbeitsreiches Leben mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich. Geboren am 22. Mai 1926 als drittältestes von 10 Kindern, besuchte Willi als 6-Jähriger die Volksschule in Trafoi. Unterrichtet wurde damals ausschließlich in italienischer Sprache. Sogar sein Name wurde italienisiert. „Er hieß Guglielmo“, sagte seine Tochter Ulrike, die bei der Feier auf das Leben ihres Vaters zurückblickte. 1937 wurde die Schule von einer Lawine verschüttet. Auch das Elternhaus von Willi oberhalb der Kirche wurde stark beschädigt. „Ich war damals noch ein kleines Kind“, erzählt Anna, geboren 1936. Sie lebt in Lichtenberg, wird im September 90 Jahre alt, holt immer noch selbst das Holz aus dem Wald, trinkt seit Jahrzehnten Kräutertee und braucht keine Medikamente. Anna ist die einzige Schwester, die Willi noch hat. Ihr Vater Johann Kuntner war Bergführer, sah sich aber gezwungen, seinerzeit nach Bayern auszuwandern, um dort Arbeit zu finden. Nach seiner Rückkehr verdiente er sich zusätzlich etwas Geld mit Schmuggeln. Am 22. Mai 1944, an seinem 18. Geburtstag, wurde Willi zum deutschen Polizeiregiment „Alpenvorland“ nach Schlanders eingezogen. Nach der Zeit im Krieg und der Flucht nach Hause begannen für Willi sehr arbeitsintensive Jahre. Zusammen mit seinem Bruder Peter trug er Getränke, Lebensmittel und andere Waren auf die Payerhütte. Später fand er eine Anstellung beim Sessellift in Trafoi. 1949 hatte er mit seinem „Schlanzi“-Traktor einen schweren Unfall im Laaser Tal. Bei Arbeitseinsätzen in Tschengls lernte er Katharina Gamper aus Tschengls kennen. Im Februar 1960 gaben sich Katharina und Willi das Ja-Wort. Im selben Jahr zog das Paar nach Prad. Willi arbeitete fortan bei Baufirmen, vor allem aber als Waldarbeiter, wobei er selbst viele Holzschläge übernahm. Er beschäftigte mehrere Mitarbeiter und errichtete zahlreiche Seilbahnen. Insgesamt arbeitete Willi rund 30 Jahre lang in Wäldern, vor allem in den Gemeinden Stilfs und Prad. 1964 begann er mit dem Bau eines eigenen Hauses im Sandweg in Prad. Er machte fast alles mit den eigenen Händen, angefangen mit dem Ausheben der Baugrube. 1969 konnten Katharina und Willi mit ihren Kindern Christian und Ulrike in das neue Eigenheim einziehen. Christian Kuntner, geboren am 15. Jänner 1962 in Prad, war ein außergewöhnlicher Bergsteiger. Er hatte 13 der 14 Achttausender bestiegen, als er am 18. Mai 2005 beim vierten Versuch, die 8091 m hohe Annapurna zu besteigen, von einer Lawine getötet wurde. Katharina, die Frau von Willi, ist im Februar 2015 gestorben. Zum 100. Geburtstag gratuliert haben ihrem Mitbürger am 22. Mai auch der Prader Bürgermeister Rafael Alber und der Gemeindereferent Kurt Agethle. Musikalisch umrahmt hat die Feier der junge Ziehharmonika-Spieler Matthias Gritsch. Der Jubilar, seine Tochter Ulrike, ihr Mann Arthur Blaas sowie Sohn Dorian bedankten sich bei allen, die zur netten Feier gekommen sind bzw. diese mitgestaltet haben.

Josef Laner

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