Markus Joos konnte Vertretungen aus Landwirtschaft und Bezirksgemeinschaft begrüßen.
Markus Joos dankte Reinhard Ladurner für die Einladung in die ALPE.
Das Referenten-Ehepaar Ulrike und Gottfried Tappeiner.
Bürgermeisterin Verena Tröger, Paul Wellenzohn und Peter Luis Thaler, neuer Präsident der Genossenschaft für Regionalentwicklung.
Für viele war es der erste Besuch in einer Obstgenossenschaft.
Konrad Tscholl erläuterte die konsortiale Wasserversorgung auf deam Feld.

„Wir sitzen alle im selben Boot“

Gut besuchte Wintertagung der Terra Raetica in Burgeis.

Publiziert in 5 / 2026 - Erschienen am 10. März 2026

Burgeis - Seit vielen Jahren findet in der Terra Raetica ein gemeinsamer Almtag statt; heuer wurde erstmals eine Wintertagung mit dem Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie“ eingeschoben. Vertretungen aus den „Terra Raetica Regionen“ waren der Einladung gefolgt, um sich am 6. März in der Fürstenburg gemeinsam mit den beiden namhaften Referenten Ulrike und Gottfried Tappeiner auszutauschen. Markus Joos konnte Bäuerinnen und Bauern, eine Maturaklasse der Fürstenburg sowie Führungskräfte aus den Landesämtern und aus der Bezirksgemeinschaft Vinschgau begrüßen. In seinen Grußworten sagte Bezirksobmann Elmar Monz aus Nauders „Wir sitzen alle im selben Boot, und nur gemeinsam können wir die großen Herausforderungen in der Landwirtschaft stemmen.“

Ein Blick auf die Landwirtschaft in den Regionen

Markus Joos stellte einige interessante Daten aus den vier Regionen Val Müstair, Imst, Landeck und Vinschgau vor, die zum Teil große Unterschiede aufwiesen. In Graubünden dominiert der Haupterwerbsbetrieb mit einer überschaubaren Produktion an Lebensmitteln und hoher Flächenförderung. Nordtirol ist stark touristisch geprägt, es überwiegt der Nebenerwerb. Die Eckdaten zu Südtirol: ziemlich starke Ausprägung der klassischen Produktionsform, Nebenerwerb in der Viehhaltung, starke genossenschaftliche Vermarktung und der Obstbau als Sonderstellung. Während die Landwirtschaft relativ lange ein Selbstversorger war, sei sie heute ein Markt-Player, und von der Handarbeit sei die Landwirtschaft inzwischen bei der Hochtechnologie angelangt, sagte Gottfried Tappeiner als Einleitung eines spannenden, rundum verständlichen und mit Laaser Humor gespickten Referates. „Die Landwirtschaft hat sehr viele Herausforderungen geschafft; ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft“, so der Universitätsprofessor. Er lenkte den Blick der Anwesenden auf das komplexe Unternehmen „Bauernhof“ mit all seinen Herausforderungen und Chancen. Neben der landwirtschaftlichen Produktion passiere auf den Höfen sehr viel: Produktveredelung, Forstwirtschaft, Lohnarbeit, touristische Leistungen, Co-Working, Energiegewinnung und Pflege.

Der Bauernhof und die Einflüsse von außen

Ulrike Tappeiner, bis vor kurzem Rektorin der Uni Bozen, griff die klassischen ökologischen Themen wie Artenvielfalt, Landschaft und Klimaschutz auf, die auf die Landwirtschaft maßgeblichen Einfluss haben. „Der Klimawandel in den Alpen ist doppelt so schnell wie im globalen Mittel“, sagte Ulrike Tappeiner. Zunehmende Extremereignisse, Spätfröste, der Rückgang der Gletscher und einhergehend die Wasserknappheit oder die Zunahme von Schadinsekten seien die Auswirkungen davon. Auch die Landwirtschaft könne zum Klimaschutz beitragen. Energie selbst produzieren, Holz als Baumaterial verwenden oder Agri-Photovoltaik wären einige Möglichkeiten, gaben sich beide Referenten unisono überzeugt.  Dass die landwirtschaftlichen Betriebe von vielen Faktoren von außen beeinflusst werden, zeigte Gottfried Tappeiner auf: der demographische Wandel, die Verstädterung, die Digitalisierung, die Mobilität, die Energiewende, die Ernährungswende und der bereits erwähnte Klimawandel. All diese Faktoren können Chancen und Gefahren für das Unternehmen Bauernhof sein. Die Anwesenden wurden zum Abschluss des Vormittags in Kleingruppen eingeteilt, um verschiedene Aspekte rund um den Bauernhof und die Landwirtschaft zu beleuchten. Die Referenten Ulrike und Gottfried Tappeiner kamen zum Schluss, dass es für die Landwirtschaft gelte, sich in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und offen zu sein für den Wunsch der Gesellschaft nach bequemen Vermarktungskanälen von regionalen und saisonalen Produkten. Tappeiner warnte vor dem Ausverkauf der Bauernhöfe an nichtbäuerliche wohlhabende Menschen. „Es muss das Interesse der Gesellschaft sein, damit Höfe ökonomisch überleben können und nicht verkaufen müssen!“ forderte er. Ebenso wichtig ist laut Gottfried Tappeiner eine gute Altersversorgung der in der Landwirtschaft tätigen Menschen.

Betriebsbesichtigung der ALPE Laas

Reinhard Ladurner, Geschäftsführer der ALPE Laas stellte am Nachmittag die VI.P als zentrale Verkaufsorganisation und die 1980 in Laas gegründete Genossenschaft ALPE vor. Er führte die überaus interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Verarbeitungs- und Lagerhallen und gab einen konkreten Einblick in die Abläufe in der Genossenschaft. Paul Wellenzohn, der Präsident des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau, informierte über die wichtigen Aufgaben des Bonifizierungskonsortiums, das Einzugsgebiet der konsortialen Wasserversorgung und die hohe Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre aufgrund der Errichtung der Tropfbewässerung auf 3.600 ha Obstanlagen. Konrad Tscholl, Laaser Vertreter im Bonifizierungskonsortium, führte die Gäste zum Abschluss des Tages zu einer Pumpstation auf die Laaser Möser.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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