Bereits 2028 könnte der Zubringerlift hinauf auf die Alm ersetzt werden.
Die Fraktion um Präsident Herbert Schwarz hat klare Forderungen.

Wohin Tarscher Alm?

Investoren treiben Pläne voran. Zubringerbahn von Latsch als Schlüsselprojekt.

Publiziert in 12 / 2026 - Erschienen am 30. Juni 2026

Tarsch/Latsch - In diesen Tagen bzw. noch im Juli soll die Gesellschaft zur Wiederbelebung des Skigebiets Tarscher Alm gegründet werden. Danach dürfte das Mega-Projekt weiter an Fahrt aufnehmen. Wie berichtet, plant eine Gruppe von Investoren, die Lifte und Liegenschaften an der Tarscher Alm, die sich im Besitz des Tourismusvereins befinden, zu erwerben und auszubauen. Die Initiatoren und Investorenvertreter Franz Holzknecht (ehemaliger Geschäftsführer des Skigebiets Schwemmalm) und der Pusterer Harald Amrain hatten das Projekt bei einer Bürgerversammlung vorgestellt, zu der die Fraktion Tarsch am 15. Juni ins Vereinshaus geladen hatte. Die überaus gut besuchte Veranstaltung war ausschließlich Bürgerinnen und Bürgern vorbehalten; die Presse war bewusst nicht eingeladen worden.

Fraktion spielt entscheidende Rolle

Die Ideen seien sachlich dargelegt worden, die Anwesenden konnten ihre Bedenken äußern. Die Fraktion Tarsch, die als Grundeigentümerin eine entscheidende Rolle für das Projekt spielt und ihre Zustimmung geben muss, hatte bereits im Vorfeld wesentliche Voraussetzungen ausgearbeitet. Dazu zählen eine neue Abwasserleitung von der Bergstation und der Alm ins Tal, eine komplett neue Trinkwasserleitung für die Tarscher Alm und das Bergrestaurant sowie ein Transformator für die Stromversorgung auf der Alm. Die größte Herausforderung und zugleich der wichtigste Punkt ist jedoch eine Zubringerbahn ausgehend von Latsch, die bei der Talstation der Seilbahn St. Martin entstehen könnte. „Das ist die große Voraussetzung. Unser wichtigstes Anliegen ist es nämlich, keinen Durchzugsverkehr durch Latsch und Tarsch zu haben“, unterstreicht Fraktionspräsident Herbert Schwarz gegenüber dem der Vinschger. Auch eine Zughaltestelle soll dort realisiert werden. Um die Bahn zu verwirklichen, müssen jedoch rund 50 Grundeigentümer ihre Zustimmung erteilen. Sobald die neue Gesellschaft von den Investoren gegründet ist, könnten die Verhandlungen beginnen. Ähnliche Pläne für eine Zubringerbahn gab es bereits 2009, mit einer Machbarkeitsstudie wurde bereits begonnen.

Hehre Pläne

Der seit rund 50 Jahren bestehende Sessellift „Latsch 1“ als Zubringer von der Talstation der Tarscher Alm zur Bergstation könnte bereits 2028 abgebaut und ersetzt werden. Dies wäre auch die Rettung für den Sommerbetrieb, denn 2030 stünde für den alten Zubringerlift eine weitere große Revision an, die der derzeitige Besitzer – der Tourismusverein Latsch-Martell – nicht finanzieren könnte. Läuft alles nach Plan, könnte die Tarscher Alm, wo zuletzt 2011 ein Winterbetrieb stattfand, bereits 2028/2029 schrittweise wieder in die Wintersaison starten – zunächst mit kleineren Anlagen wie einem Zauberteppich. Eine neue Liftverbindung hinauf zum Tarscher Joch ist bereits seit rund 20 Jahren im Skipistenplan des Landes enthalten und könnte ebenfalls zeitnah realisiert werden.

Angedacht ist auch ein Zusammenschluss mit dem Ski- und Wandergebiet Schwemmalm, was für die Investoren ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit des Skigebiets wäre. Die konkreten Pläne müssten jedoch noch ausgearbeitet und genehmigt werden – ein Prozess, der sich über mehrere Jahre ziehen dürfte, ebenso wie die Vision eines Zubringerlifts von Latsch hinauf zur Tarscher Alm. Vieles bewege sich bereits im Hintergrund. Sobald die Gesellschaft, die den Namen „Vinschgau Ulten Ski“ tragen soll, gegründet ist, sollen die Pläne weiter vorangetrieben werden. Herbert Schwarz betont, dass die Bevölkerung stets miteingebunden werden müsse: „Sonst geht es nicht“. 

Hauptinvestor aus Tschechien

Die Mehrheit der Anteile, also knapp über 50 Prozent, soll in Südtiroler Hand bleiben. Hauptinvestor wäre jedoch der
Tscheche Dalimil Mika. Er ist Mitbesitzer bzw. treibende Kraft hinter dem Skigebiet Paprsek im Altvatergebirge; seine Familie betreibt das Areal seit Jahren. Der Unternehmer und Gerichtsvollzieher geriet im Zusammenhang mit einem mutmaßlich zunächst ohne Genehmigung errichteten Wasserspeicherbecken für die Beschneiung in die Schlagzeilen. Tschechische Umweltverbände kritisierten das Projekt scharf; es beschäftigte zeitweise die dortigen Behörden und Gerichte.

Michael Andres

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