Wohlstand sichern – der Mensch im Mittelpunkt
Neujahrstreff der Handelskammer Bozen in Latsch.
LATSCH - Wie kann Wohlstand in Zeiten globaler Krisen, technologischer Umbrüche und gesellschaftlicher Veränderungen gesichert werden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigen sich die diesjährigen Neujahrstreffs der Handelskammer Bozen, die unter dem Leitmotiv „Wohlstand sichern – der Mensch im Mittelpunkt“ stehen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildete kürzlich ein Treffen in der Obstgenossenschaft MIVOR in Latsch. In seinen Grußworten verwies Präsident Michl Ebner auf die herausfordernde weltpolitische und wirtschaftliche Großwetterlage. Diese sei zwar nicht beeinflussbar, sehr wohl aber das Handeln vor Ort: „Wir können hier bei uns im Kleinen dafür sorgen, dass es gut läuft.“ Seit mittlerweile 15 Jahren bringen die Neujahrstreffs gezielt Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen, um zentrale Zukunftsthemen zu diskutieren. Dass der Mensch dabei im Mittelpunkt stehen müsse, habe sich nicht zuletzt durch den demografischen Wandel und neue Arbeitsformen wie Smart Working oder flexible Arbeitszeitmodelle deutlich gezeigt.
Arbeit im Wandel – Mensch bleibt Schlüssel
Auch Landesrätin Magdalena Amhof unterstrich die wachsenden Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Jährlich müssten bereits jetzt über 3.000 Pensionierungen kompensiert werden – mit steigender Tendenz. Mitarbeitergewinnung und -bindung seien deshalb zentrale Zukunftsaufgaben. Arbeit sei längst mehr als ein Mittel zum Zweck: Sinnstiftung, Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten und Gesundheit rückten immer stärker in den Fokus. Gleichzeitig brauche es leistungsgerechte Löhne, gezielte Weiterbildung, und einen inklusiven Arbeitsmarkt. Landesrat Luis Walcher betonte, dass Wohlstand untrennbar mit qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen verbunden sei. Technologie könne den Arbeitsalltag erleichtern, bleibe jedoch ohne engagierte, gut ausgebildete Menschen wirkungslos. Um Südtirol für junge Menschen attraktiv zu halten, brauche es nicht nur interessante Arbeitsplätze, sondern auch ein familienfreundliches Umfeld mit leistbaren Diensten, Kinderbetreuung und Freizeitangeboten.
MIVOR: Technik und Mensch im Einklang
Als Gastgeberin stellte Monika Ohrwalder, Geschäftsführerin der MIVOR Latsch, die Genossenschaft vor, die bewusst auf ein wertschätzendes Arbeitsumfeld setzt. Teamklima, Onboarding, Weiterbildung und betriebliche Angebote wie Sportaktivitäten, Feste oder eine interne Mitarbeiterzeitung stärken die Identifikation mit dem Betrieb. Auch Familienfreundlichkeit, Teilzeitmodelle und Sprach- sowie Hierarchieübergreifende Integration spielen eine zentrale Rolle. Technik sei wichtig, der Mensch bleibe jedoch immer entscheidend. Ein Rundgang durch den Verpackungsbereich zeigte, wie moderne Technik und menschliche Kompetenz ineinandergreifen.
Mensch mit Maschine – nicht gegen sie
Im Fachvortrag betonte Mirko Udovich von Staff & Line die Bedeutung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Entscheidend sei nicht ein Gegeneinander von Mensch und Maschine, sondern ihr Zusammenspiel. Besonders das Onboarding neuer Mitarbeitender sei ein kritischer Erfolgsfaktor – hier könne KI unterstützend wirken. Gleichzeitig brauche es ein modernes Verständnis von HR: weg von reiner Verwaltung, hin zur aktiven Gestaltung von Unternehmenskultur. Resilienz, generationenübergreifende Zusammenarbeit und persönliche Begegnung seien zentrale Zukunftskompetenzen. Der Abend in Latsch zeigte: Technik kann Prozesse optimieren, Strategien können geplant werden. Doch getragen wird Wirtschaft immer von Menschen. Wer Arbeitsplätze menschlich, fair und zukunftsorientiert gestaltet, investiert nicht nur in Produktivität, sondern in Zusammenhalt, Loyalität und Perspektiven. Damit wird der Mensch nicht nur zum Mittelpunkt, sondern zur tragenden Säule eines nachhaltigen Wohlstands.