Bürgermeister Zeno Christanell stellte zwei Wohnbau-Modelle in der Gemeinde Naturns vor.
Im Bild (v.l.): Marlene Preims, Leonhard Resch, Tony Tschenett, Zeno Christanell und Moderator Reinhard Bauer.

„Wohnen für den Mittelstand”

Info-Abend und Bürger-Dialog in Naturns

Publiziert in 12 / 2026 - Erschienen am 30. Juni 2026

Naturns - Schon seit Jahren brennt das Thema Wohnen vielen Menschen unter den Nägeln, besonders die hohen Baukosten und Mietpreise. Darüber und über weitere Themen wurde am 10. Juni im Bürgersaal in Naturns unter dem Motto „Wohnen für den Mittelstand – Modelle & Möglichkeiten“ informiert und diskutiert. Der Initiator und Moderator des Abends, Reinhard Bauer, konnte im Namen der Veranstalter (Soziale Mitte Burggrafenamt, KVW-Ortsgruppe Naturns, ASGB und Arche im KVW) viele interessierte Bügerinnen und Bürger sowie zahlreiche politische Vertretungen aus Gemeinden des Burggrafenamtes und des Vinschgaus willkommen heißen. Bauer hatte die Veranstaltung bewusst als Bürger-Dialog zwischen Fachleuten, Gemeinden und Bevölkerung angelegt, und zwar dem Ziel, „nicht bei der Beschreibung der Probleme zu bleiben, sondern vor Ort konkrete Modelle und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“ Die Bezirkspräsidentin des Vinschgaus, Roselinde Gunsch, nannte das leistbare Wohnen in ihren Grußworten als die derzeit größte Herausforderung. Martin Stifter, der Vorsitzende der Sozialen Mitte Burggrafenamt, gab zu bedenken, „dass die Kosten für den Kauf von Wohnungen und auch die Mietpreise schon seit Jahren einfach zu hoch sind.“ Wohnen heiße nicht nur, ein Dach über dem Kopf zu haben, sondern es habe auch mit Lebensqualität und Zukunft zu tun.

„Rund 30 Prozent unter dem Marktpreis“

Bürgermeister Zeno Christanell stellte einleitend zwei Wohnbau-Projekte bzw. Modelle der Gemeinde Naturns vor. Erfolgreich abgeschlossen worden sei das Projekt „Leistbares Wohnen ‚Lahn‘“, bei welchem die Wohnungspreise „mindestens 30 Prozent unter dem aktuellen Markpreis lagen.“ Christanell gab sich überzeugt davon, „dass sich auch im klassischen Wohnbau relativ günstig bauen lässt, wenn es die Gemeinden richtig angehen.“ Startklar sei mittlerweile ein Projekt zum Bau von Wohnungen mit Preisbindung („Leistbares Wohnen ‚St.Prokulus‘“). Leonhard Resch (Arche im KVW) stellte die verschiedenen Arten der Wohnbauförderungen sowie die unterschiedlichen Modelle vor. Die einschneidendsten Erleichterungen habe die jüngste Wohnbaureform für den Mittelstand gebracht. Interessante Modelle seien das Wohnen mit Preisbindung, das Mehrgenerationen-Wohnen und vor allem der gemeinnützige Mietwohnbau. Grundsätzlich ist Resch überzeugt, dass der klassische Wohnbau und bisherige Modelle weiterhin wichtig sein werden und das Wohnen mit Preisbindung parallel dazu greifen sollte: „Im Vergleich zum klassischen Wohnbau kommt man beim Wohnen mit Preisbindung um rund 2 Jahre schneller zu einer Wohnung.“ Stets zu beachten sei, dass es in den Gemeinden unterschiedliche Bedürfnisse und Ausgangslagen gibt, sodass sich nicht alle Modelle überall umsetzen lassen.

„Zu niedrige Löhne und Renten“

Tony Tschenett, ASGB-Chef und Mitglied des Verwaltungsrates des Wohnbauinstitutes (WOBI), sieht das Kernproblem darin, „dass die Löhne zu niedrig sind, im öffentlichen Bereich ebenso wie im privaten.“ Dasselbe gelte auch für die Renten. Was die Sanierung von Wohnungen betrifft, sollte das WOBI mehr tun. Nicht die Augen verschließen dürfe man vor der Tatsache, „dass zunehmend auch Rentner und Rentnerinnen Schwierigkeiten haben, die Miete zu zahlen.“ Zu ändern seien zudem die Kriterien für die Vergabe von Mietwohnungen, und zwar dahingehend, „dass jene belohnt werden, die wirklich arbeiten.“ Derzeit komme es vor, dass Nicht-EU-Bürger, die mittlerweile italienische Staatsbürger sind, in WOBI-Wohnungen leben, „obwohl sie zum Teil nur wenige Arbeitsstunden vorzuweisen haben und das macht einfach ein schlechtes Bild.“ Bei der Zuweisung von Wohnungen sollten jene Personen, die ganzjährig arbeiten, mehr Punkte bekommen.

Was geschieht mit Pfarrhäusern?

Bei der Diskussion wurde unter anderem auch das Thema der vielen leerstehenden Pfarrhäuser angesprochen, die es landauf landab gibt und die vielfach sanierungsbedürftig sind. Es wurde angeregt, dass sich das Land diesbezüglich mit den Verantwortlichen der Diözese, speziell des DIUK (Diözesaninstitut für den Unterhalt des Klerus) an einen Tisch setzen sollte. Leonhard Resch erinnerte daran, dass Bischof Ivo Muser schon mehrfach angekündigt habe, dass die Diözese in Sachen leistbares Wohnen einen Beitrag leisten wolle. Das Thema sei allerdings komplex: „Viele Pfarreien haben zwar viel Besitz, sind aber bettelarm.“

Kasernen-Areal: „Kleine Brötchen“

Auf die Frage, wie die Gemeinde Schlanders bei der Nachnutzung des Kasernen-Areals in Sachen Wohnen vorgehen sollte, meinte Resch: „Es ist vielleicht gut, nicht zu große Baulose umzusetzen, sondern ‚kleine Brötchen‘ zu backen, verschiedene Wohnbau-Modelle ins Auge zu fassen und Schritt für Schritt vorzugehen, damit man möglichst flexibel bleibt.“

„Die Senioren nicht vergessen“

Marlene Preims, die Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Meran, rief dazu auf, bei den neuen Wohnbau-Modellen die Senioren und Seniorinnen nicht zu vergessen: „Es gibt viele einsame Menschen, die besorgt sind, wo und wie sie im Alter wohnen werden.“ Eine ganze Reihe von Fragen und Anliegen sei diesbezüglich zu beachten, so zum Beispiel die Größe der Wohnung, der barrierefreie Zugang, das gesunde Bauen und weitere Bedürfnisse älterer Menschen, deren Anzahl weiter steige.

Josef Laner

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