Gestohlenes Land

Publiziert in 3 / 2026 - Erschienen am 10. Februar 2026

Wer seine vier Wände nicht verlässt, weiß nicht, wie es draußen ist. Er kennt nur das, was ihn unmittelbar umgibt. Nichts, was vor seiner Tür geschieht, macht ihn wirklich heiß. Was er im Fernsehen oder auf dem Smartphone sieht, ist virtuell und berührt ihn kaum. Legt man das Ganze auf ein Dorf um, ein Land, eine Nation oder einen Kontinent, verhält es sich nicht viel anders. Man nimmt nur das wahr, was im eigenen Dorf oder Land passiert. Daraus kann sich eine bestimmte Enge entwickeln. Es wachsen Scheuklappen, die alles ausblenden, was nicht in den eigenen Blickwinkel fällt. So entstehen tote Winkel, ähnlich wie es sie im Straßenverkehr gibt. Und es machen sich Tendenzen breit: Was außerhalb unseres Kreises abläuft, interessiert uns nicht, wir sind wir, das Wichtigste ist der Schutz unseres eigenen „Stalls“, Illegale müssen weg. In den USA ist es die Bundesbehörde ICE, die Personen ohne rechtmäßigen Aufenthaltsstatus zum Teil aggressiv und brutal verfolgt und abschiebt. „Illegal aliens“, also illegale Ausländer, werden diese Personen genannt. Zwei Menschen wurden unlängst in Minneapolis getötet. Lauten Protest gegen die Behörde ICE gab es kürzlich bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles. Klare Worte fand etwa die Sängerin Billie Eilish: „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land“, sagte sie. Gestohlen wurde das Land den indigenen Völkern. Viele Indianer wurden in Reservate gesperrt und verfielen dem Feuerwasser.

redaktion@dervinschger.it

Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.