Der Filmabend im Dachgeschoss des Ritterhauses Chasa de Capol in Sta. Maria war gut besucht.
Der Filmabend im Dachgeschoss des Ritterhauses Chasa de Capol in Sta. Maria war gut besucht.
Im Bild (v.l.): Melanie Platzer, Hans Conradin und Gerald Holzer.

Austausch mit „Stelvio-Umbrail 1914/1918“

Publiziert in 12 / 2026 - Erschienen am 30. Juni 2026

Sta. Maria - Ein erster länder- und sprachenübergreifender Austausch zwischen dem Verein „Stelvio-Umbrail 1914/1918“, der sich der Sicherung, Dokumentation und Präsentation von Befestigungen, militärhistorischen Wanderwegen und Relikten des Ersten Weltkrieges widmet, und dem Ortler Sammlerverein Erster Weltkrieg hat am 11. Juni im Ritterhaus Chasa de Capol in Sta. Maria im Val Müstair stattgefunden. Zum Abend eingeladen hatten Walter Züger und Hans Conradin vom Verein „Stelvio-Umbrail 1914/1918“. Zum Auftakt wurde im Dachgeschoss der Chasa de Capol, das u.a. als Kinosaal fungiert, der Film „Die Front am Stilfserjoch und auf der Hohen Schneid“ gezeigt. Dieser Dokumentarfilm des Ortler Sammlervereins Erster Weltkrieg gewährt Einblicke in die Kriegsgeschehnisse im Ortlergebiet und beleuchtet die extremen Bedingungen, unter denen einst an der Front gekämpft wurde. Hans Conradin hatte die rund 50 Einheimischen und Gäste in rätoromanischer Sprache begrüßt, Gerald Holzer, der Vizepräsident des Ortler Sammlervereins, in deutscher Sprache. Das Publikum verfolgte den Film, erstellt von Eberhard Reinstadler (Konzept, Filmmaterial und Schnitt) mit großem Interesse mit. Spannend wurde es auch im Anschluss an die Filmvorführung, als Melanie Platzer, die Präsidentin des Ortler Sammlervereins, erste Forschungsergebnisse zu den Deserteuren in Sta. Maria und im Münstertal während des Ersten Weltkrieges vorstellte. Demnach gab es im Zeitraum von 1914 bis 1920 rund 700 Deserteure im Kanton Graubünden, und zwar italienische und österreichisch-ungarische Soldaten sowie russländische und französische Kriegsgefangene. Die Schweiz war der einzige, zentral gelegene europäische Staat, der eine dauerhaft garantierte und praktisch durchgehaltene Neutralität bewahrte. „Der illegale Übertritt war die einzige Möglichkeit, sich dem Krieg zu entziehen oder in die Freiheit zu gelangen“, führte Platzer aus. Der Vorstand des Museums Stelvio-Umbrail 1914-1918, der Hotelbesitzer Ramun Schweizer sowie der Ausschuss des Ortler Sammlervereins freuten sich über den gelungenen Austausch und streben eine weitere länderübergreifende Zusammenarbeit an. Detail am Rande: Das Ritterhaus von Ramun Schweizer wartet selbst schon mit einer reichen Geschichte zum Schauen und Staunen auf
(www.chasa-capol.ch).

Josef Laner

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