Künstler Reinhold Tappeiner vor seinem Werk „Das blaue Gesicht“
Die Bilder fanden großen Anklang.
Zahlreiche Gäste waren bei der Vernissage dabei.
Eva Gratl und BM Gustav Tappeiner
Andreas Unterholzner

Berührung im Schloss

Reinhold Tappeiner zeigt in seiner Herbstausstellung in Kastelbell vier Werkzyklen zwischen Licht, Körper, Kopf und Schwingung.

Publiziert in 17 / 2025 - Erschienen am 23. September 2025

Kastelbell -  „Es ist mir ein großes Anliegen, meine Arbeiten hier zu zeigen; dort, wo ich lebe und arbeite, im Vinschgau“, unterstrich der Laaser Künstler Reinhold Tappeiner bei der Eröffnung der Herbstausstellung im Schloss Kastelbell am 13. September. Unter dem Titel „Berührung“ präsentiert Tappeiner rund 50 Arbeiten aus vier Werkzyklen. Gezeigt werden Arbeiten seit dem Jahr 2000: Grafiken und Malereien in Kohle sowie Marmorsand mit Eitempera auf Papier und Leinwand. „Kunst ist mein Lebenselixier. Mein Ziel, mein Ansporn war es stets, gute Arbeiten zu schaffen, unabhängig von äußerem Erfolg“, erklärte der Laaser vor zahlreichen Gästen. Die Leidenschaft für die Kunst begleite ihn seit jeher, „wie eine Quelle, die nicht versiegt“. 

Vier Zyklen

Vier Werkzyklen, in der chronologischen Reihenfolge „Lichtflut“, „Essenz“, „Caput“ und „Schwingung“, sind im Schloss ausgestellt. „Jedes Bild durchläuft ein Leben. Jede Schaffensperiode begleitet einen Lebensabschnitt“, erklärte Tappeiner. Der Abschied von einer Schaffensperiode und der Neubeginn seien die Konstanten seiner Arbeit. „Ich habe gelernt, loszulassen und zu vertrauen, nur so kann Neues entstehen“, so der Künstler. Über seine Zyklen und Werke sprach bei der Vernissage schließlich die bekannte Kunst- und Kulturpublizistin Eva Gratl, die eine lange Freundschaft mit dem Künstler verbindet. „Er hat einen besonders schönen Titel für seine Ausstellung gewählt“, unterstrich sie. Berührung sei ein Begriff, „den wir heute nötig haben, in einer Welt, die sehr geprägt ist von der Ich-Perspektive und Einsamkeit.“ Berührung bedeute ganz nah. Darum gehe es in dieser Ausstellung. „Im Mittelpunkt steht bei Reinhold der Mensch“, unterstrich die Kunstkritikerin. 

Berührung als roter Faden

Der Titel der Ausstellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke im Schloss. Beim Zyklus Lichtflut geht es um malerische Farbkompositionen, um die Berührung zur Materie, zur Struktur, zur Natur. Bei Essenz geht es um den Körper, um die Berührung zu sich selbst. „Die Leibhaftigkeit, eine Reise ins eigene Ich. In einer Krisenzeit fand ich meine Liebe zur Kohlezeichnung, zur Reinheit der Zeichnung, zum Ursprung. Die Zeichnung als wesentliche Arbeit, und so entstanden Körper, auf wenige Linien reduziert, liegend, verschränkt, gequält, dahingestreckt, fragmentiert“, so Tappeiner. Bei Caput geht es um Köpfe. „Ein zentrales Thema in der Kunstgeschichte. Der Kopf faszinierte schon seit jeher“, erinnerte Eva Gratl dazu. „Es entsteht ein Dialog mit den Köpfen, eine Wechselwirkung, Spiegelbilder“, erklärte Tappeiner. Ihm sei es wichtig gewesen, den Kopf so minimalistisch wie möglich darzustellen, mit besonderer Konzentration auf das Auge, den Blick, um das Wesentliche hervorzuholen. „Ich bin ein Beobachter, nehme auf, lasse fließen, was ich im Unterbewusstsein abgespeichert habe“, so der Künstler. Bei seinem aktuellen Zyklus Schwingung mit Werken aus den vergangenen beiden Jahren werden hingegen mystische Räume betreten, „wir berühren eine andere Dimension“, stellte Tappeiner auch hier eine Verbindung mit dem Titel der Ausstellung her und ergänzte: „Es handelt sich um malerische Bewusstseinsräume, bei denen jeder seine innere Balance finden kann.“ 

Bis 31. Oktober zugänglich 

Gerold Tappeiner, der Obmann des Kuratoriums Schloss Kastelbell, überbrachte Grußworte und freute sich, so viele Gäste bei der Eröffnung der 27. Herbstausstellung begrüßen zu dürfen. Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober während der Öffnungszeiten des Schlosses von Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr zugänglich, sowie am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Andreas Unterholzner sorgte für die musikalische Umrahmung der Vernissage und ging dabei auf die Bilder des Künstlers ein. Ein Stück spielte der Musiker auch zu Ehren des 2021 verstorbenen Organisten und Komponisten Dietrich Oberdörfer, der viele Jahre mit Reinhold Tappeiner zusammengearbeitet hatte. 

Michael Andres

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