Auch Ruinen können majestätisch sein.
Die Grafen Gregor und Ivo Khuen-Belasi (v.l.) genehmigten den Vertretern der Gemeinde Prad mit Bürgermeister Rafael Alber und Gemeindesekretär Ludwig Thoma am 9. September 2025 weitere 15 Jahre der friedlichen Nutzung von Schloss Lichtenberg.
Jahresversammlung des Kuratoriums mit (v.l.): Peter Pfeifer, Rafael Alber, Martin Andres, Petra Pohl, Matthias Hofer, Ivo und Magdalena Grafen Khuen-Belasi.

Die friedliche Belagerung geht weiter

Jahresversammlung des Kuratoriums „Schloss Lichtenberg“

Publiziert in 7 / 2026 - Erschienen am 8. April 2026

Lichtenberg - Es ist eine Art von Belagerung, die mit der Wahl von Petra Pohl zur Vorsitzenden des Kuratoriums „Schloss Lichtenberg“ begonnen hat. Seitdem nähern sich nicht mehr nur Fachleute der Geschichte der schönsten Burgruine Südtirols. Pohl, die gelernte Historikerin, hatte am 14. März 2026 zur 3. Vollversammlung des Kuratoriums ins Haus der Dorfgemeinschaft geladen. Zusammen mit ihren Schlossführerinnen und dem Gemeindereferenten Peter Pfeifer, auch Direktor des Tourismusvereins Prad, hielt sie Rückschau und zog Bilanz in Anwesenheit von Bürgermeister Rafael Alber, Ivo Graf Khuen-Belasi als Mitbesitzer des Schlosses, von Fachleuten wie Baumeister Albrecht Ebensperger, Architekt Kurt Karl Stecher und Matthias Hofer, Vertreter für Lichtenberg im Gemeindeausschuss von Prad und Pohls Stellvertreter im Kuratorium.

Rollentausch im Kuratorium

Die erste Neuigkeit, die Pohl preisgab, war der Wechsel der Stelle eines Kastellans von Benjamin Wallnöfer zu Martin Andres aus Prad. Der Kastellan sei so etwas wie der Hausmeister für das Schloss, zuständig für die Sicherheit, für die Pflege der Vegetation und für vieles mehr, erklärte Pohl und meinte erleichtert: „Wir sind sehr froh, dass Martin Andres diese Aufgabe übernommen hat. Es gibt immer etwas zu tun.“ Der Kastellan habe auch die Verantwortung als Kassier getragen. Diese Funktion sei nun auf Silvia Kuppelwieser übergegangen, die auch die Führungen in italienischer Sprache durchführt. Miriam Niederegger sei zur Schriftführerin ernannt worden und mache nicht nur in Lichtenberg, sondern auch bei den Kulturgütern in Prad Führungen. Zuständig für Führungen mit Schulen und Familien seien Renate Gostner und Barbara Folie, unterstützt von Andrea Thanei. Gruppenführungen versuche man aufzuteilen. Die Statistik der „historischen Führungen“ konnte sich sehen lassen. 158 Erwachsene und 16 Kinder beteiligten sich an einer friedlichen Eroberung der Burg. 29 Führungen fanden in deutscher, 6 in italienischer Sprache statt. 4 Mal wurden Schulklassen betreut. Die erste Führung in Englisch habe im letzten Sommer stattgefunden.

Eine Tarifordnung ist notwendig

Eine gewisse Zufriedenheit hörte man aus dem Kassabericht. Pohl sprach von einer zuverlässigen Partnerschaft mit der Raiffeisenkasse Prad-Taufers, die für die Verglasung der Schießscharten im Obergeschoss des Rondells 4.450,56 Euro zur Verfügung gestellt habe. Auch hat sie sich mit 5.000 Euro an der Finanzierung des neuen Burgerführers beteiligt. Aus dem Leader-Projekt wurden 170.000 Euro zugesprochen, damit das Museumsprojekt ausgeführt werden kann. An dieser Stelle meldete sich Bürgermeister Rafael Alber mit der Präzisierung zu Wort, dass bei Leader nicht nur EU und Staat Mittel zur Verfügung stellen, sondern auch die Gemeinde, die bis dato schon einiges hinsichtlich des Schlosses finanziert hat. Für die Benützung des Schlossareals (Veranstaltungen) wird Pohl zusammen mit ihrem Stellvertreter Matthias Hofer eine Tarifordnung erstellen und sie von der Gemeinde genehmigen lassen. Durch eine Begehung im Frühjahr sollen Mängel erfasst und behoben werden. Ein Brunnen wartet bereits auf seinen neuen Standort im Schloss. Notwendig sind laut Petra Pohl eine mehrsprachige Beschilderung der einzelnen Gebäude, ein Schloss-Leitplan sowie Verhaltensregeln für Besucher im Schloss. Pohl verglich die Aufwände für das Schloss mit einem „Loch ohne Boden“. Es sei sehr viel passiert und trotzdem fehlen dringende Maßnahmen. Ein Wunsch vieler sei es auch, die originalen Fresken im Museum Ferdinandeum anzuschauen. Eine Heimholung sei wohl nicht mehr möglich. Kritik kam auf am mangelhaften Kontext, in dem die Fresken bisher in Innsbruck ausgestellt waren.

Kein Burgenführer ohne Bauforschung

„Komplikationen“ und Verzögerungen wurden auch im Zusammenhang mit dem sehnsüchtig erwarteten Burgenführer bekannt. Baumeister Ebensperger wollte wissen, warum es für ein derart wertvolles Objekt, wie Schloss Lichtenberg, keine wissenschaftliche Bauforschung gibt oder gegeben hat, während das Land Südtirol teilweise dafür sorgt, dass viel „bescheidenere Objekte“ zu einer Bauforschung kommen. Es wäre bedauerlich, wenn gerade im Burgenführer Schloss Lichtenberg die Ergebnisse einer Bauforschung nicht vorhanden wären. Ebensperger warnte, das Projekt Burgenführer überhastet anzugehen – auf keinen Fall ohne Ergebnis der Bauforschung. Für den Abschluss der Vollversammlung durfte Petra Pohl einen Film über Schloss und Kirche in Lichtenberg präsentieren. Roland Rieder aus Kastelbell hatte mit Besucheraugen einen stimmungsvollen Doku-Film gedreht und ihn fachmännisch kommentiert. Präsidentin Pohl dankte abschließend allen, die mit ihrem Engagement zum Erhalt des Schlosses beigetragen haben. Pohl versuchte optimistisch nach vorne zu blicken: „Das Schloss soll auch künftig ein Ort der Begegnung, der Kultur und der Inspiration bleiben und als historisches Erbe gesehen und bewahrt werden.“

Günther Schöpf

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