Drei Vinschger im „Großen Finale“
Am Ende gab es Gold, Silber und Bronze
Naturns/Latsch/Meran/Spielberg - Es war keine politische Wahl, es war ein Festival, das vom 3. bis zum 6. Juni 2026 in Spielberg in Kärnten stattfand. Der rote Teppich war ausgerollt. Zumindest auf dem Plakat. Aber es war nicht die Oscar-Verleihung in Hollywood, sondern die Ankündigung des „Großen Finales“ im Filmfestival der „VÖFA“ – des „Verbandes österreichischer Film-Autoren“ im kärntnerischen Spielberg. „Es hat keinen roten Teppich gegeben, aber die musikalisch untermalte Prämierung im Rittersaal von Burg Spielberg war uns stimmungsvoll und würdig genug.“ Unter „uns“ meinte der Naturnser Leo Lanthaler, Obmann des Amateurfilmer Vereins Vinschgau, sich und seine beiden Mitstreiter Christian Lintner aus Meran und Ulrich Schwienbacher aus Latsch. Soweit das Wichtigste der Vorgeschichte. Eine erste und folgenreiche Entscheidung war aber schon am 18. April 2026 gefallen. Es war ein Paukenschlag, als man den drei Amateurfilmern von Klagenfurt aus mitteilte, dass alle drei eingereichten Filme „Der Koffer“, „Such- und Rettungshunde Vinschgau“ und „Harmonie im Wald“ bei der Landesmeisterschaft mit „Gold“ bewertet wurden. Dem nicht genug. Ulrich Schwienbacher wurde auch noch der Sonderpreis „Bemerkenswerter Schnitt“ zugesprochen. Das hieß: Alle drei Filme waren zu den Staatsmeisterschaften in Spielberg zugelassen.
Die Erwartungen waren hoch
Dann gab‘s kein Halten mehr. Obmann Leo Lanthaler und sein Vorgänger Sepp Gufler aus Vetzan machten sich auf den Weg in den Südosten Osterreichs - aufgeregt, aber hoffnungsvoll. Sie wussten Bescheid über den Bewertungsvorgang. Immerhin reichten die ersten Kontakte zur VÖFA bis ins Jahr 2012 zurück. „Wir haben schon mehrmals Filme eingeschickt“, erklärte Obmann Lanthaler, „und den Sonderpreis ‚Flamingo‘ habe ich schon vor 14 Jahren mit dem Film ‚Hei ziachn‘ erhalten.“ Dass die Erwartungen der Südtiroler dieses Jahr besonders hoch waren, verstand sich aus der dreifachen, goldenen Vorbewertung bei der Landesmeisterschaft. 56 Filme kamen dieses Jahr zur Auswahl für die Staatsmeisterschaft und mussten von 5 Juroren in Gemeinde Spielberg, die rund 5.350 Einwohner hat, durchgesehen und bewertet werden. Die Filme wurden ausgelost und auf 14 Blöcke verteilt. Zur Überraschung der Zaungäste aus Südtirol wurde als erster Film im ersten Block der Gemeinschaftsspielfilm von Christian Lintner „Der Koffer“ für die gesamtösterreichische Wertung 2026 beurteilt und bepunktet. Die Jury führte in der Ergebnisliste Titel, Autor, Verein, Laufzeit und eine kurze Inhaltsangabe an. Letztere war bei Lintners Film auffallend ausführlich. Ob das schon ein Gütekriterium war, darüber konnten die Vinschger nur spekulieren.
Der Wald als Hauptdarsteller
Und schon war im 2. Block Leo Lanthalers Werk „Harmonie im Wald“ dran. Die präzise und vor allem gefühlvolle Inhaltsangabe hätte man einem Außenstehenden nie und nimmer zugetraut. Der Film begleite diese besondere Landschaft durch die Jahreszeiten – schrieb die Jury – und zeige die stille Komplexität: alte Kastanienbäume, gepflegte Wiesen und ein reiches Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren. Auch mit dem dritten Beitrag aus dem Vinschgau, Ulrich Schwienbachers „Such- und Rettungshunde Vinschgau“, verfuhr die Jury äußerst aufmerksam. Mit 12 Minuten und 28 Sekunden war es der weitaus kürzeste Vinschger Beitrag, dessen Dramaturgie ebenfalls einfühlsam und kompetent beschrieben wurde. Die Inhaltsangabe endete mit: „Der Film vermittelt, wie Engagement, Teamarbeit und Vertrauen zwischen Mensch und Hund im Ernstfall Leben retten können.“
Es begann das lange Warten oder – wie man auch sagt – das große Zittern. Man bangte und hoffte. Man hatte keine anderen Anhaltspunkte als wohlwollende Kommentare und Inhaltsangaben. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Im Sport würde man berichten: Ein kompletter Medaillensatz ging an den Amateurfilmer Verein Vinschgau mit Sitz in Goldrain.
Vollständiger Medaillensatz
Der Gemeinschaftsspielfilm von Christian Lintner „Der Koffer“ kam auf einen Bronzeplatz. Der letzte Satz der Inhaltsangabe war ein Bekenntnis der Jury: „Doch je tiefer sie (die Schauspieler, Anmerkung der Redaktion) graben, desto mehr geraten sie in den Bann einer magischen Vergangenheit, die niemanden unberührt lässt.“ Zu Silber schaffte es Ulrich Schwienbachers nüchterner Titel „Such- und Rettungshunde Vinschgau“. Für die Jury wichtig und für Rang 2 ausschlaggebend war wohl „die Verbindung dokumentarischer Einblicke mit einer inszenierten Spielfilmhandlung als dramaturgischen Rahmen“. Dann der große Augenblick. Eigentlich waren es zwei. Rund um den Sonnenberg mit seinen Kastanienhainen war es Leo Lanthaler gelungen, durch seine erprobte, gefühlvolle Kamera-Führung und seine Liebe zur Natur zu überzeugen. Es gab eine „Goldene“ und einen Sieger namens Leo Lanthaler. Zum 2. Triumph des naturverbundenen Naturfilmers aus Naturns kam es mit der Übergabe des Wanderpreises „Flamingo.“ Der begehrte Sonderpreis der Jury wird mit einem Verhältnis von 4:1 Kampfrichter für einen Film vergeben, der „als organisches Ganzes“ überzeugt.