Im Gedenken an Robert Scherer
Schlanders - Während man im Trauerportal Kerzen anzündete, während fast alle Südtiroler Medien vom Tod eines „Großen der Südtiroler Kunst“ berichteten und von allen Seiten Nachrufe veröffentlicht wurden, wartete man im Hauptort des Vinschgaus ab. Eineinhalb Monate nach dem Todestag des Künstlers am 11. Jänner 2026 setzten Gemeinde- und Bürgerheimverwaltung in Schlanders ein deutliches Zeichen, dass der aus Kortsch stammende Künstler Robert Scherer sein bedeutendstes Gesamtkunstwerk wohl mit der Ausmalung der Hauskapelle des „Bürgerheimes Nikolaus von der Flüe“ geschaffen hatte. Familienmitglieder, Verwandte, Freunde, Ehrenbürger, Gehilfen und Weggefährten wurden zu einer berührenden Messfeier geladen. Gestaltet wurde sie von Pater Max, dem letzten Kapuzinerpater in Schlanders, mit der Assistenz von Dekan Mathew Kozhuppakalam. Dazu hatten vier Vertreter des Männergesangsvereins unter der Leitung von Peter Laimer im Sinne des Wortes zu einer besonderen Stimmung beigetragen.
Als Gemeindereferentin begrüßte Kunhilde von Marsoner Scherers Söhne Ludwig Hell und Markus Scherer, die Angehörigen von Toni Scherer, Cousin und Gehilfe des Künstlers, und weitere Verwandte aus Kortsch. Grußworte richtete die Referentin an gut 40 Besucher, darunter Bürgermeisterin Christine Kaaserer, Peppi Tischler aus Meran mit Frau, Ehrenbürger Alt-Dekan Josef Mair und Hans Wielander. Zwar kannten viele Teilnehmer die 1981 fertig gestellte Hauskapelle, aber wenige waren in den Genuss einer ausgiebigen Interpretation und Ikonographie gekommen, wie sie Dieter Pinggera, Direktor des Bürgerheimes, versuchte. Er begründete unter anderem die Namensgebung und Widmung der Kapelle – sie ist dem Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flühe oder „Bruder Klaus“ gewidmet – mit der einstigen Zugehörigkeit des Vinschgaus zum Bistum Chur. Die Ausmalung der Kapelle mit dem tiefgründigen Bildprogramm ist einem Wettbewerb zu verdanken, aus dem Robert Scherer als Sieger hervorgegangen war. 11 Jahre lang beschäftigte sich Scherer mit den Ereignissen aus dem Leben des späteren Einsiedlers „Bruder Klaus“. Breiten Raum in den Ausführungen nahmen die Interpretationen der Farben – Blau, Gold, Rot – und die Wahl der Heiligen ein. Direktor Pinggera verglich das Leben der Heimgäste und deren Einsamkeit mit der Einsamkeit des Schweizer Einsiedlers, der erst 1947 heiliggesprochen worden war. Robert Scherer habe „Bruder Klaus“, in der Schweiz „Vater des Vaterlandes“, dem Heiligen Franziskus in Italien mit ähnlichem Lebenslauf gegenübergestellt und dessen „Sonnengesang“ als Lobpreis auf die Schöpfung und als Beispiel für die eigene Naturbeziehung verwendet. Seinen Vortrag beschloss Pinggera mit der Erkenntnis: „Unserem Bürgerheim St. Niklaus von der Flüe hat Robert Scherer damit wirklich ein besonderes Werk von unschätzbarem Wert hinterlassen!“ Den Schlusspunkt der Feier setzte der Präsident des Verwaltungsrates, Harald Tappeiner, der für die Teilnahme dankte und zu einem Umtrunk einlud.