Pfarrer Alfred Rieper in einem RAI-Interview im August 1988.
Der Kultursaal in Graun war bis auf den letzten Platz besetzt.
Ludwig Schöpf
Valentin Paulmichl
Albrecht Plangger
Florian Eller
Ulrich Ladurner
Erika Kustatscher
Im Bildhintergrund Pfarrer Alfred Rieper auf seiner geliebten Vespa.

Immer nah bei den Menschen

Buch erinnert an das Leben und Wirken von Pfarrer Alfred Rieper.

Publiziert in 20 / 2026 - Erschienen am 3. November 2026

Graun - „Es gibt Menschen, deren Wirken sich nicht daran messen lässt, ob sie ein Geschehen aufhalten konnten. Ihre Bedeutung zeigt sich vielmehr darin, ob sie in einer schweren Zeit bei den Menschen geblieben sind, ob sie ihre Stimme erhoben haben, als andere schwiegen, und ob sie dort Verantwortung übernommen haben, wo sie gebraucht wurden. Pfarrer Alfred Rieper war ein solcher Mensch.“ Diese Zeilen stammen aus dem Vorwort von Bischof Ivo Muser zum neuen Buch „Pfarrer Alfred Rieper – Unvergessen“, das am 31. Oktober im bis auf den letzten Platz besetzten Kultursaal in Graun vorgestellt wurde. Geschrieben haben das Buch die vier Kulturschaffenden Florian Eller, Valentin Paulmichl, Albrecht Plangger und Ludwig Schöpf anlässlich des 30. Todestages von Pfarrer Alfred Rieper. Zur Vorstellung konnte die Kulturreferentin Andreas Maas viele Interessierte aus der Gemeinde Graun, dem Vinschgau, aus dem Raum Bozen, dem Pustertal und weiteren Landesteilen begrüßen. Andrea Maas und Bürgermeister Frant Prieth dankten den Autoren für die Publikation und werteten das Buch als weiteren Beitrag, mit dem die Erinnerung an Pfarrer Alfred Rieper lebendig gehalten und weitergetragen wird. 

„Da bleibst du 3 Jahre, das Dorf kommt unter Wasser”

Valentin Paulmichl beschreibt in seinem Beitrag das Leben und Wirken von Pfarrer Alfred Rieper. Er wurde am 31. Mai 1913 in Mühlbach geboren, wo er am 10. Juli 1938 Primiz feierte. Am 10. August 1940 war Alfred Riepers Einstand in Graun. Der Bischof hat ihm laut Aufzeichnungen gesagt: „Da bleibst du 3 Jahre, das Dorf kommt unter Wasser. Nach 3 Jahren kannst du wieder gehen, da die Pfarrei wahrscheinlich nicht mehr ausgeschrieben wird.“ Schon früh begann der junge Pfarrer seinen Kampf gegen die Übermacht des italienischen Großkonzerns Montecatini. Er stand mit seiner ganzen Kraft hinter der Bevölkerung. Trotz aller Bemühungen haben Rieper und seine engsten Mitstreiter erkennen müssen, dass die Seestauung nicht mehr zu verhindern war. Viele Familien mussten ihre Heimat verlassen.

„Für jeden ein offenes Ohr“

Zusätzlich zum außergewöhnlichen Einsatz, den Pfarrer Alfred Rieper vor, während und nach der Seestauung für die Bevölkerung an den Tag gelegt hat, wird im Buch auch an Riepers Wirken als Seelsorger erinnert: „Er hatte für jeden ein offenes Ohr oder ein Lächeln.“ Alfred Rieper war auch ein begeisterter Bergsteiger. Außerdem hat er bis zuletzt Vorträge zu Alt-Graun gehalten und unermüdlich von den vielen Seiten der Seestauung erzählt. 1980 wurde Pfarrer Alfred Rieper zum Ehrenbürger ernannt. Dies Ehre wurde seither nur dem langjährigen Gemeindearzt Johann (Hans) Waldner zu Teil, und zwar im Jahr 2009. Der Kirchplatz in Graun trägt den Namen von Alfred Rieper. 2015 wurde eine Bronzebüste zu seinem Andenken enthüllt. Alfred Rieper ist am 14. April 1996 gestorben.

Eine Viertelstunde für Privataudienz

Mit vielen Details, bisher zum Teil nicht veröffentlichen Dokumenten und Schriftstücken rund um die Privataudienz von Pfarrer Rieper und Fürstbischof Johannes Geisler bei Papst Pius XII. wartet Albrecht Plangger im Buch auf. Den Zugang zum „Archivio Apostolico Vaticano“ hatte er mit Hilfe der Diözesan-Archivarin Erika Kustatscher erhalten, die bei der Buchverstellung Grußworte an die Versammelten richtete. Seinen geschichtlichen Abriss beginnt Plangger mit der Karwoche 1947: „Damals teilten die Vertreter der Montecatini den Leuten von Graun, Reschen und St. Valentin mit, dass das Stauprojekt mit der Aufstauung des Mittersees (auch Grauner See genannt) und des Reschensees bis zur Quote 1.497 m nun voll in Angriff genommen wird.“ Für die Audienz beim Papst stand eine Viertelstunde zur Verfügung. Schon wenige Tage nachher wurden die Unterlagen von Geisler und Rieper an die italienische Botschaft beim „Heiligen Stuhl“ weitergeleitet. Bereits beim Ansuchen der Privataudienz war dem Papst mitgeteilt worden, dass man den Bau nicht stoppen wolle, „aber das Projekt der Montecatini müsse bzgl. Sicherheit des Damms und der nutzbaren Wassermenge überprüft und eventuell so abgeändert werden, dass die Bevölkerung nicht ihre Häuser und Felder verliere.“ Auch die Frage der Entschädigung bzw. des Realersatzes wurde angesprochen.

Die letzte St.-Anna-Prozession

Ludwig Schöpf geht in seinem Beitrag u.a. auf die letzte St.-Anna-Prozession im Jahr 1949 ein. Um dem Pfarrer Alfred Rieper auch moralisch und seelisch beizustehen, kam damals Bischof Geisler nach Graun. Die beeindruckende Predigt, die er in Graun gehalten hat, las Ludwig Schöpf vor. Die Predigt ist auch im Buch abgedruckt. In diesem wird u.a. auch auf den Protestmarsch zur Montecatini nach Reschen eingegangen, auf die Umbettung des Friedhofs und den Neubau der Kirche. Außerdem enthält das Werk Auszüge der literarischen Erzählung des Journalisten und Autors Ulrich Ladurner „Graun 1949“. Die Erzählung, aus der Ladurner eine Passage vorlas, ist Teil des Erzählbandes „Südtiroler Zeitreisen. Erzählungen“, der 2012 im Haymon Verlag erschienen ist. Für das Kapitel, das viele persönliche Erinnerungen von Personen aus dem Oberland und darüber hinaus an Pfarrer Rieper enthält, war Florian Eller verantwortlich. Vorworte zum Buch haben neben dem Bischof auch Landesrat Philipp Achammer, Dekan Stefan Hainz und Bürgermeister Franz Prieth verfasst. Besonders lebendig wurde die Erinnerung an Pfarrer Alfred Rieper, als Valentin Paulmichl kurze Videoaufnahmen und Passagen aus einem Interview mit Alfred Rieper einspielte. Im Anschluss an die Vorstellung wurde das Buch (Verlag effekt!) an alle verteilt. Für die Unterstützung bedankte hat sich Albrecht Plangger im Namen aller Autoren beim Land, der Gemeinde, der Eigenverwaltung Graun, dem Museum Vinschger Oberland, der Raiffeisenkasse Obervinschgau und dem Bildungsausschuss.

Josef Laner

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