Johann Feuerstein - Münstertaler Fotografien
MÜSTAIR - In Untergeschoss der Chasa Selm, einem renovierten Bauernhof im Besitz des Klosters St. Johann in Müstair, werden wiederentdeckte Fotografien des Scuoler Fotopioniers Johann Feuerstein gezeigt. Nebst einer Reihe Bilder aus dem Fundus der Fotostiftung Feuerstein sind in Müstair ab dem 28. Januar 2026 erstmals rund 50 Bilder aus dem Münstertal zu sehen, die erst kürzlich zum Vorschein kamen. Im letzten Herbst ist der umfangreiche Bildband zur Unterengadiner Fotografendynastie Feuerstein erschienen. Johann Feuerstein (1871-1945) ist der Gründer dieser Fotografenfamilie. Die ersten Jahre seiner beruflichen Tätigkeit nach der Lehre beim Pontresiner Alpinfotografen Alexander Flury (1825-1901), verbrachte Feuerstein in seiner Heimat Val Müstair. Etwa 1892 richtete er sich in Fuldera im Haus seiner Schwiegereltern eine kleine Fotowerkstatt ein und arbeitete praktisch als Wanderfotograf im Tal. Aus der Zeit dieser ersten sieben Arbeitsjahre konnten nun etwa 50 Fotografien digitalisiert und restauriert werden. Die entsprechenden Glasplatten schlummerten über 120 Jahre auf dem Dachboden eines Bauernhauses vor sich hin. Sie zeigen einige wenige Landschaften, sind Zeugnis des sozialen Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts im Tal und beinhalten vor allem Porträt-Aufnahmen von Einzelpersonen und Familien, «Fotografien ohne Bildlegenden». Wie der Ausstellungsmacher und Biograf des Feuerstein-Bildbands Ruedi Bruderer erklärt, waren die Glasplatten ohne weitere Informationen in einer Kartonschachtel verpackt und womöglich - oder zum Glück - über all die Jahre am gleichen Ort geblieben. Sogar ein «Selfie» von Johann Feuerstein ist darunter, wahrscheinlich ermöglicht mit der 1893 eingeführten Technik des manuellen Ein- und Ausschaltens der Linse durch den Fotografen selbst. Der grösste Teil der Fotografien sind wie erwähnt Porträts. Von der heutigen Bevölkerung wird es wohl nur noch ganz wenige Leute geben, die vielleicht eines der abgebildeten Kinder gekannt hatte. Die Archivs culturals da la Val Müstair und die Stiftung Pro Kloster St. Johann Müstair hoffen daher umso mehr, dass Besucherinnen und Besucher der Ausstellung - zusammen mit ihren eigenen Familienalben - beitragen können, die Leute auf den Feuerstein-Fotografien zu identifizieren.
Buchpräsentation anlässlich der Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung in der Chasa Selm wird zum traditionellen Karlstag am 28. Jänner in Müstair eröffnet. An der Vernissage präsentieren Ruedi Bruderer das Fotoband «Fotografendynastie Feuerstein» sowie Gian Cla Feuerstein die Fundaziun Fotografia Feuerstein. Die Ausstellung ist bis Ende Februar geöffnet, und zwar am 29. und 30. Jänner von 14 bis 18 Uhr, am 31. Jänner und 1. Februar von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr sowie dann jeden Samstag und Sonntag im Februar jeweils von 14 bis 18 Uhr. Für Gruppen können auch Führungen ausserhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Ausstellung auch in Fuldera, dem Heimatort der Fotografen Feuerstein, zu sehen.