Besonders gestaunt haben die Gruppen, die Werner Kuntner durch das Schloss Kastelbell führte. Im Bild ist die Schlosskapelle zu sehen.
In der Burgküche.
In der Prokulus Kirche in Naturns gab es bereits bei der Vorstellung der Tage der Romanik eine gut besuchte Führung mit Sigrid Rosa.

„Stiegen zum Himmel“

Tage der Romanik erfreuen sich regen Zulaufs.

Publiziert in 19 / 2026 - Erschienen am 20. Oktober 2026

Kastelbell/Naturns - 33 Kulturstätten in ganz Südtirol und in Graubünden öffneten am 10. und 11. Oktober im Rahmen der heurigen Auflage der Tage der Romanik ihre Tore. Auch in vielen Kirchen, Kapellen und Schlössern im Vinschgau, der zu den wichtigsten Romanik-Regionen im Alpenraum zählt, wurden kostenlose Führungen angeboten, die sich regen Zuspruchs erfreuten. Die offizielle Vorstellung der Tage der Romanik 2026 hatte am 6. Oktober im Anschluss an eine gut besuchte Führung mit Sigrid Rosa durch die St. Prokulus Kirche im Prokulus Museum in Naturns stattgefunden. Die Tage der Romanik sind eine jährliche Veranstaltungsreihe des Netzwerks „Alpine Straße der Romanik – Stiegen zum Himmel“, das seit 20 Jahren besteht. Ziel der Initiative ist es, das romanische Kulturerbe Südtirols einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Die romanische Festung auf dem Felsvorsprung

Zu den 20 Kulturstätten im Vinschgau, die am zweiten Wochenende im Oktober frei zugänglich waren und in denen Führungen angeboten wurden, gehörte auch das Schloss Kastelbell. Viele nutzten die Gelegenheit, um nähere Einblicke in die romanische Festung zu gewinnen. Der Burghügel von Kastelbell war bereits in der frühen Bronzezeit besiedelt. Erbaut wurde die Burg von den Herren von Montalban. Nach 1200 gelangte sie in den Besitz der Grafen von Tirol. Die älteste urkundliche Erwähnung geht auf 1238 zurück. Ab 1531 war die Burg Pfandlehen der Grafen Hendl, die das Schloss erweitern ließen. 1956 wurde das Schloss vom Staat erworben und von 1987 bis 1995 umfassend restauriert. Seit 1999 wird es vom Kuratorium Schloss Kastelbell geführt. 2008 ging das Schloss vom Staat auf das Land über.

Von Kapelle bis Küche

Werner Kuntner, Kunsthistoriker und Mitarbeiter des Kuratoriums, der die Führungen in deutscher Sprache übernommen hatte, gewährte den Besuchergruppen ungewöhnliche und tiefe Einblicke in das Schloss. Besonders gestaunt haben die vielen großen und kleinen Besucher unter anderem in der Schlosskapelle. Der Bau der Kapelle reicht in das frühe 14. Jahrhundert zurück. Aus der Erbauungszeit stammen auch die Reste romanischer Fresken. Romanischen Ursprungs ist u.a.  auch das Burgtor. Als „mittelalterliche Multifunktionsküche“ beschrieb Werner Kuntner die Burgküche, die vermutlich ebenfalls zum ältesten Baubestand gehört. Ihr altertümliches Aussehen ist bis heute erhalten geblieben. Besonders beeindruckend ist der mächtige, mit Steinplatten belegte Herd. An den Rondellen erkennt man den Übergang von der Burg zum Schloss, zum fürstlichen Sitz einer hochadeligen Familie. Als Hauptwohnbau im Schloss diente einst der Palas, in dem noch Reste eines Renaissance-Kamins zu erkennen sind. Auch den Burghof, das Wappenrelief, das Erkerzimmer und weitere Besonderheiten des Schlosses lernten die Besucherinnen und Besucher bei den Führungen näher kennen.

Josef Laner

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