Eine Szene aus dem Film.
Walter Bonatti (links) und Erich Abram wenige Tage nach der K2-Expedition 1954.
Reinhold Messner und seine Frau Diane im Anschluss an die Pressekonferenz, die im Vorfeld der Film-Premiere im Waaghaus in Bozen stattgefunden hat.
Das Filmplakat

„Summe aus Tun und Erzählen“

Südtirol-Premiere des Films „K2 - Der große Streit“ von Reinhold Messner.

Publiziert in 9 / 2026 - Erschienen am 5. Mai 2026

Bozen/Vinschgau - Die Erstbesteigung des K2, des zweithöchsten Berges der Welt (8611 Meter), gilt als die größte und bedeutendste Alpingeschichte Italiens. Es waren Achille Compagnoni und Lino Lacedelli, denen die Erstbesteigung am 31. Juli 1954 gelang. Sie waren Teil einer großen Expedition, die von Ardito Desio geleitet wurde. Rund 10 Jahre später wurden in einem Artikel in einer italienischen Zeitung Anschuldigungen gegen den Expeditionsteilnehmer Walter Bonatti - geboren 1930 in Bergamo und gestorben 2011 in Rom - erhoben. Ihm wurde u.a. unterstellt, dass er selbst zum Gipfel des K2 habe aufsteigen wollen und sich Compagnoni und Lacedelli gegenüber nicht gerade kameradschaftlich verhalten habe. Bonatti hat unter den Anschuldigungen und Polemiken, die über viele Jahre hinweg in den Medien andauerten, sehr gelitten. Dies bestätigte im Vorfeld der Südtiroler Premiere des Films „K2 – Der große Streit“(2025) auch Regisseur Reinhold Messner. Rund zwei Jahre lang – mit Unterbrechungen – hatte der Extrembergsteiger, Abenteurer, Buchautor und Museumsgründer an diesem Film gearbeitet.

„Möglichkeit und Verantwortung“

Wie Reinhold Messner im vollbesetzten Saal 1 des Capitol-Kinos in Bozen (Filmclub) vorausschickte, habe ihm Antonio Montani, der Präsident des CAI (Club Alpino Italiano) die „Möglichkeit und Verantwortung“ gegeben, die italienische K2-Expedition „noch einmal zu erzählen und nachzuzeichnen.“ Alpingeschichten sind laut Messner immer „die Summe aus dem Tun und dem Erzählen darüber.“ Mit Hilfe der Verknüpfung eindrucksvoller Originalaufnahmen und Archivbilder, die ihm der CAI zur Verfügung gestellt hatte, sowie von Szenen, die in den Alpen gedreht wurden, hat Messner die Expedition in Spielfilmlänge nachgezeichnet bzw. rekonstruiert. Im Mittelpunkt steht die Figur von Walter Bonatti, des jüngsten Expeditionsteilnehmers. Messner ist überzeugt, dass die Anschuldigungen gegen Bonatti – er war laut Messner der beste Bergsteiger aller Expeditionsteilnehmer – haltlos waren. Der Film beleuchtet, wie Bonatti und der pakistanische Träger Amir Mehdi Sauerstoffflaschen in ein Zeltlager auf 8100 Meter Höhe bringen sollten. Als sie an der vereinbarten Stelle ankamen, mussten sie feststellen, dass Achille Compagnoni und Lino Lacedelli das vereinbarte Zeltlager verlegt hatten, so dass es für sie unerreichbar geworden war. Da es bereits Abend war und ein Abstieg nicht mehr möglich war, mussten Bonatti und Mehdi die Nacht ohne Zelt im Freien verbringen. Sie stiegen am Tag danach ab, ohne auf dem Gipfel gewesen zu sein. Die Sauerstoffflaschen, die sie hinaufgetragen hatten, ließen sie für ihre Kollegen zurück.

„Vom Schreibtisch aus schreiben ist einfach“

Die Anschuldigungen und Verleumdungen Bonatti gegenüber sind laut Messner aus der Luft gegriffen. Bonatti wäre nach der übermenschlichen Anstrengung am Tag vor der Nacht im Freien außerstande gewesen, den Gipfel zu erreichen. Kritik übte Messner an jenen, die vom Schreibtisch bzw. warmen Diwan aus Alpingeschichten schreiben und sich ihre eigenen „Wahrheiten“ zurechtlegen: „Solche Geschichten können nur von Leuten erzählt werden, die oben waren.“ Der Film sei in diesem Sinne auch als Rehabilitation von Bonatti und seinen bergsteigerischen Leistungen anzusehen. Die deutsche Sprache für den Film – er ist mit italienischen Untertiteln versehen – habe er deshalb gewählt, „weil ich Auseinandersetzungen psychologischer Art in italienischer Sprache nicht so verständlich hätte ausdrücken können.“

Interessen und Rivalitäten

Der Film verdeutlicht auch, „wie leicht die Solidarität zwischen Kletterpartnern in Betrug und Verrat umschlagen kann“ und „wie die Wahrheit durch Interessen und Rivalitäten verschleiert werden kann.“ In diesem Sinn ist „K2 – Der große Streit“ mehr als ein Dokumentarfilm über das Bergsteigen, „sondern eine tiefgründige Reflexion über die menschliche Natur, über Ehre und über die Suche nach der Wahrheit.“ Offiziell rehabilitiert worden ist Bonatti nach einer Reihe von Anschuldigungen und Diskreditierungsversuchen erst im Jahr 2008. Er gilt als einer der begabtesten Bergsteiger aller Zeiten, was er auch mit vielen Erstbesteigungen und Neu-Routen bewiesen hat. An der Expedition von 1954 war auch Erich Abram aus Bozen (1922-2017) beteiligt. Auch seine Leistungen hat Reinhold Messner im Rahmen der Film-Premiere gewürdigt.

Josef Laner

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