Die Werktagsansicht
Hanns-Paul Ties
Otto Rainer
Dietmar Rainer
Leo Andergassen
Julia Hörmann-Thurn und Taxis, Tagungsleitung, rechts Paula Mair, ehemalige Mitarbeiterin im Landesmuseum Schloss Tirol.
Adolf Vallazzas restaurierte Holzfigur am Eingang zum Kreuzgang.

Zufälle mit großer Geschichte

Karthaus: „Gotische Schätze kehren heim“

Publiziert in 10 / 2026 - Erschienen am 19. Mai 2026

Schloss Tirol/Karthaus - Es war einmal ein König, der keiner war, der sich aber so nennen durfte und wollte, weil er die sprichwörtlich starke Frau in der Nähe hatte. Seine erste, starke Frau fand er mit Anna Přemyslovna in Böhmen. Plötzlich war Heinrich sehr europäisch, aber von Neidern umgeben. Seine Frau aus königlichem Geblüt starb kinderlos. Wie es mit Heinrich, dem jüngsten Sohn Meinhards II., weiterging, erfuhren die Teilnehmer einer internationalen Tagung in Schloss Tirol mit dem Titel „Wir waren König“. Und weil die Strecke von Schloss Tirol nach Karthaus im Schnalstal nur wenige Kilometer beträgt, wurde die Exkursion zur einzigen Kartause Tirols ein interessanter Abschluss und für viele zum Höhepunkt der Tagung. Man besuchte einen historischen Tatort. Landesfürst Heinrich, Herzog von Kärnten und Graf von Tirol, hatte im Jahre 1326 den Kartäusern erlaubt, im Schnalstal ein Kloster zu gründen. Die Geschichte dazu ist bekannt. Nicht bekannt war den Tagungsteilnehmern die jüngste Entdeckung im Zusammenhang mit den Kartäusern.

„Bemerkenswerte Entdeckung“

Im Namen des „Kulturvereins Schnals“ begrüßte Obmann Dietmar Rainer die Gäste in der „Gesindekirche“ und kündigte als „bemerkenswerte Entdeckung“ 4 Altartafeln aus dem Kloster „Allerengelberg“ an. Der Kunsthistoriker Carl Kraus habe bei einer Auktion Herkunft und Wert erkannt und sofort Georg Kaser, Vorstandsmitglied im Kulturverein, kontaktiert. Nach ausführlichem Gutachten des Kunsthistorikers Hanns-Paul Ties und des Direktors des Landesmuseums Schloss Tirol, Leo Andergassen, war die Empfehlung klar: Die Tafeln sollten nach Karthaus zurückkommen. Die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Peter Grüner und Kulturreferent Otto Rainer gab „grünes Licht“ für den Ankauf. Zur Eröffnung der Bilder-Schau meinte Andergassen: „Man kann Schnals nur beglückwünschen, dass dieser Kunsteinkauf geglückt ist.“ Geschichtlich befinde man sich 100 Jahre nach dem Ableben des Klostergründers Heinrich, in der Zeit um 1430/1450. Die Werktagsseite des gotischen Flügelaltars zeigt die Geburt Christi, die Feiertagsseite ist dem Passionszyklus gewidmet. Professor Ties ging auf die Darstellung mit Johannes den Täufer, Johannes von Lincoln mit Schwan und eines knieenden Stifters ein, der andächtig zu Johannes dem Täufer aufblickt.

„Prior Johann III. de Austria“

Beim Stifter dürfte es sich um den 1440 verstorbenen „Prior Johann III. de Austria“ handeln. Drei Jahre vorher – also 1437 - sei nämlich der „Corpus-Christi-Altar“ der Klosterkirche geweiht worden. Leo Andergassen sah seine Aufgabe darin, weit ausgreifend zu erklären, welchen Stellenwert Altarstiftungen im Allgemeinen und im Besonderen in der Klosterkirche von Allerengelberg eingenommen haben. Nach den Grußworten von Otto Rainer, Kulturreferent der Gemeinde Schnals, machte der Obmann des Kulturvereins auf die Anwesenheit des Künstlers Adolf Vallazza aufmerksam. In seinem 102. Lebensjahr wollte der Holzbildhauer aus Gröden die Restaurierung jener Holzfigur sehen, die er nach einer Ausstellung im Jahr 2002 der Gemeinde Schnals überlassen hatte und die seither das Dorfbild von Karthaus mitprägt.

Günther Schöpf

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