Im Bild oben der Bahnhof Schlanders vor 100 Jahren, darunter die neue Vinschgerbahn.

100 Jahre Vinschgerbahn

Publiziert in 15 / 2006 - Erschienen am 26. Juli 2006
Am 1. Juli 2006 hat die Vinschger Bahn ein rundes Jubiläum begangen, 100 Jahre seit der Inbetriebnahme. „Der Vinschger“ berichtet aus der Broschüre „Die Vinschgerbahn Meran-Mals“, aufgelegt vom Eisenbahnarchiv Tirol in Zusammenarbeit mit der Autonomen Provinz Bozen. Sie ist anlässlich der Wiederinbetriebnahme am 5. Mai 2005 erschienen. Am 1. Juli 1906, an einem Sonntag, wurde die Vinschgerbahn feierlich in Betrieb genommen. Um 7.40 Uhr fuhr der erste Zug in Meran mit zwei gezierten Lokomotiven und elf Personenwagen ab. Er brachte die Vereine und Musikkapellen, die den Erzherzog empfangen sollten, nach Mals. Um 9 Uhr fuhr der Sonderzug mit dem Hofwagen für Erzherzog Eugen ein. Bereits die römischen Heere hatten erkannt, dass der kürzeste und beste Weg in den Norden der über den Reschen war. Dieser „Obere Weg“ führte von Verona über Trient und Bozen vorbei nach Meran, durch den Vinschgau und das obere Inntal bis nach Imst und weiter über den Fernpass in Richtung Reutte und Augsburg. Dieser Weg wurde als „Via Claudia Augusta“ bekannt. Ein Vorprojekt für die Vinschgerbahn gab es bereits 1891, wobei erkannt worden war, dass es eine europäische Ost-West-Verbindung bräuchte. Wien machte allerdings einen Rückzieher, da wegen der enormen Staatsverschuldung die internationale Gesamtlinie durch den Vinschgau nicht finanzierbar gewesen wäre. Die ersten Züge damals waren Lokomotiven, die ab ca. 1937 von der sogenannten „littorina“ („Littorine“) ersetzt wurden. Im „Archivio per l’Alto Adige“ von 1936/37 stand von Vorführfahrten neuer FS-„Littorine“ im Etschtal und der Einrichtung eines winterlichen Triebwagenkurses Meran-Mals. Der Begriff „littorina“ umspannt verschiedene Subtypen benzin- und dieselmechanischer Leichttriebwagen aus den Dreißigerjahren. Aus dem Jahre 1933 stammt folgende Werbeschaltung der Staatsbahnen, die den Zusammenhang zwischen der Triebwagenkategorie „Littorine“ und dem Faschistenbeil („littorio“) aufzeigt: „Die neuen Triebwagen bei den Staatsbahnen sind dazu bestimmt, rasche, häufige und bequeme Zugleistungen zu erbringen. Sie sind bereits unter dem Namen „Littorine“ bekannt, weil sie vom Duce auf der Fahrt von Roma nach Littoria ausprobiert werden. Im Jahr 1934 (= Jahr XII nach faschistischer Zeitrechnung) werden verschieden Einheiten in den Dienst gestellt. 1990 wurde die Bahnlinie Meran-Mals aufgelassen. Seit dem Mai 2005 verkehrt die neue Vinschgerbahn. Festakt und Nostalgiefahrt Am 1. Juli 2006 wurde die Vinschgerbahn 100 Jahr alt; am 30. Juli wird dies gebührend gefeiert mit einem Festakt in Mals und einer Nostalgiefahrt mit einer historischen Dampfeisenbahn. Dazu laden Landeshauptmann Luis Durnwalder, Landesrat Thomas Widmann und die Vinschger Gemeinden ein. Die geplante Jubiläumsfahrt von Meran nach Mals ist um 9.25 Uhr mit Abfahrt in Meran geplant. Um 12.10 Uhr beginnt der offizielle Festakt am Bahnhof in Mals mit der Malser Musikkapelle; die Festschrift „100 Jahr Vinschger Bahn“ wird vorgestellt. Die Rückfahrt ist um 15.40 Uhr angesetzt. Unterhaltung und Kultur werden an mehreren Bahnhöfen entlang der Strecke geboten, in Meran, Naturns, Schlanders, Laas , Eyrs und Mals. Der normale Bahnverkehr auf der Vinschger Bahnlinie wird von der Festveranstaltung nicht eingeschränkt.
Daniela di Pilla

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