Gruppenfoto vor der St. Veitskirche mit Gernot Niederfriniger (mit Harfe) und mit Karl Perfler (ganz links).

„Begegnung mit den Vinschgern und ihrem Tal“

Publiziert in 22 / 2006 - Erschienen am 11. Oktober 2006
Der Betriebsausflug der Landesabteilung Kultur und Schule führte am 8. September in den Vinschgau. Es handelte sich um ein Projekt von Karl Perfler, der auch die Führung übernommen hat. Nachfolgend einige Betrachtungen dieses besonderen Ausflugs: „Ein Spätsommermorgen am Meraner Bahnhof. Die Vinschgerbahn erwartet uns. 62 km beeindruckende Fahrt von unten nach oben, vom ‚Staudenvinschgau in den Edelvinschgau’. Kleine Räume und große Fenster für eine viel sagende Landschaft. Schnurgerade Reihen von schweren Apfelbäumen und freundliche Weinberge am Sonnenberg. Schwarzerlen und Grauerlen vereint, so als ob sie sich wehren wollten. Die junge Etsch freut sich auf Normalität. Auf einen überzeugenden Weg zurück zu Ursprung und Langsamkeit. Sieben Türme, der Hauptort Mals und ein Hügel über dem Tal, der Tartscher Bichl. Im Hausanger unter dem Palabirnenbaum ein kleiner ‚Holbmittog’, ein Glas Fraueler und Erinnerungen. Wir sind bereit für den Bichl. Trotzdem sind wir überrascht und beeindruckt und blicken in ein weites Land. Wege in alle Richtungen, verschüttete Häuser, Überlebensstrategien der Spinnwebhauswurz und eine romanische Kirche. Ein Raum, der uns umarmt und uns zu Schweigenden macht. Der Lärm des Denkens und das Geräusch der Sinne lösen sich auf. Unsagbares, nach menschlichem Maß Unmessbares scheint jetzt näher als sonst. Ein kleines Gesprächskonzert gibt Hilfestellung zu einer reichen, spürbaren Gegenwart. Wir tun uns schwer anzunehmen. Eiserne Fensterstangen werfen Schattenlinien ins Licht. Licht wird durch Schatten intensiver und sichtbar. Schatten und Licht sind Freunde geworden, bilden eine lebendige Gesamtheit – Hügellandschaften des Lebens. Freude und Leid, Enttäuschungen und Siege. Nebeneinander. Miteinander. Zeit ist im Fluss und gemeinsam erfreuen wir uns an einem festlichen Mahl. Der Tag ist noch jung und wir nehmen den Sonnensteig am archaischen, wilden und sanften Sonnenberg, um nach Ganglegg zu gelangen. Wilde Kirschbäume schenken angenehmen Schatten und Berberitzen und Hagebutten leuchten um die Wette. Der Waal ist eingesperrt – so nah und doch so fern. Ganglegg, Zeugen aus vergangener Zeit. Sehnsucht nach Normalität und Gleichgewichtung. ‚Manchmal möchte ich mich wegträumen von den gläsernen Scheinwelten hin zu den Baumhorizonten hinter goldgelben, hügeligem Land’. Brauchtum, Geschichte und Geschichten, Fremd – und Eigenfunde im Vintschger Museum. Müde und nachdenklich sind wir geworden. Die Zeit war uns heute gut und voll. Dankbarkeit, Aufbruchstimmung und Lebenslust. Noch einmal sehen wir die Etsch, die uns begleitet und wir freuen uns über eine Vision: die Etsch wird ‚renaturalisiert’. Sicherlich werden bald auch die Menschen dran sein und sich über eigene Wege freuen dürfen.“

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