Im Bild (von links): Stefan Hasse, Günther Bernhart, Erich Ohrwalder und Siegmar Tschenett.

Das „kälteste“ Jahr für das Fernheizwerk

Publiziert in 42 / 2009 - Erschienen am 25. November 2009
Schlanders – Das Jahr 2008 dürfte als das schwierigste Betriebsjahr in die Geschichte der Fernheizwerk Schlanders GmbH eingehen. Dies sagte Günther Bernhart, Mitglied des Überwachungsrates, bei der Gemeinderatssitzung am 17. November. Er legte den Räten zusammen mit dem Fernheizwerk-Präsidenten Erich ­Ohrwalder und dem Verwaltungsratsmitglied Siegmar Tschenett die Abschlussrechnung 2008 vor und gab auch einen Ausblick auf 2009. Schwer zu Buche schlägt in der Erfolgs- und Verlustrechnung die Zinslast für die Verbindlichkeiten. Die Schulden beliefen sich zum Stichtag 31. Dezember 2008 auf 24,3 Millionen Euro. Nicht weniger als 761.000 Euro an Passiv­zinsen mussten 2008 gezahlt werden. Der Großteil der Gesamtausgaben für das Fernheizwerk und die dazugehörigen Anlagen musste mit Darlehen und anderen Krediten gedeckt werden. Die Gesamt­kosten beliefen sich auf rund 31 Millionen Euro. Abgeschlossen wurde das Betriebsjahr 2008 mit einem Defizit von 648.658 Euro. Günther Bernhart ­räumte ein, dass sich die Betriebsergebnisse nicht so schnell zum Positiven geändert haben bzw. ändern, „wie wir es uns erwartet hatten.“ In strukturellen Schwierigkeiten befinde sich die GmbH, an der die Gemeinde mit 51 und die SEL AG mit 49 Prozent betei­ligt sind, aber nicht. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, bereits Ende 2009 wird sich die Lage bessern. Die Zukunft ist insgesamt sicher positiv“, so Bernhart. Als Hauptgründe für das „kalte“ Jahr 2008 nannte er technische Verzögerungen beim Bau der Heizzentrale, Verspätungen bei der Inbetriebnahme der Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlage, die hohe Zinslast, den hohen Gasbezugspreis, Engpässe bei der Hackschnitzelbeschaffung sowie die Tatsache, dass nicht wenige Kunden, darunter auch einige Großabnehmer, zwar die Lieferverträge unterzeichnet, aber noch keine Fern­wärme bezogen hatten. Als mögliche positive Aspekte für 2009 ­nannte Bernhart unter anderem die Optimierung der Anlagen sowie größere Erlöse aus dem Verkauf der Fern­wärme und des erzeugten Stroms. Weiters könnte es sein, dass die Landesbeiträge (insgesamt 30 Prozent der Gesamtausgaben) schneller fließen. Die Zahl der Fern­wärmelieferverträge liegt derzeit bei 580. Effektiv in Betrieb sind „nur“ 327 Über­gabestationen. In den positiven Aspekt für die Umwelt und vor allem in die Technik der Anlage (Biomassefeuerung, Gasmotor, Kraft-Wärme-Koppelung, ORZ-Prozessor für die Stromproduktion, Spitzenlastkessel, Pufferspeicher usw.) führte Ingenieur Stefan Hasse ein. Die Fernwärme wird zum Großteil (64 %) mit Biomasse (Hackgut) erzeugt. Erdgas wird für den Gasmotor verwendet (21 %) sowie für den Spitzen- und ­Reservelastkessel (15 %). ­Priorität hat der Biomassekessel. Derzeit werden das Kerngebiet des Hauptortes Schlanders und die Industriezone Vetzan mit Fernwärme versorgt. Zurzeit gebaut wird das Fernwärmenetz in der Zone Malaun sowie in Bereichen von Kortsch Unterdorf. Als weitere Anschlussgebiete werden ­Göflan, Vetzan Dorf sowie ­Kortsch Oberdorf ins Auge gefasst. Laut Erich Ohrwalder erwägt der Verwaltungsrat derzeit auch den Bau einer Photovoltaikan­lage bei der Fernwärmezentrale. Sonderfall Recla Zumal der Speckhersteller ­Recla für die Kälteproduktion auch Prozesswärme (Dampf) braucht und das Fernheizwerk diese nicht liefern kann, darf die ­Firma Recla, die übrigens rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, mit der SELGAS AG einen eigenen Gasanschlussvertrag ab­schließen. Der Gemeinderat hat einer entsprechenden Abänderung der Vereinbarung ­zwischen der Gemeinde und der SELGAS AG bei 2 Enthaltungen zugestimmt. Laut Bürgermeister Johann Wallnöfer kann Recla somit mit Gas Dampf erzeugen. Die Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk der Recla wird zur Erzeugung von Wärme genutzt. Den Großteil der ­Wärme werde Recla aber vom Fernheizwerk beziehen. „Die Firma hat sich bereit erklärt, für 10 Jahre Fernwärme abzunehmen, zunächst 4.000 MWh pro Jahr und dann 5.000 ab 2012 “, präzisierte Erich Ohrwalder. Zumal das Fernheizwerk Schlanders, das größte im Vinschgau, auf einen Gesamtjahresbedarf von ca. 40.000 MWh ausgerichtet ist, ist das eine große Menge. Recla ist nach dem Krankenhaus ­Schlanders der größte Fernwärmekunde. Ohrwalder und Wallnöfer stimmten darin überein, dass es wichtig ist, solche Kunden zu haben, nicht zuletzt auch im Interesse aller Ab­nehmer, denn die Wirtschaftlichkeit des Heizwerks steigt Hand in Hand mit der Menge der verkauften ­Wärme. Dies wiederum führt dazu, den Fernwärme-­Tarif weiterhin möglichst niedrig halten zu können. Zu den Bedenken einiger Räte (Waltraud Plagg, Erhard Alber, Franz ­Steiner), wonach der Sonderfall Recla in Zukunft zu weiteren Aus­nahmen führen könnte, meinte Wallnöfer: „Es ist immer der Gemeinderat, der von Fall zu Fall entscheiden wird. Eine Lawine wird nicht losgetreten. Ein weiterer Antrag wird von der Firma Wetha kommen.“
Josef Laner

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