Zwischen dem Kämmerer Maximilian und dem Jerusalempilger Jakob VII. Trapp sprach EU-Kommissar Hahn zu den Besuchern der 25. Wirtschaftsgespräche. Am Tisch (von links) Franz Kremaier, Josef Siegele, Herwig van Staa, Johannes Graf Trapp und Hans Freiherr von Schön.

Der Graf geht, der Graf kommt

Publiziert in 36 / 2010 - Erschienen am 13. Oktober 2010
Schluderns – Die 25. Churburger Wirtschaftsgespräche wurden zwar in gewohnt malerischer Umgebung eröffnet. In der Säulenloggia des Innenhofes spielte wie immer die Musikkapelle Schluderns, aber die Fahnenabordnung der Schludernser Schützen ließ etwas Besonderes erahnen. Dass Hausherr Johannes Graf Trapp mit Programmänderungen aufwartete und einem prominenten Gast, diesmal war es der einstige ÖVP-Vizekanzler Eduard Busek, der sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen ließ, war auch nichts Ungewöhnliches. Nicht neu im Trappschen Ahnensaal waren die Grußworte von Senator Manfred Pinzger und die Begrüßung durch den Schludernser Bürgermeister Erwin Wegmann, sieht man davon ab, dass sie wie eine Abschiedsrede klang. Bürgermeister Wegmann bracht die Anwesenden absichtlich oder unabsichtlich zum Schmunzeln mit dem Satz: „Was wären die Churburger Wirtschaftsgespräche ohne Schluderns“. Neu war die Gedenkminute an alle verstorbenen Mitorganisatoren und Referenten der Wirtschaftsgespräche, in der Graf Trapp an erster Stelle den ehemaligen Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Erich Müller, erwähnte, dessen Sohn Heinrich unter den Besuchern war. Neu war der Rückblick auf die Anfänge der Gespräche und deren Zielsetzung, durch die Ansiedelung von Betrieben dem Vinschgau und im Besonderen dem Obervinschgau wirtschaftliche Impulse zu geben. Graf Trapp nannte als gelungene Beispiele die Firma HOPPE in Laas und Schluderns und die Gewerbeoberschule in Schlanders. Neu war auch die mit Genugtuung vorgetragene Liste von prominenten Referenten aus ganze Europa. Dann kam der entscheidende Satz: „Nach 25 Jahren Churburger Wirtschaftsgespräche ist es Zeit, neue Kräfte einzubinden und neue Formen zuzulassen.“ Es sei ihm gelungen, erzählte Graf Trapp, nach zwei Jahren der Überzeugungsarbeit seinen Sohn Gaudenz Graf Trapp zur Fortsetzung der Wirtschaftsgespräche zu überreden. Im Ablauf und in der Themenstellung werde sich aber einiges ändern. Richtig die Ohren spitzten Politiker, Banker und Unternehmer, darunter auffallend viele Frauen, Schlossbesitzer und Sponsoren, als Johannes Graf Trapp ohne große Regung in der Stimme enthüllte: „Ich werde mich einer neuen Aufgabe widmen“ und ankündigte, dass er in den Obstbau überwechsle und sich mit alten Kernobstsorten befassen werde. Damit war der Generationswechsel vollzogen; das Vierteljahrhundert Wirtschaftsgespräche wurde äußerlich noch mit der Übergabe von Gedenkmünzen an Abt Bruno Trauner und Hubert Zwick und an weitere Persönlichkeiten der ersten Stunde abgerundet. Wieder zum eigentlichen Kern der Wirtschaftsgespräche führte das Referat des Tages „Betrachtungen einer Region des Alpenraumes im Spannungsfeld zur EU-Regionalpolitik“. Der Tiroler Landtagspräsident und Präsident der Konferenz der regionalen gesetzgebenden Parlamente Europas (CARLE) in der Funktionsperiode 2008/2009, Herwig van Staa, erläuterte mit einem Überblick von der bescheidenen Zusammenarbeit im „Accordino“ des Jahres 1949, über die Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer von 1972 bis zum Rat der Gemeinden und dem Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) die Bedeutung der Makroregion Alpen. Seine Betrachtungen wurden über eine Videoschaltung aus Brüssel untermauert. Darin erklärte der österreichische EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, entschlossen, dass Regio­nalpolitik Investitionspolitik sei und dass er eine noch selektivere Regionalpolitik anstrebe. Die Beiträge des Landtagspräsidenten van Staa und des EU-Kommissars Hahn wurden vom geschäftsführenden Vorsitzenden des „Europahaus Linz“, Franz Kremaier ergänzt. Zusammen mit dem Publizisten und freien Journalisten Josef Siegele aus Ried leitete er die kurze Podiumsdiskussion. Den abschließenden Akzent der letzten Churburger Wirtschaftsgespräche „alter Prägung“ setzte Landeshauptmann Luis Durnwalder (im Bild), der mit dem Präsidenten der Handelskammer, Michl ­Ebner, in die Churburg gekommen war. In einem flammenden Appell rief er auf, nicht abzuwarten, was in Brüssel entschieden wird, sondern sich mit Regionen derselben Voraussetzungen zusammen zu schließen und selbst Vorschläge zu machen. Ausdrücklich dankte er Johannes Graf Trappe für die Anregungen durch die Wirtschaftsgespräche und die erfolgreichen Be­mühungen um Grenzen überschreitende Zusammenarbeit. Die Veranstaltung wurde mit dem schmetternden Auftritt der Jagdhornbläser Weißkugel-Matsch abgeschlossen.
Günther Schöpf

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