Der Marmorbruch in Göflan

Der Marmor-Knäuel

Publiziert in 33 / 2011 - Erschienen am 21. September 2011
Schlanders/Laas – Verzwickt, verknäuelt und auf jeden Fall ungut: So stellt sich die derzeitige­ Lage in der Frage des Marmor­abtransports in Göflan dar. Nachdem Landeshauptmann Luis Durnwalder dem Abgeordneten der Grünen, Hans Heiss, in der aktuellen Fragestunde im Landtag mitgeteilt hatte, dass es für den provisorischen Abtransport über die Forststraße in ­Göflan keine weitere Ermächtigung mehr geben werde, stecken Göflan und Schlanders irgendwie in der Zwickmühle. Heiss hatte daran erinnert, dass die Ermächtigung im Dezember 2010 ver­fallen ist. Bei der Schlanderser Gemeinderatssitzung vom 15. September war es Martin Daniel (Für Schlanders), der vom Bürgermeister Dieter Pinggera wissen wollte, was die Verwaltung nun angesichts der Tatsache, dass es keine Ermächtigung mehr gibt, zu tun gedenke. Pinggera erinnerte ­daran, dass die Gemeinde vertraglich verpflichtet ist, den Abtransport zu gewährleisten: „Wird die Gemeinde vertrags­brüchig, ist mit Schadensersatzforderungen seitens des Bruchbetreibers zu rechnen.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir haben zum der­zeitigen Zeitpunkt keine Alternative und können nur ­hoffen, dass es zu einer akzeptablen Lösung mit den Bruchbetreibern in Laas kommt.“ Dort wird unter anderem die Schrägbahn saniert, über die künftig laut Durnwalder alle Bruchbetreiber den Marmor zu Tal bringen sollen. Aufgrund der derzeitigen Arbeiten wird auch der Marmor in Laas provisorisch über die Straße abtransportiert. „Für Laas hat es eine Ermächtigung dazu gegeben, für Göflan bisher nicht,“ so Pinggera. Schon allein diese Tatsache spreche für sich. Der Ball jedenfalls liege nicht bei der Gemeinde, sondern beim Land. „Rein formell ist der Abtransport über die Straße in Göflan illegal und die Antwort, die der Bürgermeister dem Ratskollegen ­Daniel gab, ist keine Antwort“, sagte der Gemeinderat Erwin Dilitz (SVP). Der Göflaner Fraktionspräsident Erhard Alber gab zu bedenken, dass ein Abtransport des ­Göflaner Marmors über Laas ein Vielfaches kosten würde. Zu ­Daniels „grünen Kollegen“ in Bozen meinte Alber, dass es besser wäre, „wenn sich Heiss & Co. einmal vor Ort ein Bild von der Lage machen würden, anstatt immer wieder ‚deppete’ Anfragen einzubringen.“ Wenn Schlanders bzw. Göflan gezwungen werden, den Marmor über Laas abzutransportieren, ­„zahlen wir viel, viel mehr und Lkw-­Kilometer sind in etwa dieselben zurückzulegen.“ Und nach der Sanierung werde die Schrägbahn nicht mehr das sein, was sie ist bzw. war, nämlich ein Industriedenkmal. Dass zwecks der Kostenbeteiligung zwischen Laas und Schlanders noch immer Welten klaffen, bestätigte auch der Bürgermeister. Die Verhandlungen jedenfalls werden fortgesetzt. Kostet der Transport über Göflan derzeit ca. 60 Euro pro Kubikmeter, dürften es über die Seil- und Schrägbahn in Laas rund 160 sein. Für den Marmor aus Göflan, gibt es bekanntlich auch einen Verarbeitungsstandort in ­Schlanders. Wie Dieter Pinggera am Tag nach der Ratssitzung bestätigte, besteht einer der möglichen ­Lösungsansätze darin, die derzeitige Forststraße in Göflan in eine Gemeindestraße umzuwandeln. In einem solchen Fall könnte die Gemeinde die Fahrgenehmigung erlassen. Allerdings nicht im ­Alleingang, denn auch der Nationalpark spricht hier ein gewichtiges Wörtchen mit. Der Variante, den Göflaner ­Marmor im hochalpinen Gelände bis zu den Bringstrukturen nach Laas zu karren und ihn dann wieder per Lkw nach Schlanders zu verfrachten, kann Pinggera wenig abgewinnen: „Abgesehen von den Kosten ist das auch rein ökologisch bedenklich.“ Pinggera erinnerte auch daran, dass die Forststraße in Göflan unlängst mit Kosten von ca. 210.000 Euro ausgebaut wurde. Letzte Meldung: „Abtransport über ­Forststraßen noch so lange, bis Schrägbahn saniert ist“ Die Landesregierung hat am 19. September beschlossen, dass der Marmortransport auf den Forststraßen noch so lange erlaubt wird, bis die Schrägbahn saniert ist. Zumal von Forstraßen die Rede ist, dürfte auch jene von Göflan gemeint sein. „Wir wissen zwar, dass der Transport auf der Straße günstiger ist als jener via Bahn, trotzdem schreiben wir künftig aber den Bahntransport fest“, so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Er hofft, dass die Sanierung in den nächsten ­Wochen abgeschlossen wird. Ab Ende Oktober solle nur noch die Bahn zum Einsatz kommen. Die Forststraßen im Nationalpark seien zu entlasten. Durch die gemeinsame Nutzung sollen die Schrägbahn besser ausgelastet und alle Bruchbetreiber gleich behandelt werden. Wie Schlanders und Göflan auf diesen Beschluss reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Josef Laner

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