Fernheizwerk in Schlanders geplant
Publiziert in 11 / 2004 - Erschienen am 4. Juni 2004
Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass die Energieversorgung immer einwandfrei funktioniere. Eine bessere Selbstversorgung der Gemeinde sowie ökologische und wirtschaftliche Aspekte seien die Gründe für das Projekt "Biomasseheizkraftwerk" in Schlanders, betonte Bürgermeister Johann Wallnöfer zu Beginn der Bürgerversammlung am vergangenen 25. Mai im Kulturhaus in Schlanders. Nach Mals, Schluderns, Prad a. Stj., Sulden, Laas und Naturns will auch der Hauptort des Tales nachziehen und ein Fernheizwerk realisieren. Angedachter Standort wäre ein Grundstück beim Holzbruggweg nahe der Etsch. Geplanter Baubeginn 2005, ab 2006 würde bei Realisierung des Projektes die Fernwärmeversorgung beginnen. Voraussetzung sind 55 Prozent Anschlussdichte bei den Vorverträgen in Schlanders, 60 Prozent Anschlussdichte bei den Vorverträgen in den Fraktionen Kortsch, Göflan und Vetzan und 30 Prozent Landesförderung. Die einmaligen Kosten, die anfallen würden, bezifferte Ingenieur Alfred Hammerschmidt vom Ingenieurbüro BIOS in Graz, der mit einer Vorstudie und der begleitenden Projektierung beauftragt wurde, bei 15 kW mit 1.000 Euro bei Vorvertrag und 2.500 Euro ohne Vorvertrag. Je mehr kW ein Haushalt, ein Betrieb oder eine Infrastruktur benötigten, desto höher werden auch die Kosten. Bei 500 kW liegen diese bei 12.000 Euro mit Vorvertrag und 13.500 Euro ohne Vorvertrag. Der Wärmepreis pro kWh würde sich auf 0,082 Euro belaufen (zum Vergleich Schluderns und Laas 0,078, Sulden 0,080 und Prad 0,083).
Vorteile für ein Fernheizwerk in Schlanders gäbe es laut Hammerschmidt zur Genüge: eine sichere und auch umweltfreundliche Energieversorgung, die Aktivierung der regionalen Wirtschaft, Wegfall von Einzelfeuerungen und damit Schadstoffemissionen, keine Abhängigkeiten von Import, größere Pflege und Durchforstung der Wälder und nicht zuletzt der Gewinn an Attraktivität für den Tourismus.
O-Ton der Kritiker unter dem Publikum: durch die Holzzulieferung würde die Umweltfreundlichkeit eingebremst, da das Holz teilweise von Russland nach Schlanders transportiert werden müsse und die Arbeit verschiedener Fachhandwerker, wie etwa Kaminkehrer, Elektriker oder Hydrauliker würde gar nicht mehr oder nur mehr während des Baus der Anlage benötigt.
Angelika Ploner