Latsch lehnt „warmes“ Angebot ab

Publiziert in 45 / 2007 - Erschienen am 19. Dezember 2007
Schlanders/Latsch – Das Fernheizwerk Schlanders ist im Bau. Erste Grabungen für die Verlegung des Leitungsnetzes sollen bald beginnen. Von der Kapazität und Technik her wird das Heizwerk groß genug, um theoretisch auch die Gemeinde Latsch mit den Fraktionen Goldrain, Morter und Tarsch mit Fernwärme bedienen zu können. „Auf diese Möglichkeit sind wir von unseren Techniker aufmerksam gemacht worden“, sagte der Schlanderser Bürgermeister Johann Wallnöfer auf der jüngsten Gemeinderats­sitzung in Schlanders. Sollte es Latsch wünschen, die Fernwärme aus dem Werk in Schlanders zu beziehen, müssten für die Leitung, die in Kürze bis zur Industriezone Vetzan verlegt wird, etwas größere Rohre verwendet werden. „Das Angebot an die Gemeinde Latsch kommt nicht von der Politik, sondern von den Technikern Jud & Partner. Wir als Gemeinde bzw. als Fernheizwerk Schlanders GmbH haben den Vorschlag der Techniker lediglich weitergeleitet. Die Entscheidung hat natürlich Latsch zu fällen,“ sagte Wallnöfer dem „Vinschger“. Persönlich wertet Wallnöfer den Vorschlag als sehr sinnvoll. „Die Gemeinde Latsch könnte sich das Geld für den Bau des Heizhauses sparen. Die bereits bestehende Genossenschaft in Latsch könnte sich an der Gesellschaft in Schlanders beteiligen. Sie könnte auch als Genossenschaft zum größten Wärmeabnehmer werden. Auch andere Formen von Vereinbarungen für den Bezug der Fernwärme wären denkbar.“ Schlanders seinerseits könnte ebenfalls nur profitieren, „denn je mehr Wärme abgenommen wird, umso wirtschaftlicher können wir arbeiten.“ In Latsch vermag das Techniker-Angebot aus Schlanders die Gemüter nicht zu erwärmen: „In Schlanders ist es eine Gesellschaft, die das Heizwerk baut, wir hier haben eine Genossenschaft gegründet und die Gemeinde ist eines der vielen Mitglieder“, stellt der Latscher Bürgermeister Karl Weiss klar, seines Zeichens auch Vorsitzender der Energie-Genossenschaft Latsch. Ebenfalls stark ins Gewicht fäll laut Weiss, dass das Heizwerk in Schlanders nicht nur mit Biomasse, sondern auch mit Gas betrieben wird, und dass die SEL AG mit 49 Prozent beteiligt ist. „In unserer Gemeinde wurden bereits rund 280 Vorverträge abgeschlossen und alle sind davon ausgegangen, dass die Fernwärme vorwiegend mit Biomasse, sprich mit Hackschnitzel erzeugt wird“, so Weiss. Wenn man jetzt den Bürgern sagen müsste, dass die Fernwärme aus dem Werk in Schlanders bezogen wird, wo auch mit Gas befeuert wird, „würden meiner Einschätzung nach 70 Prozent der Anschlusswilligen sofort austreten.“ Außerdem sei der Zug schon abgefahren: „Der Standort ist ermittelt, die Grundfläche steht bereit, die Angebote für die Kessel liegen vor.“ Laut Weiss ist ein gemeinsames Heizwerk jetzt nicht mehr möglich: „Wenn schon, dann haben es die vorhergehenden Verwalter versäumt, ein gemeinsames Werk in der Industriezone Vetzan zu bauen.“ Sehr am Herzen liegt Weiss die Genossenschaft: ­„Finanziell mag es eine Genossenschaft in den ersten 10 Jahren zwar schwer haben, aber langfristig hat eine Genossenschaft Vorteile. Sie entscheidet selbst, sie verwaltet selbst und sie führt selbst alles durch.“ Dass die Latscher Genossenschaft zu einem Organ degradiert wird, „das nur mehr die Rechnungen des Heizwerks in Schlanders verwaltet oder das Leitungsnetz in Latsch“, sei undenkbar. Und Karl Weiss sagt es noch einmal: „Wenn ich jetzt mit dem Gas daher komme, ­‚erschießen’ sie mich.“ Am Samstag, 12. Mai, hat der Vorstand der Energie-Genossenschaft Latsch einstimmig beschlossen, das Techniker-Angebot aus Schlanders abzulehnen. „Der gesamte Vorstand ist einhellig der Meinung, dass uns im Falle einer Kehrtwende über 70 Prozent der Mitglieder davonlaufen würden“, sagte Karl Weiss am Montag. Auch auf bestimmte Querverbindungen zwischen Jud & Partner, Fernheizwerk Sexten und SEL AG spielte Weiss an. An der Fernheizwerk Sexten GmbH hält die SEL AG 70 Prozent. Die Argumente, mit denen Karl Weiss das Genossenschafts-Heizwerk in Latsch verteidigt, sind sicher nicht leicht von der Hand zu weisen. Sicher nicht ganz ohne ist andererseits aber auch das „warme“ Angebot aus Schlanders. Sachlich miteinander reden sollte auf jeden Fall möglich sein, wenngleich die Aussichten dafür, dass ein Heizwerk Kirchtürme zum „Einstürzen“ bringt, alles eher als gut stehen. „Kirchtürme gibt es aus meiner Sicht keine, und schon gar nicht in dieser Sache“, sagt der ­Schlanderser Bürgermeister.
Josef Laner

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