Im Bild (von links) der evangelische Pfarrer Hendrik Mattenklodt von der Kirche St. Maria zur Wiese zu Soest, Weihbischof Franz Grave von der Ruhrdiözese Essen, Pfarrer Arthur Werth von der Pfarre Laas und Pfarrer Alois Wallnöfer von der Pfarre Martell.

Wegmarke als Friedensbotschaft

Publiziert in 28 / 2007 - Erschienen am 25. Juli 2007
Martell/Laas – Andächtig lauschten die rund 50 An­wesenden den Worten des eigens aus Essen angereisten Weihbischofs Franz Grave während der ökumenischen Bergmesse, die am vergangenen Sonntag anlässlich der Segnung der Wegmarke am Marteller Grat zwischen Weißwand und Laaser Spitze stattfand. Diese achteckige Wegmarke ist ein Werk des Soester (Westfalen) Dombaumeisters Jürgen Prigl, der diese in ehrenamtlicher Tätigkeit aus Laaser Marmor und Soester Sandstein errichtet hatte. Die in den Stein gehauene Inschrift „Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch“ stammt aus dem alttestamentlichen 3. Buch Moses. Sie gilt als Gebot für Toleranz und zwischenmenschliche Solidarität. Jürgen Prigl hat diese Botschaft in acht Orginalsprachen und Schriftzeichen gehauen. Es sind dies Hebräisch (Judentum) Sanskrit (Hindu), Pali (Buddha), Altchinesisch (Dao), Altgriechisch (Christentum), Arabisch (Islam), Italienisch/Latein sowie Deutsch. Die Wegmarke ist 2,8 Meter hoch und macht somit ein Tausendstel der Meereshöhe aus, auf der sie sich nun befindet. Wer sie betrachten will, kann entweder vom Martelltal her über den Marteller Höhenweg (Nr. 23) und anschließend den Steig Nr. 11 Richtung Weißwand gehen. Hier ist für das letzte Teilstück nochmals separat ein Naturpark-Schild mit dem Hinweis auf die Wegmarke von Jürgen Prigl angebracht. Oder man geht von der anderen Seite her über den Göflaner Marmorbruch und den Göflaner See bis zum Marteller Grat. „Berge haben im religiösen Leben der Völker eine wichtige Bedeutung. Vielfach ist der Berg auch der erhobene Ort für wichtige Botschaften“, sagte Weihbischof Franz Grave in seiner beeindruckenden Predigt. „Heilige Berge“ seien seit Menschengedenken Begegnungsorte mit Gott. Der Berg werde zum Symbol der Nähe Gottes. Die Botschaft der Acht-Eck-Säule von Jürgen Prigl sei eine Botschaft vom Berg, eine Spitzenbotschaft für die Christen und alle großen Weltreligionen, ja für alle Menschen. „Weil sie von Jesus auf einem Berg proklamiert wurde, nennen wir ­diese Botschaft ‚die Bergpredigt’“, führte Franz Grave weiter aus. Von der „Goldenen Regel“ der Bergpredigt („Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen“; deutsche Einheitsübersetzug) habe sich Jürgen Prigl wohl besonders angesprochen gefühlt. Die „Goldene Regel“ sei in vielen Kulturen und ­Religionen verbreitet. Die aktuelle Botschaft der Stele von Jürgen Prigl formulierte der Weih­bischof mit diesem treffenden Satz: „In einer zerrissenen Welt mit ihren entsetzlichen Konflikten, Kämpfen, Entführungen und den unsinnigen Selbtsmordattentaten, mit dem Raubbau an der Natur, ist die Kultur der Liebe und des Friedens das einzige Therapie-Mittel.“ (anderl/sepp)
Josef Laner

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