Wer zahlt wie viel und wie geht es weiter?
Publiziert in 16 / 2009 - Erschienen am 29. April 2009
Stilfs – Einstimmig hat sich der Gemeinderat von Stilfs am 22. April auf Antrag des Vizebürgermeisters Arnold Gapp und bei voller Unterstützung von Bürgermeister Josef Hofer dafür ausgesprochen, dass das Skigebiet in Trafoi nicht sterben darf. Die Gemeinde ist bereit, den kurzfristigen Weiterbestand des Skigebietes im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten mitzutragen, sofern auch das Land, die Trafoier selbst, das E-Werk Stilfs und möglicherweise auch die Seilbahnen Sulden GmbH Geldmittel einbringen. Die Frage, ob das kleine Skigebiet auch in Zukunft gehalten werden kann, bleibt allerdings nach wie vor offen.
Dass seitens des Eigentümers der Aufstiegsanlagen in Sulden und Trafoi, Walter Klaus, kein Kapital mehr für Trafoi zu erwarten ist, schickte Bürgermeister Josef Hofer gleich zu Beginn der Diskussion voraus. Die öffentlichen Anschuldigungen, teils falschen Behauptungen und Vorwürfe, wie sie einige Trafoier der Gemeindeverwaltung und speziell dem Bürgermeister gegenüber erhoben hatten, wies Hofer als „bodenlose Frechheit“ zurück. Auch Walter Klaus habe sich über diese Äußerungen sehr enttäuscht gezeigt. Bei all dem, was da über die Medien verbreitet worden sei, hätte er als Bürgermeister auch sagen können: „Löffelt die Suppe, die ihr euch eingebrockt habt, jetzt selbst aus.“ Er habe mit den Trafoiern aber mittlerweile „klar“ gesprochen, „und deshalb schaue ich trotz allem wieder nach vorne.“ Er habe als Bürgermeister nicht auf dem Diwan geschlafen, sondern sei über Jahrzehnte für Trafoi gerannt „und ich renne auch heute noch.“
Die Gemeinde habe das Skigebiet seit 1970 bis zur Übernahme durch Walter Klaus im Jahr 2002 laufend mit Beiträgen und Defizit-Abdeckungen unterstützt, „die Gemeinde hat zum Teil auch Pisten gebaut und im letzten Jahr sogar die Arbeiter bezahlt.“ Ab 2002 deckte die Seilbahnen Sulden GmbH das jährliche Defizit in Höhe von 100.000 bis 150.000 Euro ab.
„Der Sommerbetrieb in Trafoi geht für Walter Klaus in Ordnung und wird auch weitergeführt, für den Winterbetrieb aber ist kein Kapital mehr zu erwarten“, so Josef Hofer. Damit der Winterbetrieb zumindest kurzfristig weitergeführt werden kann, sei in erster Linie die Finanzierung der Revisionsarbeiten zu sichern. Der Zubringerlift zur Furkelhütte muss 2010 revisioniert werden. Es ist mit Ausgaben in Höhe von mindestens einer Million Euro zu rechnen. Vom Land ist zu erwarten, dass es 75 Prozent der Ausgaben übernimmt. Zusätzlich zum Zubringerlift hat Erich Pfeifer, der Präsident der Seilbahnen Sulden GmbH, mittlerweile auch ein Kostenangebot für die bereits überfällige Revision des Schönblick-Liftes (er stand während der heurigen Saison still) eingeholt. Geschätzter Kostenpunkt: 150.000 Euro. Auch hierfür kann mit einem Landesbeitrag gerechnet werden, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß.
Finanzierungskonzept
als nächster Schritt
Als nächsten Schritt kündigte der Bürgermeister die Erstellung eines Finanzierungskonzeptes für die Revisionsarbeiten sowie für die Abdeckung des erneut zu erwartenden Defizits an. Das große Problem sei die Restfinanzierung: „Die Gemeinde wird geben, was sie geben kann. Zusätzlich zur Gemeinde werden aber auch die Trafoier selbst Geld einbringen müsse. Weiters hoffen wir auf eine Mithilfe des E-Werks Stilfs, wobei wir sehr wohl wissen, dass die finanziellen Möglichkeiten des E-Werks ebenfalls beschränkt sind.“ Zu klären sei auch, inwieweit die Seilbahnen Sulden GmbH mithelfen will und kann. Josef Hofer: „Sulden hat selbst erhebliche Schulden und schreibt rote Zahlen. Für die neue, rund 7 Millionen Euro teure Beschneiung musste das Geld bei der Bank geliehen werden.“ Sobald das Finanzierungskonzept vorliegt, wird es dem Gemeinderat zur Genehmigung vorgelegt.
Auch Skigebiet Sulden schreibt rote Zahlen
Den Antrag, dass der Gemeinderat mittels einer Abstimmung seine Haltung zum Thema Skigebiet Trafoi kundtun sollte, hatte Vizebürgermeister Arnold Gapp gestellt. Alle anwesenden Räte sprachen sich dafür aus, dass das Skigebiet zu erhalten ist und dass die Gemeinde hierfür im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten einen Beitrag leisten soll.
Laut Arnold Gapp ist es nicht nur für Sulden, sondern genauso für Trafoi und die gesamte Gemeinde „höchst unangenehm“, wenn Konflikte auf polemische Art und Weise über die Medien ausgetragen werden: „Es ist schwer, solche Risse zwischen Dörfern im Nachhinein wieder zu kitten. Solche Polemiken schaden uns allen und bringen uns auch bei der Politik nicht weiter.“
Auch Hartwig Tschenett sagte, dass es zu nichts führe, „wenn die Trafoier gegen die Suldner losgehen oder umgekehrt.“ Allerdings dürfe auch nicht vergessen werden, „was vor den Wahlen versprochen wurde.“ Er könne nur hoffen, „dass es in Trafoi weitergeht, sonst wird es in unserer Gemeinde noch düsterer als es eh schon ist.“
Vehement für ein gemeinsames Vorgehen sprach sich auch Günther Kössler aus: „In Trafoi haben nur einzelne Personen geschimpft und nicht das ganze Dorf. Wer zum Skifahren nach Trafoi kommt, geht in der Regel auch für einen Tag nach Sulden. Wenn Trafoi stirbt, leidet auch Sulden. Trafoi ist unbedingt zu halten. Damit das gelingt, müssen alle zusammenschauen: Sulden, Trafoi, Walter Klaus, die Gemeinde usw.“ Als geradezu lächerlich nannten die Gemeindereferentin Ruth Ellmer und weitere Räte den Vorschlag, für die Gäste von Trafoi einen Shuttle-Dienst nach Sulden einzurichten. Armin Angerer meinte, dass in Trafoi einige Personen zwar überreagiert hätten, „aber ich verstehe sie.“ Nicht zu vergessen sei aber auch, dass die Gemeinde im Falle einer Mitfinanzierung zugunsten von Trafoi andere Vorhaben wohl oder übel werde zurückstellen müssen.
Wenig Geld
in der Gemeindekasse
Der Verwaltungsüberschuss 2008 der Gemeinde Stilfs beträgt zwar fast 600.000 Euro, doch der Großteil davon muss für dringende, primäre Vorhaben verwendet werden, wie etwa für die Sanierung des Trinkwassernetzes in Sulden, für den Bau einer Trinkwasserleitung von Sulden nach Außersulden, wo das Trinkwasser zum Teil erheblich mit Arsen belastet ist, für Kanalisierungsarbeiten oder auch für den Gefahrenzonenplan. Dieser wird in der „Gefahrengemeinde“ Stilfs voraussichtlich über 200.000 Euro kosten. Die Gemeinde hofft zwar auf eine 80-prozentige Finanzierung (EU bzw. Land), den Rest aber muss sie selbst aufbringen. Als ersten Ansatz hat der Gemeinderat hierfür 60.000 Euro zweckgebunden.
Die Zukunft
bleibt ungewiss
Auch wenn es gelingen sollte, die Revisionsarbeiten im Skigebiet Trafoi mit vereinter Kraft über die „Seile“ zu bringen und die Lifte zunächst weiterlaufen zu lassen, bleibt die Zukunft ungewiss. „Wie es nachher weitergeht, weiß ich nicht,“ sagte der Bürgermeister.
So sicher wie das Amen im Gebet ist derzeit nur eines: Das Skigebiet in Trafoi wird auch in Zukunft Jahr für Jahr Defizite schreiben. Schon allein dieser Umstand zeigt, dass wohl niemand ernsthaft daran interessiert sein dürfte, das Skigebiet zu kaufen.
„Aufgeräumt“ hat der Bürgermeister auch mit falschen Behauptungen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Polizeischule-Gelände in der Örtlichkeit Heilige Drei Brunnen: „Diese Liegenschaft gehört weiterhin dem Land. Uns als Gemeinde wurde lediglich mitgeteilt, dass das Land zwar grundsätzlich bereit ist, die Liegenschaft an die Gemeinde abzutreten, dass wir aber gemäß einem Gutachten die Liegenschaft, deren Wert auf 2 Millionen Euro geschätzt wurde, öffentlich versteigern müssten.“ Der Erlös würde natürlich dem Land zufließen. Als Walter Klaus von den 2 Millionen gehört hat, habe er jegliches Interesse an der Liegenschaft verloren. Dass es der Gemeinde gelingt, die Liegenschaft zu veräußern, hält Hofer für sehr unwahrscheinlich.
Modernisierung
bleibt ein Traum
Eine einschneidende Erneuerung des Skigebietes in Trafoi mit Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 15 Millionen Euro - wie von Walter Klaus seinerzeit geplant und versprochen - bleibt vorerst ein Traum, wenngleich dieses Projekt alle Genehmigungshürden (Bauleitplan, Skipistenplan und Nationalpark) positiv überstanden hat. Was fehlt, ist das Geld.
Walter Klaus hat offensichtlich nicht nur bei der Bodensee-Schifffahrt (Ausflugsschiff „Sonnenkönigin“ usw.) finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, sondern ist auch anderweitig unter Druck geraten. „ORF Vorarlberg“ brachte kürzlich unter Berufung der Wirtschaftspresseagentur als Quelle einen Bericht über das insolvente Unternehmen Delunamagma. Es wurde von einem Schuldenstand von 16 Mio. Euro berichtet und „beim Gesellschafterdarlehen in Höhe von sieben Millionen Euro soll es sich um das Geld des Tourismusunternehmers Walter Klaus handeln.“
Josef Laner