Im grünen Bereich …
… waren Latsch und Martell. Das Profiradrennen Tour of the Alps machte Station.
Latsch/Martell - Der Vinschgau kleidete sich zwei Tage lang in Grün. Die markante Farbe der Tour of the Alps war vor allem im Martelltal und Latsch präsent. Während sich am 21. April das Ziel der zweiten Etappe beim Freizeitzentrum Trattla befand, erfolgte tags darauf der Startschuss in Latsch. Insgesamt fünf Etappen an fünf Tagen, mit 760 Kilometern und 14.620 Höhenmetern, standen für die Radprofis im Rahmen des Rennens auf dem Programm. Für die Sportler und Profiteams gilt die Tour of the Alps, die zum zehnten Mal unter diesem Namen und als Euregiorennen in Südtirol, Tirol und dem Trentino stattfand, seit jeher als wichtige Vorbereitung auf den Giro d’Italia. Die vom GS Alto Garda organisierte Rad-Rundfahrt ist das Nachfolgerennen des Giro del Trentino und feiert – diesen miteinberechnet – im kommenden Jahr bereits die 50. Auflage. Über 100 Radprofis nahmen das Etappenrennen heuer mit Beginn in Innsbruck in Angriff, darunter bekannte Namen wie der Brite Tom Pidcock, der Kolumbianer Egan Bernal (Gesamtsieger der Tour de France 2019 und des Giro d’Italia 2021), der Australier Michael Storer oder Italiens große Radsport-Hoffnung Giulio Pellizzari, der sich schlussendlich auch den Sieg holte.
Grundstein in Martell gelegt
Den Grundstein für diesen Erfolg hatte Pellizzari durch seinen Sieg im Martelltal gelegt. Die 147,5 Kilometer und 2.550 Höhenmeter von Telfs nach Trattla bewältigte der 22-Jährige aus den Marken in 3:28.17 Stunden. Im Zielsprint ließ er den Niederländer Thymen Arensman und den Italiener Mattia Gaffuri hinter sich. Damit hatte er das Grüne Trikot des Gesamtführenden übernommen. „Der heutige Sieg ist etwas Besonderes: Die Tour of the Alps hat mir vor drei Jahren den Weg in den Profisport geebnet, und in Martell zu gewinnen, hat für mich eine große Bedeutung“, erklärte Pellizzari. Den Sieg widmete er dem Vater seiner Freundin, Stefano Casagranda. Der langjährige Präsident des traditionsreichen italienischen Radvereins Veloce Club Borgo – der bekannt für seine starke Nachwuchsarbeit ist – starb im Oktober des vergangenen Jahres im Alter von nur 52 Jahren nach einer Krankheit. „Ganz in der Nähe, in Meran, gewann er 1998 eine Etappe des Giro del Trentino. Damals war ich noch nicht geboren. Dieser Sieg ist für ihn“, betonte Italiens große Rad-Hoffnung. Die Etappe von Latsch nach Arco (174,5 km, 3.620 hm) tags darauf entschied dann schließlich der britische Radstar Tom Pidcock für sich. Pellizzari verteidigte Grün erfolgreich.
Massensturz endet glimpflich
Nach einem Sturz nur wenige Kilometer nach dem Start – genau genommen kurz nach der Q8-Tankstelle auf der Vinschger Staatsstraße bei Galsaun – musste das Rennen für über 20 Minuten unterbrochen werden. Rund 30 Radprofis waren darin verwickelt, schlimmere Verletzungen zog sich glücklicherweise niemand zu. Einzelne Radler, darunter der Italiener Lorenzo Mark Finn, wurden jedoch ins Krankenhaus gebracht und mussten aus dem Etappenrennen aussteigen.
Pellizzari gab derweil auch auf den letzten beiden Etappen das Grüne Melinda-Trikot nicht mehr her und setzte mit seinem Sieg beim Finale in Bozen nochmals eins drauf. Damit sorgte er für den ersten italienischen Gesamtsieg bei der Tour of the Alps überhaupt. In der Gesamtwertung verwies er Bernal um 40 Sekunden auf Rang zwei, Arensman wurde 50 Sekunden dahinter Gesamtdritter. Zuletzt hatte Vincenzo Nibali diese Rundfahrt gewonnen. Das war vor 13 Jahren, als das Etappenrennen noch Giro del Trentino hieß. Kurz darauf entschied Nibali, der 2022 seine Karriere beendete, den Giro d’Italia für sich. Beim Giro, der am 8. Mai in Bulgarien beginnt, möchte diesmal auch Pellizzari ein Wörtchen um die vorderen Plätze mitreden.
Enormer Werbeeffekt
Ein großer Erfolg war die Tour of the Alps auch für die lokalen Organisatoren. „Es ist eine super Werbung für die Ferienregion Latsch-Martelltal und den ganzen Vinschgau“, freuten sich Roman Schwienbacher und David Stocker, Präsident und Geschäftsführer des Tourismusvereins Latsch-Martell. So wurde das Rennen in mehr als 100 Ländern der Welt live übertragen, von Europa über Südamerika und Ozeanien bis hin zu asiatischen Ländern. In Südtirol war das Rennen etwa auf Rai, ORF und Eurosport zu sehen. Aber auch zahlreiche Print- und Onlinemedien auf der ganzen Welt berichteten über das Radsportspektakel, zudem hatte die Veranstaltung eine große Reichweite über Social Media. „Eine solche Veranstaltung ist für unsere Gemeinde und den Vinschgau weit mehr als ein internationales sportliches Großereignis, sondern sie gibt uns eine Plattform, um unsere Stärken im Tourismus und in der Wirtschaft sichtbar zu machen“, betonte etwa die Latscher Gemeindereferentin Irmgard Gamper. Von einer nachhaltigen Wertschöpfung sprach auch Gerald Burger. Der langjährige Reschenseelauf-Organisator und Verantwortliche für zahlreiche weitere Events half bei der lokalen Tour-of-the-Alps-Organisation im Vinschgau tatkräftig mit. „Es war ein voller Erfolg, alles klappte reibungslos. Es war schon ein riesiger Auflauf. Auch mit dem Wetter hatten wir großes Glück“, so Burger. Bilder aus dem Vinschgau gingen um die ganze Welt, interessierte internationale Gäste hätten bereits weitere Informationen über das Gebiet angefragt.
Presseevent und Euregio-Talk
Zahlreiche Pressevertreter/innen aus den verschiedensten Ländern waren auch bei einem exklusiven Event am Abend des 21. Aprils im Schloss Goldrain mit dabei. Der Tourismusverein, Vinschgau Marketing sowie die beiden Gemeinden Latsch und Martell hatten dazu eingeladen. U. a. der Latscher Bürgermeister Mauro Dalla Barba, sein Marteller Amtskollege Georg Altstätter, der Latscher Gemeindereferent und Mitarbeiter von Vinschgau Marketing Manuel Platzgummer sowie Irmgard Gamper hießen die internationalen Gäste willkommen und unterstrichen den großen Wert eines solchen Sportevents. Ebenfalls im Rahmen der Tour of the Alps fand am 22. April im Raiffeisensaal der Raiffeisenkasse Latsch ein Euregio-Talk zum Thema Sportmanagement statt. Moderator Josef Bernhart (Eurac Research) konnte dazu den ehemaligen bundesdeutschen Radprofi Dietrich „Didi“ Thurau, den Tiroler Landesrat a.D. Thomas Pupp, die frühere professionelle Mountainbikerin und Cyclocrossfahrerin Eva Lechner, Franz Theurl (Obmann TVB Osttirol), Christian Tanner (Generaldirektor des Südtiroler Raiffeisenverbands) sowie den Obmann der Raika Latsch, Georg Wielander, begrüßen.