"Katzen" und Pisten im Griff
Publiziert in 4 / 2004 - Erschienen am 26. Februar 2004
Während die letzten "Skihaserln" talwärts kurven und zum "Apres Ski" den Iglu an der Talstation von Schöneben aufsuchen, lässt sich Albert Dilitz zusammen mit Leo Blaas, Markus Albl und Rudolf Folie von den Gondeln der Umlaufbahn zur Bergstation bringen. Dort starten sie ihre tonnenschweren "Schneekatzen" und scheren mit Scheinwerfern "bewaffnet" auf die Pisten aus. Einzige Begleiter sind Rehe und Hirsche, die oftmals das Pisten-Parkett betreten, um dem Tiefschnee auszuweichen. Während des Tages haben hunderte von Ski- und Snowboardfahrern die Schneeschichten verlagert, an die Pistenränder gedrückt. Unebenheiten und Hügel sind entstanden, die wieder geglättet und auseinander geschoben werden müssen. Meister ihres Faches sind sie alle, die "Katzenfahrer" von Schöneben. Doch Albert "überragt" sie dennoch: Er ist der amtierende Europameister der Pistenraupenfahrer. In Fiss in Tirol hatte er im vergangenen Jahr 500 Mitkonkurrenten bei der "Prinoth Drivers Trophy" ausgestochen. Wie er dieses Kunststück zuwege gebracht hat, lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man Albert auf seinen Arbeitsfahrten begleitet. Der vierfache Familienvater hockt ruhig in seinem Sitz, die Augen abwechselnd auf die Piste, die Rück- und die Seitenspiegel gerichtet. Die Nachlauffräse muss er genauso unter Kontrolle haben wie den Pflug. Gefragt sind Einsatz, Ausdauer und vor allem Feingefühl. Eigenschaften, die ihm zueigen sind. Die 30 Pistenkilometer kennt er mittlerweile wie seine Hosentasche und auch seine "Kotz", mit der er behutsam, ja fast liebevoll umgeht. Seit zehn Jahren verbringt er die Winternächte mit ihr. Und er fährt immer noch leidenschaftlich gerne. Stundenlang ist er mit sieben bis zehn Kilometern in der Stunde unterwegs, betätigt die Bord-Computer, hebt den Pflug oder senkt ihn. Albert weiß genau, wo der Schnee besonders höckerig ist, wo die Pisten im Laufe des Tages am meisten gelitten haben. "Wenn olla afn gleichn Fleck fohran, pearan si ollz oi", erklärte er mit ruhigem Tonfall. "Dia schiabm olla Tog an Haufa Zuig oi, des isch ett zglabm". Vor allem an exponierten Stellen wie auf der Talabfahrt oder an den Hängen bei Rojen ist das der Fall. Dort wird der Schnee mit Hilfe der Überkopfseilwinde und den im Boden verankerten Stahlringen nach oben gehievt. Viele Zentner bewegen die "Pistennachtschwärmer" jede Nacht, mit größter Sorgfalt. Es waren in erster Linie die Top-Pisten, mit denen Schöneben als "Skiarea Testsieger 2002" gepunktet hat, aber auch mit dem guten Service und der Freundlichkeit. Gegen 20 Uhr gönnt sich Albert eine kleine Pause. Er stärkt sich in Gesellschaft der übrigen Fahrer. Dann geht’s weiter. Erst nach 1.00 Uhr erreicht er mit dem Jeep das Tal. Wenn die ersten Skifahrer am nächsten Morgen auf das bestens präparierte Schneeparkett einschwingen, hat Albert schon seine "Stallarbeit" hinter sich.
Magdalena Dietl Sapelza