Konstandinos Filippídis sprang 5,73 m und setzte eine neue Rekordmarke in Schlanders

Weltklasse und Wehmut

Publiziert in 30 / 2012 - Erschienen am 29. August 2012
Es war schwer, sich vorzustellen, dass die 12. Ausgabe des ­internationalen Stabhochsprungmeetings auch das letzte seine sollte. Unter Vinschger Sportliebhabern regte sich Patriotismus. Schlanders – Alles war schön an diesem Abend am Platzl, das Wetter, die Stimmung und vor allem das Ergebnis. Was will man mehr: Ein Veranstaltungsrekord, der sich auch nach den Olympischen Spielen sehen lassen kann, und eine Höhe, die in Südtirol noch nie erreicht worden ist. Ausgelassen klatschend versuchten weit über 1.000 Zuschauer einen Griechen, drei Deutsche und drei Italiener zu Höchstleistungen anzufeuern. Am Ende konnte Diskjockey Christian Presti weder die Landeshymne, noch einen Sirtaki zur Verfügung stellen, um den griechischen Sieg zu feiern. Mit 5,73 m hatte der 26-jährige Konstandinos Filippídis, gesponsert von Raiffeisen, die 12. Auflage des internationalen Stabhochsprungmeetings für sich entschieden und denVeranstaltungsrekord von Richard Spiegelburg aus dem Jahre 2007 um einen Zentimeter verbessert. Zum ersten Mal gelang einem Athleten das „Double“, zwei Mal in Schlanders zum Sieg zu springen. Dass es nicht der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von London, Björn Otto, war, sondern der siebt­platzierte Filippidis, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Um Otto war spekuliert worden. Er kommt, hieß es. „Er kommt nicht, weil er vom Deutschen Leichtathletikverband zu einer Pressekonferenz in Berlin verpflichtet worden ist“, erklärte Erwin Schuster, der langjährige Präsident des ausrichtenden Lac Vinschgau Raiffeisen und zuständig für Athletenkontakte. „Zwischen 15. und 19. August standen sieben hochkarätige Stabhochsprungwettbewerbe auf dem Programm, in Frankreich, in Süditalien, in der Tschechei und in Polen“, klagte „Athleten-Netzwerk-Betreiber“ Schuster. „Die sind ja nicht blöd, die Athleten, bei dieser Nachfrage. Da ging es dann um andere Beträge. Uns aber steht ein Etat von nicht einmal 10.000 Euro zur Verfügung“. Nostalgie lag in der Luft Neben Schuster saßen Armin und Birgit Margreiter aus Innsbruck am Tisch der Platzl-Bar. Beide hatten sich von Schuster zur inzwischen erfolgreichsten Stadtplatz-Veranstaltung in Europa inspirieren lassen, zum „Golden Roof Challenge“, dem Goldenen Dachl-Springen. Was in Schlanders 2001 mit der Absicht angestoßen worden war, die Leichtathletik zum Publikumsmagneten werden zu lassen und die Platz-Springen auf noch höheres Niveau zu bringen, könnte für Schlanders das Aus bedeuten. Tatsächlich hing etwas Nostalgisches in der Luft. Platzsprecher Sepp Platter wollte es auch nicht wahrhaben: „So eine Veranstaltung wollen wir doch nicht weglassen“. Aber die großen Städte locken mit großen Sponsoren. Michael Traut und Rupert Pfeifer, die wahren Organisatoren in Schlanders, wissen ein Lied zu singen. Das Meeting in Schlanders ist nicht nur ein erstes Opfer der Südtiroler Sparpolitik mit römischen Wurzeln, das Platzl-Springen leidet auch unter der Wirtschaftskrise und – was die Insider am meisten schmerzt – an der mangelnden Wertschätzung vonseiten der Vinschger. Von den Schatten, die für Eingeweihte unübersehbar waren, bemerkte der größte Teil der Besucher auf dem Kulturhausplatz nichts. Es war Feragosto und die Menschen freuten sich, denn Stabhoch in Schlanders ist immer auch Show und gute Laune. Dazu gehörten die akrobatischen Einlagen des Meraner Manfred Menz ebenso wie die professionelle Modeschau von Former, die musikalischen „Vibrationen“ von Christian Presti, die professionelle Video-Begleitung von Martin Reifer und seiner Gruppe und die Gastfreundschaft des ASC Schlanders und des Lac Vinschgau. Man freute sich zum 12. Mal über jeden gelungenen Sprung und man beklatschte die spektakulären Fehlversuche. Hinter dem Sieger aus Griechenland sprang der Leverkusener Sportstudent Michel Frauen (Sponsor Mair Josef) mit 5,40 m knapp an seine Bestleistung heran. Der für die Sportgruppe der „Aeronautica“ startende Marco Boni aus der Gegend von Padova (gesponsert von Telmekom) bewegte sich ebenfalls an an der Grenze seiner Möglichkeiten und kam mit 5,20 m auf Rang 3. Dahinter folgten der junge Florian Gaul aus Sindelfingen (Pedacta) und der Sieger von 2008, Alexander Straub (Samina), mit derselben Höhe. Manfred Menz (Sportbau) setzte seinen ersten 5-Meter-Sprung des Jahres 2012. Der Trientner Zehnkämpfer Marco Colombo (Fahrschule Rolli) setzte im Feld der Spezialisten leider nur einen „Salto nullo“. Günther Schöpf
Günther Schöpf

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