Zwischen Aufbruch und Ernüchterung
Naturns startete stark in die Oberliga, muss nun aber auf Abwehrchef Alex Debiasi verzichten.
NATURNS - „Für einen Dorfverein wie uns ist in der Oberliga jedes Jahr der Klassenerhalt das Ziel“, erklärt Markus Pircher, der sportliche Leiter der Fußballer des SSV Naturns gegenüber dem der Vinschger. Naturns, das in der vergangenen Landesligasaison als Zweiter nach zwei Spielzeiten die Rückkehr in die Oberliga schaffte, startete gut. Einem torlosen Unentschieden am ersten Spieltag gegen Tramin folgte ein 2:0-Auswärtssieg bei Mori. Im dritten Ligaspiel gegen Benacense gelang Mitte September ein 3:0-Heimsieg. Mit sieben Punkten in drei Spielen war der eigentliche Abstiegskandidat plötzlich ganz vorne mit dabei. Am vierten Spieltag dann der Schock. Abwehrchef Alex Debiasi verletzte sich schwer. Der 27-jährige Bozner, der im Sommer vom Serie-D-Verein Obermais nach Naturns kam, ging beim Auswärtsspiel in St. Georgen am 20. September hart in einen Zweikampf, verletzte sich selbst und sah obendrein die gelbe Karte. Er musste ausgewechselt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Das Spiel ging schlussendlich mit 2:0 verloren.
Schwierigkeiten nach Debiasi-Schock
Einige Tage später wurde Debiasi in Bozen operiert. Er hatte sich das Schienbein des rechten Beins gebrochen, ein Ausfall von rund einem halben Jahr droht. „Wenn es blöd läuft, ist die Saison für ihn gelaufen. An Fußball mag er momentan verständlicherweise ohnehin nicht denken, die Gesundheit geht vor“, so Pircher. Welch Rückschlag die Debiasi-Verletzung für Naturns war, sah man schließlich in den folgenden Spielen, so ging das Meisterschaftsspiel in Levico am 27. September prompt mit 1:2 verloren. Am vergangenen Sonntag, 4. Oktober, gab es daheim trotz Chancenplus ein 1:1 gegen Ahrntal. Im Landespokal kam am 23. September im Derby gegen Partschins nach einer 1:3-Niederlage in der zweiten Runde das Aus. Hier setzte Naturns aber vor allem auf jüngere Spieler. „Wir haben nicht den Kader, um auf zwei Hochzeiten zu tanzen, im Gegensatz zu Partschins. Daher ist das Aus verschmerzbar. Die Jungen haben es gut gemacht“, so Pircher.
„Neue“ Meisterschaft hat begonnen
Dennoch ist man nach wie vor im Soll, mit 8 Punkten aus 6 Spielen finden sich die Blau-Gelben als 8. derzeit im Tabellenmittelfeld wieder. Freilich, im Kampf um den Klassenerhalt sieht es somit für das von Andreas Viehweider und seinem Co Bernd Muther trainierte Team vorerst gut aus. Aber: „Wir sind realistisch, durch die Verletzung von Debiasi beginnt eigentlich eine neue Meisterschaft“, weiß der sportliche Leiter. Der Innenverteidiger sei eine „überragende Persönlichkeit, der die Abwehr und die ganze Mannschaft führte“. Mit Kevin Buzi fehlt derzeit ein weiterer Abwehrspieler. „Die halbe Liga wird gegen den Abstieg spielen“, prognostiziert Pircher. Nachbar Partschins dürfte mit dem Abstieg aber nichts zu tun haben. Als Titelkandidaten schätzt er Mori und Levico ein: „Die sind vom Kader her klar besser“. Drei der 16 Oberliga-Mannschaften steigen voraussichtlich ab. Im Kampf um den Klassenerhalt hofft Naturns auch auf die Unterstützung der Fans. „Wir können auf die treuen Fans zählen, aber von einem Boom kann man momentan nicht reden“, so Pircher. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass in der nahen Umgebung ebenfalls starker Fußball geboten wird, wie in Obermais, wo es Serie-D-Fußball gibt, oder auch in Partschins, das ebenfalls in der Oberliga spielt.