Im Bild (v.l.): Irmgard Gamper (Bezirksobmann-Stellvertreterin), Landesrätin Rosmarie Pamer, Senatorin Julia Unterberger und Albrecht Plangger (Bezirksobmann).

„Jetzt oder nie“

Albrecht Plangger und Irmgard Gamper: „In der Sachpolitik kommen wir gut voran, aber die nächsten Landtagswahlen bereiten uns Sorgen.“

Publiziert in 6 / 2026 - Erschienen am 24. März 2026

Vinschgau - Mit Ausnahme des Themas Nationalpark, bei dem es mehr rück- als vorwärts gehe, sei man in der Sachpolitik in den vergangenen Jahren einigermaßen gut vorangekommen. „Was uns als Vinschger SVP derzeit politisch große Sorgen bereitet, sind die nächsten Landtagswahlen im Herbst 2028, denn wenn es nicht gelingt, eine Änderung des Wahlgesetzes auf den Weg zu bringen, könnte der Vinschgau leer ausgehen“, bringen SVP-Bezirksobmann Albrecht Plangger und seine Stellvertreterin Irmgard Gamper ihre „Bauchschmerzen“ auf den Punkt, „geschweige denn, in der Landesregierung vertreten zu sein.“

Kleine Bezirke tun sich schwer   

Derzeit ist der politische Bezirk Vinschgau nur mit einem Mandatar im Landtag vertreten, und zwar mit Sepp Noggler. Ohne die landesweite Unterstützung der Bauern hätte Noggler den Sprung in den Landtag nicht geschafft. Damit der Vinschgau 2028 nicht außen vor bleibt, pocht die SVP Vinschgau zusammen mit den Kleinbezirken Wipptal und Unterland auf eine Änderung des Wahlgesetzes. Aus eigener Kraft sei es so gut wie unmöglich, jemanden aus den kleinen Bezirken in den Landtag zu bringen. Um den Kleinbezirken eine Vertretung zu garantieren, können sich Plangger und Gamper zwei Gesetzes-Varianten vorstellen: Entweder man sichert zu, dass der bestgewählte Kandidat oder die bestgewählte Kandidatin aus den Kleinbezirken, von welcher Partei auch immer, fix in den Landtag kommt, oder man legt fest, dass die 11 Mitglieder der Landesregierung nicht mehr Landtagsmitglieder sind und somit 11 Abgeordnete nachrücken. „Die Zeit für eine Gesetzesänderung drängt, das Thema muss noch heuer im Sommer aufs Tapet kommen,“ gibt sich die Vinschger SVP-Spitze kämpferisch. Eine direkte Vertretung im Landtag sei für die kleinen Bezirke unerlässlich. Die Partei müsse Farbe bekennen „und auch die großen Bezirke müssen mithelfen, sonst brechen die kleinen Bezirke weg.“ Auch in der Abgeordnetenkammer in Rom werde der Vinschgau wohl weiterhin beim Wahlkreis Pustertal/Eisacktal bleiben und somit auch dort nicht zum Zug kommen. Das Wahlgesetz wird nur außerhalb der Region von den Regierungsparteien geändert. 

Dauerproblem Nationalpark

Was die Sachpolitik und konkreten Vinschger Anliegen betrifft, „so sind wir in den vergangenen Jahren recht gut weitergekommen“, stimmen Plangger und Gamper überein. Viele Vorhaben habe man auf Schiene gebracht, wie etwa den Bau der Tiefbauhalle beim Berufsbildungszentrum Schlanders oder die Errichtung des Schülerheims in Mals, etliche andere seien geplant und schon „auf gutem Weg“. Um Vinschger Anliegen ging es Ende Februar auch bei einem Treffen der SVP-Kontaktgruppe mit dem Landeshauptmann Arno Kompatscher. Über die Ergebnisse wurde am 13. März bei der erweiterten SVP-Bezirksausschusssitzung im Gamperheim in Schlanders informiert. Hauptthema und zugleich brennendstes Anliegen beim Treffen mit Kompatscher war der Nationalpark Stilfserjoch. „Die Rechtsunsicherheit ist nach wie vor groß, wir kommen einfach nicht weiter“, ärgerte sich Plangger. Nach seinem Dafürhalten sollte vom Land aus versucht werden, „die zuständigen Leute aus Rom zu uns heraufzuholen, damit sie einmal selbst sehen, wie speziell die Situation in unserem Parkgebiet ist. Im Gegensatz zu den Parkanteilen im Trentino und in der Lombardei gibt es bei uns ca. 200 bewohnte und bewirtschafte Höfe.“ Viele Almen und Schutzhütten kommen dazu. Nicht ohne Frust kündigte Plangger an, dass er sich aus der Thematik Nationalpark zurückziehen werde.

„Bis heute nichts daraus gemacht“

Noch deutlicher wurde bei der Diskussion der Marteller Bürgermeister Georg Altstätter. In Sachen Parkplan und Parkordnung befinde man sich leider noch immer auf hoher See, trotz aller Bemühungen, auch seitens der Landesregierung. Die Kompetenzen zur Verwaltung des Südtiroler Nationalparkanteils seien zwar schon vor 10 Jahren vom Staat an das Land übergegangen, „aber daraus wurde bis heute nichts gemacht“, so das Fazit von Altstätter. Es sei an der Zeit, eine Lösung auf „autonomiepolitischer Ebene“ anzupeilen. Als eines der vielen Probleme nannte Altstätter den Umstand, „dass wir in Martell kein Jagdrevier haben. Wir mussten die Kühlzelle für die Jägerschaft mit Geldmitteln der Gemeinde bauen, denn Landesbeiträge gibt es nur für Jagdreviere.“

Verkehrsfluss auf dem Joch verbessern

Besprochen wurden mit Kompatscher auch Maßnahmen zur Aufwertung des Stilfser Jochs. „Die Ausführungsprojekte für eine Verbesserung des Verkehrsflusses auf dem Joch, für den Bau von Gehwegen und Bushaltestellen sowie für weitere Eingriffe liegen vor und wir hoffen auf eine baldige Umsetzung“, informierte Roland Brenner, der Präsident der Stilfserjoch GmbH. Leider nicht erfolgreich war die europaweite Projekt-Ausschreibung für die Servicestruktur (Fahrraddepot, sanitäre Anlagen usw.) und den Camper-Parkplatz. Nun brauche es eine neue Ausschreibung. Nicht bereit sei die Terna, den Hochspannungsmast auf dem Joch zu entfernen, weil eine unterirdische Stromleitung auf dieser Meereshöhe problematisch wäre, Stichwort Permafrost, und die Passstraße rund 6 Monate im Jahr gesperrt sei. Zu den weiteren Maßnahmen gehört die Errichtung von 3 Aussichtspunkten und vor allem auch die Sanierung und Umgestaltung der Festung Gomagoi, wofür die Geldmittel (ca. 6,5 Millionen Euro) im Landeshaushalt vorgesehen sind.

„Mit Bahn von Mals in die Schweiz“

Noch immer zuwarten heißt es auf eine definitive Trassenvariante für die Schaffung eines Alpenbahnkreuzes im Dreiländereck. Aus der groß gefeierten Absichtserklärung, die im September 2020 von hochrangigen Politikern aus Südtirol, Tirol, Graubünden und der Lombardei in Graun unterzeichnet wurde, hat sich bisher nicht allzu viel entwickelt. Man ist immer noch dabei, die technisch beste Variante zu ermitteln, für die es dann auch einen politischen Konsens braucht. Wie es bei der Diskussion mehrfach hieß, hält sich das Interesse von Nordtirol sehr in Grenzen. Dort liebäugelt man offenbar mit der Variante über den Reschen. Für den Malser Bürgermeister Josef Thurner ist die Sachlage klar: „Wir müssen mit der Bahn in die Schweiz, weil die Schweiz in die Lombardei will.“ Laut Plangger sollte man die Variante Scuol-Mals anpeilen „und dann bis Landeck verlängern.“ Das Büro Bergmeister arbeite derzeit noch an einer Trassen-Studie. Im Sommer sollte man laut Plangger auf jeden Fall so weit sein, „um eine Antwort liefern zu können.“

„Latschander“, Bettenstopp und Energie

Bestätigt wurde beim Treffen mit Kompatscher, dass das Steinschlagschutzprojekt „Latschander“ für das Land nach wie vor erste Priorität habe. Das Ausführungsprojekt soll bis zum Herbst fertiggestellt sein, mit dem Baubeginn sei 2027 zu rechnen. Beschwert hat sich der SVP-Bezirksobmann beim Landeshauptmann, „dass man sich im Vinschgau, wo es kein Problem mit dem Overtourismus gibt, schon wieder mit dem Bettenstopp beschäftigen muss. Der gesamte Bezirk sollte aus dieser Diskussion endlich herausgenommen werden.“ Im gesamten Vinschgau sei eine Entwicklung noch sinnvoll und notwendig. In Sachen Energie sollte laut Plangger versucht werden, die „Schrauben“ des Wassernutzungs- und Wasserschutzplanes etwas zu lockern. Vor allem im Bereich von Trinkwasserkraftwerken würden sich dadurch neue und sinnvolle Möglichkeiten ergeben.

Wie steht es um 3. Stock im Krankenhaus?

Zur Frage von Kunhilde von Marsoner, ob der noch immer geschlossene 3. Stock im Schlanderser Krankenhaus wieder geöffnet wird, sagte die Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch, dass man ihr die Absicht bestätigt habe, den 3. Stock wieder öffnen zu wollen. Ein genauer Termin sei nicht genannt worden. An Personal fehle es im Krankenhaus angeblich nicht. Einen „Riesenpuff“ aber gebe es laut Dieter Pinggera im Zusammenhang mit den Stellenplänen im Krankenhaus. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Autonomiereform: „Etwas Angst“

Mit einem Bericht aus Rom wartete die Senatorin Julia Unterberger auf. Alles überschattet werde derzeit von der Außenpolitik, Stichwort Krieg im Iran. Etwas Angst habe sie bezüglich der Autonomiereform: „Die Kammer hat der Reform zwar in der zweiten Lesung mehrheitlich zugestimmt, aber die PD-Fraktion hat sich der Stimme enthalten.“ Dabei habe sich der „Partito Democratico“ in der Vergangenheit stets als autonomiefreundlich geäußert. Es bleibe zu hoffen, „dass wir bei der letzten Lesung im Senat nicht scheitern.“ Kritik übte Unterberger am Abgeordneten Alessandro Urzì (Fratelli d’Italia), der keine Gelegenheit verpasse, um die Vorteile der Reform für die italienischsprachige Bevölkerung in Südtirol hervorzuheben.

11 Monate Wartezeit im Vinschgau

Zu den Themenbereichen Senioren und Pflege sowie Ehrenamt referierte die Landesrätin Rosmarie Pamer. Als wichtigste Säule der Seniorenpolitik nannte sie das aktive Altern. Auch auf die Bereiche Pflege zu Hause und pflegende Angehörige ging sie ein, auf neue Wohnformen, stationäre Strukturen sowie auf die finanzielle Absicherung. Zum Thema Pflegeinstufungen räumte Pamer ein, „dass die Wartezeiten derzeit zum Teil noch sehr lange sind, speziell auch im Vinschgau.“ Um die Situation zu verbessern, arbeite man an kurz-, mittel- und langfristigen Lösungen. Die Zahl der Einstufungs-Teams soll von derzeit 17 auf landesweit 26 erhöht werden. „Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich in der Einarbeitung, weitere Ausschreibungen laufen.“ Wie der Schludernser Bürgermeister Heiko Hauser beanstandete, sei es nicht nachvollziehbar, „warum man bei uns im Vinschgau 11 Monate warten muss, während es zum Beispiel im Pustertal nur 4 Monate sind.“ In Sachen Pflegegeld sprach Pamer von einer weitum einzigartigen finanziellen Leistung für pflegebedürftige Menschen. Das Pflegegeld werde bleiben, „aber als 2. Säule ist über eine Pflegeversicherung auf freiwilliger Basis nachzudenken.“ Heranwagen sollte man sich laut Pamer auch an eine Diskussion, die so manche scheuen: „Derzeit wird das Pflegegeld unabhängig vom Einkommen und Vermögen ausbezahlt: Ist es richtig, dass eine Person mit 250.000 Euro Einkommen gleich viel bekommt wie etwa eine Bergbäuerin mit einer Mindestrente?“

Investitionsbeiträge werden angehoben 

Informiert hat Pamer auch über eine starke Erhöhung der Investitionsbeiträge, wie sie im Senioren-Bereich geplant sind. Höhere Fixbeträge sind u.a. für den Neu- bzw. Umbau von Seniorenwohnheimen vorgesehen, für begleitetes und betreutes Wohnen sowie für Tagespflegeheime. In Sachen Ehrenamt setze man nach der Anfechtung eines Gesetzespassus auf eine Durchführungsbestimmung, die in Rom durchgesetzt werden soll. Zu den weiteren Schritten zähle der Aufbau der digitalen Infrastruktur für die Führung des Landesverzeichnisses. 

Josef Laner

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