Alpkäse ist ein begehrtes Premiumprodukt
Kortscher Alpkäse mit Senn Florian Platter bei 15. Südtiroler Alpkäseprämierung zum Tagessieger erkoren.
Burgeis - Ein relativ trockener Sommer, zu hohe Temperaturen auf den Almen, Probleme mit der Milchkühlung und Extremwettereignisse waren die großen Herausforderungen des diesjährigen Almsommers. Das berichtete Bertram Stecher vom Südtiroler Sennereiverband bei der diesjährigen 15. Südtiroler Alpkäseverkostung in der Fürstenburg in Burgeis. Angesichts der steigenden Temperaturen werde man im Bereich Kühlung auf den Almen investieren müssen, um nicht die Qualität der Almprodukte zu gefährden, so der Almberater. 34 Almen, davon 24 aus dem Vinschgau, fünf aus anderen Teilen Südtirols und fünf aus den Terra-Raetica-Nachbarregionen in Nordtirol haben an der diesjährigen 15. Südtiroler Alpkäseverkostung in Burgeis teilgenommen. Das zahlreiche Publikum war dazu eingeladen, die 34 verschiedenen Almkäse zu verkosten und zu bewerten. Zuvor hatte dies bereits eine 12-köpfige Fachjury vorgenommen, deren Ergebnisse mit großer Spannung erwartet wurden. Vor der Alpkäseprämierung wartete Markus Joos von der ARGE Vinschgauer Milchviehalmen mit ein paar wichtigen Eckdaten zum Vinschger Alpungsjahr 2026 auf. „1.314 Kühe und 174 Milchziegen wurden heuer aufgetrieben, wobei die Kühe von 580 Betrieben stammen. Von der Milch der 1.314 Kühe wurden in diesem Sommer 115.300 kg Käse und 12.600 kg Butter produziert, was einem Durchschnitt von 88 kg Käse und knapp 10 kg Butter pro Alpkuh bedeutet. Von den rund 174 Ziegen auf der Ochsenbergalm und der Schlanderser Alm wurden 2.300 kg Ziegenkäse produziert.“ Die Frauen auf den Almen setzen sich immer mehr durch; sie betragen inzwischen 44 Prozent des Personals, so Markus Joos. Der leergefegte Arbeitsmarkt sei auch für die Almverantwortlichen eine zunehmende Herausforderung. Viel Energie wird in die Aus- und Weiterbildung des Alppersonals gesteckt. Das Ziel bleibt nach wie vor die konstante Verbesserung bzw. das Halten der Qualität der Alpprodukte.
22 Almen erreichen „ausgezeichnet“ und „sehr gut“
Die 12-köpfige internationale Jury hatte die Aufgabe, die Produkte zu verkosten und nach einem 20-Punkte-Schema zu bewerten. Begleitet wurden sie dabei von Bertram Stecher vom Südtiroler Sennereiverband und Fachlehrerin Elisabeth Haid. Markus Joos betonte, dass das Ergebnis einer Verkostung stets eine Momentaufnahme eines Käselaibes sei und nicht die Arbeit und das Ergebnis eines ganzen Almsommers widerspiegele. Es sei auch immer Glück bei der Auswahl des Produktes für die Verkostung notwendig. „Von den 25.000 Laib produzierten Käse sind heute 34 hier, die bewertet werden“, so Markus Joos. Die Bewertung „ausgezeichnet“ erhielten die Kortscher Alm, die mit 20 Punkten von der Jury zum Tagessieger ernannt wurde, weiters die Brugger Alm, die Mitteralm und die Rifairer Alm, beide Taufers im Münstertal, sowie die Schlanderser Alm und die Ochsenberg Alm für ihren Ziegenkäse. Das Prädikat „sehr gut“ erhielten die Stilfser Alm, die Larei Alm (Ischgl), die Melager Alm, die Alpe Versing (Kappl), die Laatscher Alm, die Obisell Alm (Riffian), die Kaproner Alm, die Lyfi Alm, die Grauner Alm Vivana, die Kreuzwiesen Alm (Lüsen), die Schliniger Alm, die Matscher Kuhalpe, die Maseben Alm, die Rableid Alm, die Höfer Alm und die Mangitz Alm in Taufers im Münstertal. Der Publikumspreis ging an die Brugger Alm und an die Timmelsalm.
Abschied und Neubeginn
Über 24 Jahre lang war Bertram Stecher beim Südtiroler Sennereiverband für den Bereich Almen und Hofkäsereien zuständig. Nun übernimmt er das Amt von Markus Joos als Bezirksdirektor für Landwirtschaft West. Annemarie Kaser, Direktorin des Südtiroler Sennereiverbandes und das Almkomitee dankten Bertram Stecher für die konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit. „Bertram hat im Verband die Beratung aufgebaut und mit Menschlichkeit, Ausgeglichenheit und großem Fachwissen begleitet“, sagte Annemarie Kaser. „Weniger Beratung, mehr Zettel“, prophezeite ihm Markus Joos, als er ihm zum Abschied ein Geschenk überreichte. Bertram Stecher war auch nicht untätig geblieben und hat mit Matthias Ziernhöld einen kompetenten Nachfolger im Sennereiverband gefunden. Musikalisch umrahmt hat die Käseverkostung Elia Prugger auf seiner Steirischen.