Leserbriefe

Gemeinden bei ­Rambach-Konzession abgeblitzt. Außer ­Spesen nix gewesen?

Die Gemeinden Mals und Taufers i. M. haben rund um das zukünftige Kraftwerk am Rambach viel Energie, aber noch viel mehr Geld investiert. Monatelang Rambachdialog, Volksabstimmungen in beiden Gemeinden, Infobroschüren, Sitzungen, Gründung einer eigenen Gesellschaft etc. Alles zu einem alleinigen Zweck: Ansuchen um eine Konzession. Jetzt hat aber ein privater Teilnehmer die Konzession erhalten. Was ist passiert? Für den Bürger nicht nachvollziehbar, ob das Ansuchen nicht fristgerecht eingereicht oder unvollständig abgegeben worden ist, wird eine Anfrage des Unterfertigten diese grobe Fahrlässigkeit vielleicht aufklären. Auch die Frage nach der Verantwortung für diesen kapitalen Bock wird zu klären sein. Die finanzielle Verantwortung wird sicher der Rechnungshof prüfen. Wer die politische Verantwortung für dieses Debakel auf sich nimmt oder ob es in gewohnter Südtiroler Manier keine politischen Verantwort­lichen gibt, wird die Antwort der Anfrage klären. Fakt ist jedenfalls, dass die lokalen Körperschaften jetzt zuschauen müssen wie ein „Auswärtiger“ das Geld aus dem Rambach holt. Mein Ratschlag an die Gemeindeverwalter: Jede Volksbefragung macht halt nur Sinn, wenn das von der Bevölkerung gewünschte Ergebnis auch umgesetzt wird.

Stecher Peppi, Gemeinderat (Offene Gemeindeliste Mals), Mals, 11.07.2017

Kompliment für ­Zivilcourage für den Tierschutz

Zum Leserbrief „Tierleid beim Sonta-Hons-Markt in Prad“ im der Vinschger Nr. 24 vom 05.07.2017: Dieser lobenswerte Leserbrief und diese Zivilcourage von Frau Ellen Schuster aus Schlanders sowie auch von den zwei arrangierten Polizisten gibt mir Anlass für einige Gedanken zu der zum Teil fragwürdigen Einstellung zur Religion und dem üblichen Geschrei im Heiligen Land Tirol, wenn es darum geht, die Sinnhaftigkeit von Kruzifixen in öffentlichen Räumen oder die Gipfelkreuze auch nur annähernd in Frage zu stellen, die Folge sind Beschimpfungen der übelsten Art bis hin zu Morddrohungen. Auch die darauffolgende Verlogenheit ist mehr als bedenklich, indem man den Autoren die Aussagen unterstellt, sie wollen die Kruzifixe aus den Schulen sowie von den Berggipfeln entfernen. Von derartigen Ansinnen oder Aussagen ist - mir jedenfalls - nichts bekannt. Tierquälerei aber wird vom Großteil der Bevölkerung ignoriert, man schaut weg als ob wehrlose Tiere nicht auch zur Schöpfung Gottes gehören, oder zählt die Folter welche die „Bestie“ Mensch an den Tieren für den übertriebenen Fleischkonsum oder für die Eitelkeit (Leder und Pelze) betreibt, ohne einen Tropfen Würde für die Tiere, zu den christlichen Werten? Aber bitte, viel wichtiger sind religiöse Symbole, von denen es in unserem Land überaus reichlich, für manche offensichtlich immer noch zu wenige gibt.

Walter Pöder, Naturns, 14.07.2017

Empörte Amtsärzte (1)

Wir Vinschger Amtsärzte sind evmpört über die Anschuldigungen der Generaldirektion und der Sanitätsdirektion! Am 14. Juni haben wir OHNE jegliche Information und vorherige Besprechung vom Südtiroler Sanitätsbetrieb die schriftliche Anweisung erhalten, dass ab 1. Juli 2017 das neue Impfdekret anzuwenden sei. Keiner von uns war in die Planung der Impfkampagne miteinbezogen worden! Wir impfen seit durchschnittlich 30 Jahren und haben uns schon mit Generationen von Kindern und Eltern beschäftigt. Aus langer Erfahrung kennen wir ihre Ängste, Erwartungen und den nötigen Informationsbedarf der Bevölkerung bei Impfangelegenheiten. Deshalb lassen wir uns von einigen Bürokraten, deren Aufgabe es wäre, uns die Arbeit in optimaler Weise zu organisieren, nicht beschimpfen! Wenn der Generaldirektor des Sanitätsbetriebs von einer Gruppe erfahrener und langjähriger Gemeindeärzte über ein Problem informiert wird und eine dringende Anfrage erhält, so wäre es seine Pflicht, schnellstens zu reagieren und ohne Polemiken entgegenzukommen. Die durch das neue Impfdekret anstehenden 80.000 zusätzlichen Impfsitzungen können von den Amtsärzten in Südtirol nicht nur so nebenher bewältigt werden. Die Impfkampagne wird in Südtirol überall unterschiedlich organisiert. In den Städten und in vielen Gemeinden gibt es eigene Impfzentren. In der Peripherie hingegen trägt der Amtsarzt die alleinige Verpflichtung und Verantwortung die Impfungen durchzuführen. Zu glauben, dass Tausende von Impfungen nur so nebenbei verabreicht werden können, ist eine Blauäugigkeit von Seiten des Sanitätsbetriebs und eine Unverantwortlichkeit ohnegleichen. Wir schaffen es aus zeitlichen und organisatorischen Gründen und unter Einhaltung der rechtlichen Korrektheit nicht, die vielen Tausend zusätzlichen Impfungen laut dem neuen Dekret zu übernehmen. Der Sanitätsbetrieb wusste seit längerer Zeit, was das Impfdekret beinhaltet. Um eine derart große Impfaktion auf die Beine zu stellen, braucht es eine rechtzeitige Planung und Organisation. Es ist sicherlich keine Lösung, eine bereits überforderte Berufsgruppe durch einen einseitigen Beschluss in die Verantwortung zu zwingen und sie dann als Sündenbock hinzustellen. Eine Lösung wäre die Einrichtung eigener Impfzentren in allen Sprengeln, so wie dies bereits in den Städten und in einigen Gemeinden gemacht wird. Die beleidigenden Unterstellungen von Seiten der Generaldirektion und der Sanitätsdirektion, dass sich die Ärzte aus ihrer Verantwortung stehlen und ihren Aufgaben nicht gerecht werden wollen, sind fehl am Platz. Im Interesse der Patienten fordern wir eine sofortige Aussprache mit den Verantwortlichen des Sanitätsbetriebes, damit eine einheitliche Lösung zum Problem lmpfen in Südtirol ausgearbeitet wird. Sollte das nicht passieren und sollte man wieder über unsere Köpfe hinweg entscheiden, bekräftigen wir hiermit unseren Beschluss im Rahmen der Amtsarzttätigkeit den Impfdienst nicht mehr zu übernehmen und mit 1. August 2017 geschlossen von unserer Amtsarzttätigkeit zurückzutreten.

Die Amtsärzte des Vinschgaus, Latsch, 04.07.2017

Empörte Amtsärzte (2)

Für einige Ärzte ist der Grund, diesen Brief (siehe oben) zu unterschreiben, die totale Überlastung. Es gibt z. B. einen Arzt, der 2.500 eingeschriebene Patienten hat, die er über die Woche im 24-h-Dienst alleine versorgen muss. Die zusätzliche Arbeitsbelastung durch die Impfungen bedeutet da schon etwas, da zusätzlich noch Wochenenddienste dazukommen. Im Obervinschgau ist schon lange eine Stelle als Allgemeinarzt ausgeschrieben, es meldet sich kein Arzt. Der Ärztemangel macht sich bemerkbar. Auch dies hätte den Verantwortlichen schon jahrelang bekannt sein müssen. Außerdem sind sehr viele Amtsärzte, die ja gleichzeitig Allgemeinärzte sind, frustriert über das Chaos, das im Sanitätsbetrieb herrscht. Einige Beispiele: es gibt Amtsärzte, die impfen und Amtsärzte, die nicht impfen müssen, da der Sanitätsbetrieb dies übernommen hat. Die Amtsarztbasisvergütung ist aber bei beiden die gleiche. Die Kinderärzte hingegen werden pro einzelne Impfung fürstlich entlohnt. Man kann sich vorstellen, wie wenig einige Amtsärzte, die ihr eigenes Ambulatorium, für das sie Miete bezahlen und das sie bisher für den Impfdienst zur Verfügung gestellt haben, mit einer Nettovergütung von ca. 350 Euro pro Monat zufrieden sind. Diese ganzen Ungereimtheiten bzw. unterschiedlichen Behandlungen sind den Verantwortlichen schon lange bekannt und wurden bei verschiedenen Gelegenheiten angeprangert. Ergebnis gleich null. Dabei müssen sich die Ärzte von einigen Impfkritikern zusätzlich noch ungerechtfertigt vorhalten lassen, sie bereicherten sich durch die Impfungen. Die Amtsärzte, die den Brief unterschrieben haben, fordern Entlastung durch Impfzentren, die vom Sanitätsbetrieb organisiert werden. Allgemein herrscht unter den Ärzten schon lang ein erheblicher Unmut aufgrund vieler willkürlicher Entscheidungen des Sanitätsbetriebs/Assessorates. Dieser Unmut wird dazu beigetragen haben, dass das Fass bei einigen übergelaufen ist. Beispiele: die Allgemeinärzte mussten alle Kinder bis 6 Jahren zur Betreuung an die Kinderärzte abgeben. Jetzt, wo Kinderärztemangel herrscht, sollen die Allgemeinärzte die Kinder wieder versorgen. Zuerst hieß es, Beschränkung der ­Patientenzahl auf 1.500, dann - weil Ärztemangel herrscht - sollen die übrigen Ärzte alle Patienten wieder übernehmen. Chaos, wohin man blickt.

Amtsarzt Wunibald Wallnöfer, Prad, 04.07.2017

„Wir Mieter werden im Stich gelassen“

Bei der Bürgerversammlung am 14. Juni kam heraus, dass unsere Gemeinde Naturns 19 Asylanten aufnehmen werde. 9 Personen übernehme die Pfarrei und 10 sollten in 2 Wohnungen einquartiert werden, die sich im alten E-Werk „Schnalstal“ befinden. Das Gebäude gehört der Alperia. Fakt ist, dass wir Vermieter vor der Bürgerversammlung nicht wussten, dass unser Gebäude schon als Unterkunft in Frage käme. Dies zeigte sich erst im Laufe des Abends. Uns Mietern ist nicht bekannt, dass im Raum Südtirol Asylanten untergebracht worden sind, wo Einheimische wohnen. Bei einem Augenschein am 22. Juni mit der Sozialreferentin Klotz Christa, Prinoth Florian von der Bezirksgemeinschaft und Alperia-Vertretern wurde uns klargemacht, dass der Landeshauptmann und Critelli Luca von der Landesabteilung für Familie und Soziales von dem Projekt schon wussten und dass die Durchführung abgesegnet sei. Nach längerer Diskussion wurde uns ein Zusammentreffen mit den Beteiligten versprochen, und zwar am 4. Juli. Wir Mieter ­fragen uns: Wie kann es sein, dass es niemanden interessierte, uns vom Vorgehen zu informieren, während andere schon im Voraus Bescheid wussten? Wie kann es sein, dass Familien mit Jugend­lichen und Kindern, im Ganzen 9 Personen (3 Männer, 3 Frauen, 2 Jugendliche, 1 Kind), in Zukunft mit 10 männlichen Asylanten zusammenleben müssen? Wie kann es sein, dass eine der Familien, mit einer 17-jährigen Tochter und einem 10-jährigen Sohn, inmitten fremder Personen Leben muss? Wie kann es sein, dass 6 Enkelkinder zwischen 1 und 9 Jahren ihre Opas nicht mehr besuchen können? Wie kann es sein, dass allen geholfen wird, aber wenn es Einheimische trifft, stößt man nur auf taube Ohren? Laut Verteilungsschlüssel ist ein Dorf mit 1.000 Einwohnern verpflichtet, 3 Asylanten aufzunehmen. Warum aber eine Mietergemeinschaft, bestehend aus 9 Personen, 10 Migranten aufnehmen muss, wird so erklärt: es sei von der Größe der Wohnungen abhängig und der Disponibilität der Besitzer. Zur Erinnerung: Ein Dorf mit 1.000 Einwohnern sollte 3 Personen aufnehmen. Die Pfarrei von Naturns 9 Personen, wir Mieter 10 Personen. Der Rest von den Einwohnern in Naturns (privat) keine. Wo bleibt da die gerechte Aufteilung? Nach einer Sprechstunde mit dem Bürgermeister kam heraus, dass er seinen Mitarbeiterinnen vom Sozialamt den Auftrag gab, eventuelle freistehende Wohnungen zu erkunden, dabei wurden die 2 Wohnungen des E-Werkes in Erwägung gezogen. Für die Vergabe von Wohnungen seien die Besitzer verantwortlich, in unserem Fall die Alperia. Bei einer Aus­sprache am 28. Juni sagten Tschager Svaldi Margot und Klotz Christa, dass es auch im Interesse des Sozialamtes wäre, möglichst nur Familien unterzubringen. Am 4. Juli gab es ein Treffen beim Gebäude. Uns wurde ­dabei u.a. gesagt, dass sich kein Privater angeboten hätte und dass die Bezirksgemeinschaft verantwortlich sei bei eventuellen künftigen Problemen. Die Diskussion wurde abgebrochen, weil keine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde. Fakt ist, dass wir von Alperia keine Mitteilung bekommen haben und dass die Dorfgemeinschaft uns Mieter im Stich gelassen hat. Das Gebäude liegt zudem außerhalb des Zentrums. Wie sollen sich da die Asylbewerber integrieren?

Die Mietergemeinschaft des alten E-Werks „Schnalstal“, Naturns, 05.07.2017
Vinschger Sonderausgabe

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