Leserbriefe

Vinschgerbahn: Große Enttäuschung

Mit großer Enttäuschung und einem Schuss Sarkasmus schreibe ich diese Zeilen als täglicher Pendler auf der Vinschgerbahn. Ja, auch vorher gab es ab und zu Probleme – doch im Vergleich zu heute war der Betrieb damals wie ein Schweizer Uhrwerk. Seit der Fertigstellung der Elektrifizierung, die im Mai mit großen Versprechungen angekündigt wurde, gleicht der Alltag auf dieser Strecke einem einzigen Debakel. Dass es hin und wieder zu Verspätungen kommt, ist nachvollziehbar. Doch hier sind sie täglich, fast bei jeder Verbindung zur Norm geworden. Die ersten Züge am Morgen starten bereits mit 10 (oder mehr/bzw. auch gar nicht) Minuten Verspätung – und das ist nur der Anfang. Immer wieder fallen Züge ohne Vorwarnung aus, als wäre Fahrgastinformation ein Fremdwort. Die Anzeigen? Ein Trauerspiel. Mal funktionieren sie gar nicht, mal zeigen sie falsche Abfahrtszeiten oder Gleise an. Wenn wenigstens die Informationen zu Ausfällen und Verspätungen zuverlässig wären! Doch so steht man oft im Unklaren und weiß nicht einmal, wie man dran ist. Selbst die Uhrzeiten im Zug stimmen nicht mehr – es sind Kleinigkeiten, die aber den Eindruck erwecken, als würde man jetzt alles verfallen lassen. Auch die Südtirol Mobil App zeigt Verspätungen nicht oder nicht zuverlässig an, was die Situation noch verschlimmert. Besonders bitter: Im Juli feierte man noch den „Erfolg“ der Bahn mit einem großen Auftritt. Unter den aktuellen Umständen wirkt diese Inszenierung wie Hohn. Selbst die Busfahrer des Schienenersatzdienstes schütteln den Kopf und bemerken, dass dies ein komplettes Chaos ist. Wo bleibt die Transparenz? Wo die Kommunikation? Statt Informationen herrscht oft Funkstille – als ob die Verantwortlichen hoffen, dass die Probleme sich von selbst in Luft auflösen, wenn man nur lange genug wegschaut. Der Leidtragende ist am Ende der Fahrgast. Ich stehe weiterhin zu öffentlichen Verkehrsmitteln und nutze sie bewusst. Doch ich fürchte: Wer bisher noch überlegt hat, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, wird durch dieses Chaos abgeschreckt. Und das ist eine verpasste Chance – für die Region, für die Umwelt und für uns alle, die auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind. Es ist Zeit, dass die Verantwortlichen handeln, statt zu beschwichtigen. Die Pendler/innen verdienen klare Informationen, zuverlässige Verbindungen und eine Bahn, die ihren Namen auch verdient – statt einer Elektrifizierung, die am Ende nur die Unzuverlässigkeit beschleunigt hat.

Frederik Trentin, ein enttäuschter Pendler, 26.08.2026

Vandalenakte auch auf den Berggipfeln

In den Zeitungen liest man oft, dass vor allem in den Städten und größeren Dörfern Vandalenakte begangen werden. Beschädigung von Fahrzeugen, Beschmieren von Wänden und Zuggarnituren, Zerstörung von Straßenschildern und Blumeninseln und sogar vor den Gräbern der Verstorbenen wird nicht Halt gemacht. Meist werden dabei übermütige halbwüchsige Jugendliche vermutet. Neu ist, dass sich die Vandalen nicht nur in den Städten und Dörfer aufhalten, sondern auch auf die Gipfel unserer schönen Bergwelt steigen. So wie beim Klima die hohen Temperaturen aufsteigen und auf den Gipfeln das ewige Eis zerstören, so zerstören Vandalen Gipfelkreuze und die dort angebrachten Buch-Schatullen und Gipfelbücher. Gipfelkreuze und die Schatullen mit den Gipfelbüchern bleiben nicht mehr verschont. Man glaubte, Menschen verhalten sich vor einem Gipfelkreuz, egal welcher Konfession oder Sprache sie angehören, in Respekt vor der Schöpfung und Natur. Nein, auch auf den Gipfeln wird böswillig und krankhaft zerstört. Auf der Marteller Rotspitz wurde unlängst die Buchkassette gewaltsam vom Kreuz gerissen und gänzlich beschädigt. Dasselbe kam kürzlich auch auf der Marteller Orgelspitz (Laaserspitz) vor. Auch dort wurde die Kassette des Gipfelbuches gewaltsam aufgerissen und zerstört. Anstelle des Gipfelbuches wurden kleine Steine in die Buchkassette gepflastert. Sogar die alten aufgebauten Steinmännchen, welche über 100 Jahre viele große Gewitter, Blitze und Stürme überstanden haben, wurden böswillig umgeschmissen. Auch am Hasenöhrl soll Unfug getrieben worden sein. Schade und bedauerlich sind solche Vorfälle für all jene, die sich auf das Gipfelglück freuen. Schade und bedauerlich, dass sich auch unter den vielen hunderten ehrlichen jungen und auch älteren Bergsteigern schwarze Schafe befinden. Schwarze Schafe, die am Gipfel nicht innehalten, sich nicht über die Besteigung des erreichten Gipfels freuen und nicht die Schönheit der Schöpfung bewundern, sondern nur den Gedanken tragen, böswillig das zu zerstören, was andere ehrenamtlich und ohne Bezahlung in mühevoller Arbeit aufgebaut und errichtet haben. Diese Vandalen dürften keine Lausbuben gewesen sein, sondern eher gestandene Menschen. Solche Menschen sind einer Gipfel-Erklimmung unwürdig. Es ist nur zu wünschen und zu hoffen, dass diese Menschen ihren Verstand wieder erlangen. Ein Dank an die Ehrenamtlichen im AVS, Christian und Wolfi mit Begleitung, die in harter Arbeit neue Buchkassetten (Schatullen) und das erforderliche Werkzeug auf die Gipfel trugen und die neue Schatulle am Kreuz befestigten, damit sich weiterhin die ehrlichen Bergvagabunden und Gipfelstürmer in das neue Gipfelbuch eintragen und sich über das Gipfelglück freuen können. Der große Wunsch und die Hoffnung sind, dass diese zwei Gipfelkreuze und auch die vielen anderen von krankhaften und zerstörungswilligen Geschöpfen verschont bleiben.

E. A., Martell, 31.07.2026

Ein kleiner Wermutstropfen bei den Südtiroler Ritterspielen

Seit fünf oder sechs Jahren besuche ich mit meinen drei Kindern die Südtiroler Ritterspiele in Schluderns. Jahr für Jahr kommen wir wieder, weil wir die Veranstaltung einfach lieben. Das Programm, die Musik, die Künstler, die Aufführungen, das Ritterturnier, das Essen und die gesamte Atmosphäre – bisher war für uns jedes Jahr alles wunderbar organisiert. Noch nie hatte ich einen Grund, mich zu beschweren. Umso mehr tut es mir weh, dass ich dieses Jahr zum ersten Mal mit einem wirklich schlechten Gefühl nach Hause gegangen bin. Der Grund war eigentlich eine Kleinigkeit – und gleichzeitig für mich etwas sehr Grundsätzliches. Das Ritterturnier findet freitags, samstags und sonntags jeweils um 15 Uhr statt. Wer schon einmal dort war, weiß: Wenn man einen Sitzplatz auf der Tribüne möchte, sollte man frühzeitig in die Arena gehen. Wir haben das bereits bei unserem ersten Besuch gelernt. Damals kamen wir etwas spät und konnten uns trotzdem noch irgendwo einen Platz sichern. Seitdem wissen wir: Mit drei kleinen Kindern gehen wir rechtzeitig hin, damit sie später auch tatsächlich etwas sehen können. Auch heuer waren wir am Samstag früh genug da. Schon vor 14 Uhr waren viele Menschen in der Arena und bemühten sich um einen guten Sitzplatz. Wir saßen auf der Tribüne und warteten geduldig auf den Beginn. Gleichzeitig wurde die Arena immer voller. Immer mehr Menschen stellten sich vorne an die Absperrung und versperrten damit denjenigen die Sicht, die bereits seit langer Zeit auf ihren Plätzen saßen. Über die Lautsprecher wurde sogar zweimal ausdrücklich darum gebeten, vorne nicht stehen zu bleiben, sondern sich hinzusetzen, damit auch die Menschen auf den Tribünen weiterhin etwas sehen können. Auch Mitwirkende der Veranstaltung gingen durch die Reihen und deuteten den stehenden Personen an, dass sie sich bitte hinsetzen sollten. Leider wurde diesen Aufforderungen kaum Folge geleistet. Und irgendwann wurde aus einem organisatorischen Problem ein menschliches. Rund um uns begannen immer mehr Menschen, die stehenden Besucher höflich darum zu bitten, sich hinzusetzen. Statt Verständnis erlebten wir teilweise Beschimpfungen und sogar ausgestreckte Mittelfinger. Und genau das hat mich tief getroffen. Nicht, weil jemand zu spät gekommen war. Das kann passieren. Vielleicht war man zum ersten Mal bei den Ritterspielen. Vielleicht wusste man tatsächlich nicht, dass man frühzeitig in die Arena kommen sollte. Dafür habe ich Verständnis. Was mir aber völlig fehlt, ist das Verständnis dafür, dass man dann trotzdem akzeptieren muss, dass man keinen guten Platz mehr bekommt. Ich war mit meinen drei Kindern dort. Ich habe ihnen beigebracht, geduldig zu sein. Wir haben uns frühzeitig organisiert, damit wir niemandem die Sicht nehmen. Wir haben uns an die Regeln gehalten und gewartet. Ich habe meinen Kindern beispielsweise auch bei anderen Veranstaltungen erklärt: Wenn wir zu spät kommen und keinen Platz mehr bekommen, dann haben wir eben Pech gehabt. Dann sehen wir diese Aufführung nicht und gehen weiter zur nächsten. Das ist zwar manchmal enttäuschend, aber es gehört für mich zu einem respektvollen Miteinander dazu. Genau das wollte ich auch meinen Kindern bei den Ritterspielen vorleben. Umso trauriger war es für mich, dass ausgerechnet wir uns am Ende Beschimpfungen und Mittelfinger ansehen mussten, während diejenigen, die sehr spät kamen und sich einfach vor die bereits sitzenden Besucher stellten, die Aufführung trotzdem genießen konnten. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich sagen: Das ist keine Kritik an den Veranstaltern. Im Gegenteil. Die Südtiroler Ritterspiele sind für uns seit Jahren eine großartige Veranstaltung. Gerade deshalb schreibe ich diesen Leserbrief. Ich bin überzeugt davon, dass den Organisatoren gar nicht bewusst ist, wie unangenehm diese Situation für die Menschen auf den Tribünen geworden ist. Sie haben während der Veranstaltung tausend andere Dinge zu organisieren und können unmöglich jeden einzelnen Besucher im Auge behalten. Vielleicht könnte man hier mit relativ wenig zusätzlichem Aufwand etwas verbessern. Zum Beispiel könnte ab einer bestimmten Besucherzahl der Zugang zur Arena begrenzt werden: Wenn voll ist, ist voll. Oder vielleicht könnte an den Seiten der Arena jeweils eine Person stehen, die die Besucher freundlich darauf hinweist, dass die vorderen Bereiche ausschließlich für sitzende Zuschauer gedacht sind. Oder man könnte die Ansage kurz vor Beginn mit etwas Humor gestalten. Beispielsweise könnte man den Besuchern augenzwinkernd erklären: „Sitzplätze sind kostenlos – Stehplätze kosten 50 Euro.“ Vielleicht würde ein solcher humorvoller Hinweis mehr bewirken als mehrere ernste Durchsagen. Ich möchte mit diesem Leserbrief niemanden anprangern und schon gar nicht die Ritterspiele schlechtmachen. Ganz im Gegenteil. Ich wünsche mir einfach, dass eine Veranstaltung, die für Familien, Gemeinschaft und ein schönes Miteinander steht, auch genau dieses Miteinander bewahrt. Denn letztendlich geht es für mich um etwas ganz Einfaches: Was bringen wir unseren Kindern bei, wenn Rücksichtnahme und das Einhalten gemeinsamer Regeln am Ende dazu führen, dass man von denjenigen beschimpft wird, die sich nicht daran halten? Ich möchte meinen Kindern weiterhin sagen können: Es lohnt sich, Rücksicht auf andere zu nehmen. Es lohnt sich, geduldig zu sein. Es lohnt sich, sich an Regeln zu halten. Und ich hoffe sehr, dass wir das auch bei den Südtiroler Ritterspielen weiterhin erleben dürfen. Deshalb ist dieser Leserbrief nicht als Angriff gemeint, sondern als gut gemeinter Vorschlag von jemandem, der seit vielen Jahren gerne zu den Ritterspielen kommt – und das auch weiterhin sehr gerne tun möchte. Ein kleiner organisatorischer Zusatz könnte vielleicht verhindern, dass aus einem schönen Nachmittag für Familien ein unnötiger Streit zwischen Besuchern entsteht. Und dafür wären wir als langjährige Besucher sehr dankbar.

Eva Hillebrand, Naturns, 23.08.2026

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.