Leserbriefe

„Leerstand: Ein Unternehmer klagt an“ (der Vinschger, Nr. 10/11 2020)

Es mutet schon etwas eigenartig an, wenn ein Heinz Fuchs sich berufen fühlt, die Latscher so negativ darzustellen. Zuerst baut er vor den Toren der Marktgemeinde mit sehr speziellen Methoden ein Einkaufszentrum, realisiert nie, obwohl verbindlich vorgeschrieben, die geplanten Wohnungen, will sich einige Jahre später schließlich mittels eines Deals (Raumordnungsvertrag) mit der Gemeinde Latsch von dieser Bindung freikaufen, was ihm „Gott sei Dank“ nicht gelingt und will der Latscher (und Vinschger) Bevölkerung glauben machen, dass er es nur gut mit allen gemeint habe. Fuchs betreibt ca. 1 Km vom Zentrum, also nahezu auf der „Grünen Wiese“, seit über 15 Jahren das Herilu und macht nun die Latscher dafür verantwortlich, dass an manchen Häusern im Zentrum der „Putz“ runterfällt. Also sowas darf nicht unkommentiert bleiben. Es gibt kein Beispiel auf der Welt, wo ein zentrumsfernes Einkaufszentrum sich positiv auf das historische Stadt- bzw. Dorfzentrum ausgewirkt hat – die Situation ist immer dieselbe. Vom historischen Dorfzentrum fließt stetig Kaufkraft und somit Attraktivität in Richtung Einkaufszentrum. Kurzfristige Vorteile locken die Konsumenten, wie nahe und kostenlose Parkplätze, alles unter einem Dach – aber zu welchem mittel- bzw. langfristigem Preis? Ja, der Preis ist eben jener, dass im Dorfzentrum so schön langsam die Lichter schwächer werden, obwohl man den noch aktiven Latscher Kaufleuten durchaus Kreativität und ein hohes Niveau anerkennen muss. Wenn es so negativ ist, wie Sie schreiben – dann haben Sie bestimmt ihren „wertvollen“ Beitrag dazu geleistet. Deshalb, wenn Ihnen Latsch so am Herzen liegt, dann investieren Sie doch mitten im Ortskern mal richtig Geld – machen Sie es doch vor, wie es geht und miteinander gut funktionieren kann.

Dietmar Spechtenhauser, hds-Bezirkspräsident, 07.05.2020

Sehr geehrter Bischof Ivo Muser!

Die Pfarrgemeinde Schluderns hat mit ihrem Brief an Sie bereits ihr Bedauern über die Abberufung unseres Pfarrers Paul Schwienbacher zum Ausdruck gebracht. Mit diesem unserem Schreiben möchte die große Mehrheit der Schludernser Bürger dem Anliegen, ihren Pfarrer zu behalten, mehr Nachdruck verleihen. Pfarrer Schwienbacher ist hier gut verwurzelt und bei der älteren, aber auch bei der jüngeren Generation beliebt. Die Dorfgemeinschaft akzeptiert und respektiert ihn. Er betreut hier bereits 4 Gemeinden und hat genug Arbeit. Seine Abberufung trifft hier deshalb auf Unverständnis. Die Abberufung ist ein altes Machtinstrument der Kirche. Dieses sollte in unserer aufgeklärten und demokratischen Zeit nicht gegen den Willen der Glaubensgemeinschaft eingesetzt werden. Wir möchten Ihnen deshalb eine Metapher mitsenden: „Ein Herr, der seine Schafe liebt, sucht für seine Herde einen guten Schäfer. Dieser kümmert sich um seine Schafe, hält seine Herde mit aufgebautem Vertrauen und Respekt zusammen. Dieser Hirte kann auch einzelne und ‚ausgebüchste’ Schafe betreuen, ohne dass die ganze Herde reiß aus nimmt und auseinanderrennt. Würde der Herr, dem seine Schafe am Herzen liegen diesen Schäfer austauschen?“ Der gefolgsame Pfarrer Paul Schwienbacher wird seine anvertraute Herde verlassen, auch schweren Herzens wird er die neue ihm auferlegte Herausforderung annehmen. Er ist ein treuer Diener seines Herrn. Wir aber wünschen uns, dass unser Pfarrer Paul Schwienbacher nicht eine Figur auf dem Kirchenschachbrett wird, sondern das bleibt was er ist: der vertraute Hirte unserer Glaubensherde, den wir behalten möchten. Mit der eindringlichen Bitte, die Abberufung unseres Pfarrers Paul Schwienbacher im Sinne unserer Glaubensherde zurückzunehmen …

Hochachtungsvoll, die Initiatoren, die Bäuerinnenorganisation Schluderns, i.V. die Obfrau Daniela Stecher, 31 Vereine und Institutionen tragen mit ihren Zeichnungsberechtigten diese Bitte mit., 21.05.2020

Ein guter Tag für Langtaufers, ein guter Tag für das Melagtal

Die Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal ist (hoffentlich) endlich weg vom Tisch. In der heutigen Sitzung der Landesregierung wurde die geplante Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal abgelehnt. Das ist eine sehr gute Nachricht für Langtaufers und ein Gewinn für alle: Für die Bevölkerung und für einen intakten hochalpinen Lebensraum. Der Alpenverein Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Heimatpflegeverband Südtirol und die Umweltschutzgruppe Vinschgau setzen sich bereits seit Jahren dafür ein, die noch intakten Bereiche des Südtiroler Hochgebirges im Sinne der Alpenkonvention als Ruhezonen zu bewahren, auf intensivtouristische Erschließungen im Melagtal zu verzichten und auf umweltverträgliche Alternativen in Langtaufers zu setzen. Daher begrüßen die genannten Vereine und Verbände die heutige wegweisende Entscheidung im Sinne der Umwelt durch Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer und die Landesregierung ausdrücklich. Die Zukunft von Langtaufers ist ein dezentraler, umwelt- und sozialverträglicher Tourismus. Das haben die meisten Langtauferer und die Ferienregion Reschenpass schon seit längerer Zeit erkannt. Moderne Ansätze, wie ein familienorientierter Winter- und Sommertourismus und die Bewerbung als schneesichere Langlaufdestination in Langtaufers bieten langfristige Wirtschafts-Perspektiven für die lokale Bevölkerung bei gleichzeitiger Schonung der Natur- und Kulturlandschaft. Langtauferer Bürger bringen es auf den Punkt, wenn sie sagen: „Wir in Langtaufers kommen aus kleinstrukturierten bäuerlichen Verhältnissen und wissen, dass die Ruhe, die intakte Natur, das Wasser, die saubere Luft und die Stille unsere Stärken sind. Die Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal würde uns zu Befehlsempfängern degradieren. Wir hätten dadurch vom gleichen mehr und nehmen uns die Vielfalt des touristischen Angebotes.“ Die Anzahl der Skifahrer geht europa- und weltweit zurück bzw. stagniert. Dieser Trend ist seit vielen Jahren bekannt und vielfach belegt. Deshalb ist im Grunde jede Investition in eine Erweiterung bzw. in einen quantitativen Ausbau eines Skigebietes eine Investition gegen benachbarte Skigebiete. Die Landesregierung täte gut daran, dieser Entwicklung nicht nur in Langtaufers Rechnung zu tragen, sondern auch bei anderen geplanten Erweiterungen. Öffentliche Beiträge sind eindeutig besser investiert, wenn sie einen nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen Tourismus fördern und nicht skitechnische Neuerschließungen von Großinvestoren. Das Melagtal ist ein ökologisch wertvoller hochalpiner Lebensraum. Gefährdete Tierarten, wie Schnee- und Steinhuhn finden hier Brutgebiete und Lebensraum. Solche Kleinode werden in den Alpen leider zunehmend seltener. Umso erfreulicher ist es, dass Langtaufers von der Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal – zumindest vorläufig – verschont bleibt. Davon kann sich jeder bei einer Wanderung durch das Melagtal und einem Besuch in Langtaufers ein Bild machen. Und gleichzeitig den lokalen Weg eines sanften Tourismus unterstützen.

Alpenverein Südtirol, Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Heimatpflegeverband Südtirol und Umweltschutzgruppe Vinschgau, 15.04.2020

Kaunertal und Corona

Am 15. April hat die Landesregierung das sehr umstrittene Vorhaben einer „skitechnischen Verbindung des Langtauferertales mit der Zone Kaunertal“ endgültig abgelehnt. Dies ist wohl eine Sternstunde für den Schutz der Alpen im weiteren Sinne und, enger gefasst, für den Landschaft- und Naturschutz in Südtirol! So sehen es jene, die dieses Projekt von vornherein abgelehnt und jahrelang dagegen gekämpft haben. Seit Jahren schon ist das entsprechende Projekt Gegenstand von Gutachten, Gegengutachten, Beschlüssen dafür und Beschlüssen dagegen; im oberen Vinschgau haben sich zwischen Befürwortern und Gegnern zwei feindliche Lager gebildet. Die Befürworter erwarteten sich durch den geplanten Zusammenschluss einen bedeutenden, „konsistenten“ wirtschaftlichen Aufschwung für das Langtauferertal. Während die Gegner darin vielmehr eine nachhaltige Zerstörung des touristisch noch nicht überentwickelten Tales sahen, das sich vielmehr für eine Zone des „sanften“ Tourismus, im Einklang mit Natur und Mensch, außerordentlich gut anbietet. Die Landesregierung hat mit ihrer Entscheidung nun ein klares, leuchtendes Signal in diese Richtung gesendet, wofür ihr anerkennendes Lob auszusprechen ist. Ist es ein Zufall, dass diese wichtige, richtungsweisende Entscheidung jetzt, in Zeiten von Corona, gefallen ist? Corona hat von einem Tag auf den anderen dem marktradikalen Dogma unseres Wirtschaftssystems, das die gesamte Welt in festem Griff hielt, ein plötzliches Ende gesetzt, jedenfalls für eine Vollbremsung gesorgt. Die negativen Auswirkungen dieses nur auf Kapital und Gewinn ausgerichteten Wirtschaftens haben sich in den letzten Jahren mit aller Deutlichkeit gezeigt: die Klimaveränderung kann keiner mehr leugnen, in der Folge kam es vermehrt zu Naturkatastrophen, und soziale Ungleichheiten nahmen weltweit zu. Reiche wurden immer reicher, die Armen immer ärmer. Massen haben sich in Bewegung gesetzt, um am Reichtum teilhaben zu können. Warnende Stimmen und laute Proteste blieben ungehört. Greta Thunberg vielfach belächelt und durch den Kakao gezogen. Corona hat uns eines Besseren belehrt. Plötzlich steht die Wirtschaft still, Konsumieren ist nicht mehr erlaubt, Reisen auch nicht, weder per Flugzeug noch mit dem Auto, an den Grenzen sind die Schlagbäume herabgelassen. Das Virus könnte sich noch mehr verbreiten …. dem will (und muss) die Politik mit harten, folgenschweren Maßnahmen Einhalt gebieten. Diese rasante Verbreitung des Virus steht zweifelsohne in Zusammenhang mit der überhitzten Konjunktur. Frühere Pandemien wie Pest und Cholera brauchten Jahrhunderte, um von Asien nach Europa zu gelangen; heute zwei Monate! Die Touristenhochburg Ischgl scheint dem Virus auch ein wohliges Nest geboten zu haben! Das Immer-Schneller und Immer-Mehr hat sich als Bumerang erwiesen. Die (Tourismus)Wirtschaft steht im Augenblick still und wird wieder in Bewegung gebracht werden - müssen. Wir leben ja davon! Aber, soll es im gewohnten Rhythmus und Tempo weitergehen? Dürfen unsere Ressourcen, vor allem die Natur, weiterhin so ausgereizt werden? Die Landesregierung hat mit der Ablehnung der Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal eine weitere skitechnische Neuerschließung von Großinvestoren verhindert, und damit die Entwicklung in eine neue Richtung gelenkt. Nicht Skikarussell mit hunderten von Betten und riesigen Parkplätzen, sondern die Weichen dafür gestellt, dass ein Tal wie Langtaufers, noch unverbaut und landschaftlich weitgehend unberührt, den Weg einer sozialverträglichen und ökologischen Entwicklung weitergehen kann. Die Landesregierung legt ihrer Entscheidung ein sozio-ökonomisches Gutachten von Experten der Freien Universität Bozen zugrunde, wonach die Verwirklichung dieses Projektes keine eindeutig positiven Auswirkungen für das Tal und für die Region Obervinschgau gebracht hätte. Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer fügt hinzu, dass „gerade die aktuelle Situation zum Nachdenken anregt und aufzeigt, dass unberührte Natur eine wertvolle Ressource für zukünftige Entwicklung sein kann“. Damit ist alles gesagt.

Elisabeth Ladinser, Eppan, 24.04.2020

Das „ganz Andere“ ist also möglich 

Carissime/i! - Ich bin euch verwandtschaftlich und/oder freundschaftlich und/oder kollegial und/oder bekanntschaftlich verbunden und ich möchte daher einen Moment der gleichzeitigen Entschlossenheit und Ratlosigkeit mit euch teilen, den ich gegenwärtig durchlebe.  Schon vor der Corona-Krise waren die verschiedensten Signale unübersehbar, die uns aufzeigten, dass unsere Gesellschaft einer grundlegenden Neu-Ausrichtung bedarf, um kommenden Generationen eine wünschbare Zukunft möglich zu machen.  Die Corona-Krise hat wie ein Brennglas viele sonst im Verborgenen wirkende Sachverhalte deutlich gemacht; sie zeigt uns unsere individuelle und kollektive Verletzlichkeit, sie zeigt uns aber auch auf, dass unser sonst wie selbstverständlich und unabänderlich dahinfließendes Alltags-Leben das Ergebnis von bewusst oder unbewusst getroffenen Vereinbarungen ist, die – wie es jetzt geschehen ist – auch verändert, ausgesetzt, neu formuliert werden können. Das „ganz Andere“ ist also möglich.  Viele Menschen haben diese Phase des Stillstands als auch willkommene Chance, nachzudenken empfunden; die unvorhersehbare Zwangspause als Prüfstein für das wirklich Zählende im Leben zu sehen, war und ist ein häufig gehörter Appell. In Kolumnen, Rundmails und Petitionen wird gefordert, jetzt endlich die Zeichen der Zeit zu verstehen und zu handeln – bestimmt von umfassendem Verantwortungsgefühl, von Vernunft, von… Liebe.  Den Wunsch nach einer Veränderung in diesem Sinne trage ich schon lange in mir, in stetem dissonantem Zusammenklang mit dem eingangs erwähnten Gefühl der Ratlosigkeit:  Wie könnte es bloß zu schaffen sein, die vielen Stimmen zu bündeln, die sich jetzt gegen ein gedankenloses „Wiederhochfahren“ des Bisherigen aussprechen und den Aufbau eines gerechteren, „ganzheitlicheren“ (ich weiß…) und deshalb zukunftsfähigen Systems fordern? Wie könnte man diese vielen Einzelnen mithin für die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Entscheidungsträger*innen als relevante Größe erfahrbar machen, mit der sie „zu rechnen haben“?  Denn – es zeichnet sich überdeutlich ab – der Druck von bisher maßgeblichen Kräften, zum Status quo ante zurückzukehren, wird massiv werden. Die Verzweiflung der Vielen, die sich durch den wirtschaftlichen Stillstand um ihre (Über-)Lebensgrundlage sorgen, lässt sich hervorragend als Treibstoff für die eigene Sache nutzen, die soziale Unsicherheit lässt sich durch gezielte Impulse ebenso hervorragend zu sozialen Unruhen befeuern. Solche Szenarien dürften die visionäre Kraft und die Innovationsfreude auch entscheidungsstarker Politiker*innen wohl maßgeblich lähmen.  Dieser Wucht des „ewig Gleichen“ (und deshalb noch lange nicht Guten) wüsste ich nur eine zu gründende Meta-Organisation entgegenzustellen, unter deren Dach sich alle Sub-Organisationen, Vereine, Bewegungen, Kreise, Einzelne zusammenschließen könnten, die „guten Willens“ sind, um ihren Änderungswünschen Nachdruck zu verleihen (1) Oder – und dieser zweite Ansatz sei hiermit versucht – eine Graswurzelbewegung, die zarte Keimlinge im Verwandten-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis ausbildet und löwenzahnsamenartig weiterträgt, wenn du und Sie und wir und sie in unserem Umfeld so beständig,  zäh und vital wie eben der Löwenzahn für eine gerechtere, menschen-, tier-, und naturwürdigere Zukunft einstehen. Unser Wollen, Tun und Streben soll unübersehbar deutlich machen, dass eine andere Zukunft möglich ist – und eine unveränderte Zukunft nicht! (1) Dass wir unsere einzelnen Änderungswünsche in gleicher Dringlichkeit verspüren, kann ich dabei nicht voraussetzen. Nicht alle von euch werden es ohne Weiteres z. B.– so wie ich – als völlig inakzeptabel empfinden, dass lieb- und verantwortungslos Lebensmittel produziert und konsumiert werden, in deren Textur das Leid von Tieren, das Darben ausgelaugter Böden, die Freudlosigkeit der Produzenten und der allein auf Gewinnmaximierung gerichtete Stumpfsinn des Handels eingewoben ist. 

Thomas Strobl, Schlanders,, 26.04.2020

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut

Die Anschuldigungen im Leserbrief der Ärztinnen („Ärztlicher Appell“ im der Vinschger Nr. 14/15 2020) entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage und müssen wohl unter der Kategorie „Panikmache“ geführt werden. Es liegen keine wissenschaftlichen Belege dafür vor, dass es einen Zusammenhang zwischen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Atemluft bzw. den menschlichen Körper und einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gibt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft ist notwendig, um die Produktion unserer Nahrungsmittel zu sichern. Die Zulassung von Wirkstoffen erfolgt in der EU nach strengen wissenschaftlichen Kriterien und Grundsätzen. Der Südtiroler Obstbau arbeitet verantwortungsvoll und die integrierte Produktionsweise ist gesetzlich festgelegten Richtlinien unterworfen, damit der Schutz unserer Kulturpflanzen bei gleichzeitigem Schutz der Gesundheit der Anwender und der gesamten Bevölkerung erfolgt. So ist auch das Gesundheitsministerium eng in den Prozess zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eingebunden. Die gemessenen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln liegen stets weit unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten. In Bezug auf die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln sind inzwischen viele Maßnahmen getroffen worden, um die Gesundheit der Bevölkerung und der Tierwelt zu schützen und ein Zusammenleben zu ermöglichen. In der Gesetzgebung wurden etwa strenge und konkrete Abstandsregelungen und Behandlungszeiten definiert. Hinsichtlich der Reduzierung von Abdrift konnten viele Fortschritte erzielt werden, insbesondere durch die Verwendung von Injektordüsen an den Sprühgeräten, die seit dem 1. Januar 2020 in ganz Südtirol verpflichtend sind. Durch diese Maßnahme kann die Abdrift um 50 bis 90 % vermindert werden. Das wissenschaftliche Prinzip der integrierten Produktion verlangt eine konstante Verbesserung, an der Forschung und Praxis auch in Südtirol arbeiten. Die Abdriftreduktion ist ein Beispiel und weitere Herausforderungen stehen an. Die gegenwärtige Coronakrise macht uns eine Parallele deutlich: Was jetzt fehlt, ist ein wirksames Medikament oder ein Impfstoff gegen den Erreger Sars-CoV-2. Auch diese müssen vor ihrem Einsatz wissenschaftlich geprüft werden, und ihr Einsatz muss sorgfältig abgewogen werden. Frei von Nebenwirkungen werden sie nicht sein – so etwas gibt es in der Natur nicht. Wir brauchen Medikamente und Pflanzenschutzmittel, um Schlimmeres zu verhindern. Was geschehen kann, wenn diese nicht zur Verfügung stehen, erleben wir in diesen Wochen.

Michael Oberhuber, Direktor Versuchszentrum Laimburg, 27.04.2020

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