Leserbriefe

Keine Leserbriefe gefunden

Nicht textile Teile tierischen Ursprungs

Eigentlich sollte man sich ja über gar nichts mehr wundern, vor allem nicht über die Dummheit und Ignoranz der Menschen, denn die ist ja bekanntlich erwiesen. Und doch habe ich mich gewundert über die Aussagen einer Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft. Auf meine Frage, ob der Pelz an der Mütze echt sei, was er mit Sicherheit war, bemühte sie sich, besagte Mütze genauer zu inspizieren, konnte mir aber keine zufriedenstellende Auskunft geben. Ich deutete schließlich auf eine Jacke und fragte, ob der Pelz an der Kapuze echt sei, was er unübersehbar war, und die Verkäuferin schüttelte energisch den Kopf: „Nein, doch nicht bei diesem Preis!“ Sie nahm die Jacke genauer in Augenschein und fand schließlich auch das Etikett auf welchem in Deutsch geschrieben stand: „Nicht textile Teile tierischen Ursprungs“. Also doch! Oder doch nicht? Die Verkäuferin war sich nun sicher: die Jacke enthielt keine Teile tierischen Ursprungs. So stehe es deutlich auf dem Etikett. Zwar unternahm ich noch einige Versuche, ihr die Bedeutung der Kennzeichnung begreiflich zu machen, doch sie blieb stur. Mir blieb also nichts anderes übrig, als kopfschüttelnd das Geschäft zu verlassen. Ich möchte die bemüht freundliche Verkäuferin nicht als dumm bezeichnen, doch ihre Scheuklappen waren unübersehbar. Viele Menschen tragen Pelz, noch immer. Nicht in Form von kostbaren Pelzmänteln, sondern als Bommel an Mützen, an Schuhen und vor allem an Jacken und Mäntel. Ich bin mir sicher, dass viele nicht wissen, dass sie echten Pelz tragen und welches enorme Leid für Hunde, Katzen, Kaninchen, Marderhunden damit verbunden ist. Einige dieser Konsument/innen sind kritischer als andere, informieren sich, denken und fragen nach. Sie fragen auch bei Verkäufer/innen nach, die Fachleute wenn es um Bekleidung geht, die Expert/innen, die uns bei Modefragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch ausgerechnet jene punkten dann nicht gerade mit Kompetenz. Wissentlich oder nicht, das sei dahingestellt, geben sie uns falsche oder unzureichende Informationen. Zum wiederholten Mal habe ich festgestellt, dass Verkäufer/innen und Inhaber/innen von Bekleidungs- und Schuhgeschäften leider wenig Bescheid wissen über die Herkunft und Zusammensetzung ihrer Waren, im Besonderen wenn es um tierische Materialien geht. Kaum jemand weiß – oder gibt gerne zu, dass echter Pelz dahinter steckt, weiß, dass dieser Pelz niemals artgerecht geerntet werden kann - kein Tier lässt ja freiwillig seine Haut, weiß, welche Grausamkeiten sie damit unterstützen. Milliarden von Tieren werden wegen der Pelzbesätze an Jacken getötet, und trotzdem werden so leichtfertig falsche Auskünfte gegeben?! Mein Rat an alle Konsument/innen: Vertraut nicht vorbehaltlos auf die Aussagen so genannter Expertinnen und Experten! Besinnt euch an euren Hausverstand, seid kritisch und skeptisch! Seid ihr unsicher bezüglich der Echtheit von Pelzen an diversen Kleidungsstücken und Accessoires, lasst lieber die Finger davon! Und an euch liebe Expertinnen und Experten: Seid euch eurer Verantwortung bewusst, nehmt euch die Zeit und macht euch schlau, was wirklich hinter Pelz, Leder oder Wolle steckt! Zum Beispiel unter www.peta.de findet ihr alles Wissenswerte zu den Themen.

Ellen Schuster, Schlanders, 21.11.2019

Filmproduktion in Graun

Mehr als 160 Millionen Abonnenten nutzen das reiche Angebot an Serien und Filmen von Plattformen wie Netflix weltweit. Filmproduktionen bedeuten einen Riesenaufwand. Das Entstehen einer solchen Filmserie erlebten einige Bewohner aus Graun im September mit, sei es tagsüber als auch in der Nacht. An mehreren Tagen drehte eine Filmcrew mit über 100 Beteiligten Szenen auf und um den Kirchplatz, in der Kirche, auf dem Friedhof und an anderen Orten im Oberland. Der Turm im Wasser, unser Denkmal, war ebenso für einen Trailer und für verschiedene Filmszenen von zentraler Bedeutung. Die Genehmigung von der Gemeinde und der Diözese war da. Die Bürgerinnen und Bürger Grauns wurden informiert. Während der Dreharbeiten fühlten sich einige wohl etwas fremd im eigenen Dorf. Viele Bewohner aus Graun gingen oder fuhren mit fragenden Blicken am Geschehen vorbei oder beobachteten erstaunt das Getümmel und die Unruhe auf dem Kirchplatz und auf den Straßen, wie beispielsweise Hunderte von brennenden Grabkerzen entlang der Straße, vermummte Menschen, eine brennende Holzpyramide neben der Kirche in der Nacht, und weitere nicht alltägliche Aktionen. Geduld, Entgegenkommen und Toleranz für die Dreharbeiten und Einschränkungen zeigte die Bevölkerung von Graun in großem Maße. Gespenstisch, beunruhigend, mysteriös. Aber das erzeugt wohl die Spannung, das Geheimnisvolle, Mystische in der Serie, die Netflix ausstrahlen will. Diese macht Graun, oder laut Filmtitel, „Curon“, zu einem „norditalienischen Dorf“, wie es auch im Internet zu lesen ist. Da stellen sich schon einige Fragen, was mit Altgraun, mit Graun, mit dem Oberland geschieht. Denn mit Altgraun oder mit der Seestauung hat die erfundene Geschichte nichts zu tun, außer dass der Turm wieder als stiller Akteur für Werbezwecke benutzt wird. Der Zusammenhalt und die Entwicklung für die Wirtschaft in der Gemeinde Graun sind sehr wichtig. Das Oberland ist auf einem guten Weg. Aber diese Art von Werbung kann auch Nachteile bringen, wie sich an anderen Orten in Südtirol schon gezeigt hat. Denn sicher lockt diese Filmserie Touristen an. Die beim Turm halten, schnell ein Foto machen, etwas trinken und dann weiter fahren. Aber das Oberland braucht längere Aufenthalte der Gäste, mehr Nächtigungen. Und nicht mehr Verkehr.

Paulmichl Valentin, Graun, 22.11.2019
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.