Leserbriefe

Sexismus

Es gibt derzeit keine Nachrichtensendung, keine Zeitung und kein anderes Medium, wo nicht über sexuelle Belästigung berichtet wird. Sexismus lautet das Schlagwort. Der inflationäre Gebrauch dieses Begriffs macht die Problematik schon wieder zur Banalität und das ist schade. Die Thematik ist zu ernst, um damit leichtfertig umzugehen. Neben den begründeten und berechtigten Anklagen dieser Tage steht uns anscheinend eine „Belästigungswelle“ ungeahnten Ausmaßes bevor. Nur, was ist Empörung und was ist Heuchelei? Sind jene glaubwürdig, die eine seit Jahren anhaltende provokante und hemmungslose Sex-zur-Schau-Stellung in Medien und Gesellschaft stillschweigend akzeptiert, gefördert und damit gut verdient haben? Keine Frage, sexuelle Belästigung – welcher Art auch immer – darf nicht gesellschaftsfähig werden. Die Diskussion darf aber auch nicht missbraucht werden, um andere brandaktuelle Themen ins Abseits zu stellen.

Pius Leitner, Vahrn, 07.11.2017

Pestizidproben auf Südtiroler Kinderspielplätzen 2017 - Offener Brief an die Landesräte Martha Stocker und Arnold Schuler

Bereits seit einigen Jahren weist die Umweltschutzgruppe Vinschgau darauf hin, dass sensible Zonen im Vinschgau, wie Kinderspielplätze, Schulhöfe, Sportanlagen u. a. mit Pestiziden kontaminiert sind. Am 20. Oktober 2017 wurde eine vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Auftrag gegebene repräsentative Studie in Bozen vorgestellt. Die Fragestellung der heuer durchgeführten Studie lautete: „Sind auf Grasflächen von Kinderspielplätzen im Obstbaugebiet Südtirols in der Hauptspritzzeit Pestizide nachweisbar?“ Zum Untersuchungsgebiet gehörten die Tallagen von Mals bis Salurn, sowie das mittlere Eisacktal. Aus den 125 öffentlichen Spielplätzen des Untersuchungsgebietes wurden nach dem Zufallsprinzip 71 ausgewählt. Aufgrund des angewandten Untersuchungsdesigns gilt das Ergebnis für sämtliche Spielplätze im Untersuchungsgebiet: 45% aller Spielplätze im Obstbaugebiet Südtirols waren im Moment der Untersuchung kontaminiert, 14 Wirkstoffe wurden gefunden. Besonders dramatisch ist die Situation im Vinschgau, wo 76% aller Spielplätze in den Tallagen zwischen Mals und der Töll mit Pestiziden belastet sind. Die Reaktionen des Südtiroler Gesundheitsbetriebes und des Landesrates Arnold Schuler sind nicht nachvollziehbar: Auf Südtirols Kinderspielplätzen gibt es keine gefährlichen Pestizide - Gras ist nicht zum menschlichen Verzehr vorgesehen, die festgestellten Mengen sind minimal und nicht Gesundheit gefährdend. Wenngleich Gras nicht gegessen wird, so berührt ein Kind das Gras, die Spielgeräte, den Sand mit seinen Händen. Sobald das Kind seine Hände in den Mund steckt, kommt es mit den Pestiziden direkt in Kontakt. Das Eindringen von Pestiziden über Lunge und Haut und die damit verbundenen Risiken wurde wenig untersucht. Bislang wurde das Risiko von Pestiziden v. a. auf der Basis von Studien mit oraler Verabreichung bewertet. Wir ersuchen Sie um Beantwortung folgender Fragen: Wieso sind möglich hormon-schädigende (das gilt für 71% der 14 gefundenen Wirkstoffe) und irreversibel die Fortpflanzung schädigende Wirkstoffe für Südtiroler Kinder und Eltern nicht gefährlich? Wie können die Verantwortlichen garantieren, dass die im Gras gefundenen Wirkstoffe sich nicht in der Luft befinden, die eingeatmet wird? Wie wird mit Kombinationseffekten sogenannter Cocktailmischungen, die wissenschaftlich noch ungeklärt sind und bislang nicht Bestandteil der Risikobewertung bei der Zulassung von Pestiziden sind, umgegangen? (58% der Proben mit Pestizidrückständen waren mehrfach belastet) Ab welcher Menge geht von den gefundenen Wirkstoffen in Kombination eine Gefahr für die Gesundheit aus? Auf welchen wissenschaftlichen Fakten beruhen obgenannte Aussage des Südtiroler Sanitätsbetriebes und des Landesrates Schuler?

Eva Prantl, Vorstand der Umweltschutzgruppe Vinschgau, 01.11.2017

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