Leserbriefe

Nachruf

Er war ein Kleinod, ein ruhiges und mitunter lauschiges Plätzchen - nebenan die Hektik - der Busbahnhof! Wir erinnern uns an den kleinen öffentlichen Zinshauspark, der nicht mehr ist! Jugendliche trafen sich dort, um miteinander zu reden, geschützt vor den all zu neugierigen Blicken der Erwachsenen in der Abenddämmerung. Andere wiederum besuchten ihn tagsüber, setzten sich auf die Parkbänke und schleckten genüsslich ihr Eis. Wie viele Mütter haben seine Ruhe genossen und dabei ihren Kindern beim Herumtollen und Spielen zugeschaut. Hutschen konnte man übrigens dort auch! Gemütlich und ruhig war dieses Plätzchen mit hohen Bäumen, die Frieden und Sicherheit vermittelten. Immer hatte der Park zum Verweilen eingeladen, auch wenn die Zeit drängte und knapp war. Es war jedes Mal ein Genuss, ihn zu durchschreiten. Und nun gibt es ihn nicht mehr! Schlimm, wenn eine Gemeindeverwaltung nicht den Wert solcher Kraftorte mit Entspannungscharakter in einem Dorf erkennt. Wenn sie achtlos der Bevölkerung weggenommen werden, wenn eine solche grüne Insel inmitten eines urbanen Zentrums, ein Juwel, einfach so verkauft wird, an ein Hotel mit Privatinteressen? Es bleiben nur noch Empörung, Ohnmacht und Unverständnis zurück!

Christine Hainz, Schlanders, 08.06.2017

„Fadenscheinige Argumente für eine mehr als ­fragwürdige Lösung“

Der Gemeinderat von Partschins hat am 30. Mai den Einwand der Bürgerinitiative Rabland gegen die Eintragung einer oberirdischen Umfahrung in den Gemeindebauleitplan abgelehnt. „Die Ablehnung kommt nicht überraschend, trotzdem sind wir enttäuscht, dass die Gemeinde die Gesamtuntertunnelung nicht einmal mehr in Betracht zieht und fadenscheinige Argumente für die oberirdische Variante findet“, heißt es seitens der Bürgerinitiative. Mit der Entscheidung für eine oberirdische Umfahrung, 100 Meter vom Dorfzentrum von Rabland entfernt, sei die Gemeinde Partschins drauf und dran, eine Jahrhundertchance zu verspielen. „Mit einer Gesamtuntertunnelung des Dorfes könnte man das Verkehrsproblem in Rabland ein- für allemal lösen, mit der oberirdischen Variante werden noch Generationen belastet“, so die Bürgerinitiative, die daher Einspruch gegen die Entscheidung der Gemeinde für die oberirdische Trasse erhoben hatte. Dieser wurde vom Gemeinderat abgelehnt. „Liest man die Argumente, die die Gemeinde für die oberirdische Umfahrung vorbringt, erkennt man, dass es vordergründig nur zwei sind: die Bewertungsmatrix und nebulöse Bedenken des Landes“, heißt es aus der Bürgerinitiative. So werde immer wieder angeführt, dass die Gesamtuntertunnelung „vom Land nicht unterstützt“ werde. „Da muss man sich fragen, ob der Gemeinderat die Aufgabe hat, die Interessen des Landes gegenüber den Bürgern zu vertreten oder doch eher jene ihrer Bürger gegenüber dem Land.“ Fast 1.000 Rablander haben sich mit ihren Unterschriften für eine Gesamtuntertunnelung ausgesprochen: „Sehr viel klarer kann der Auftrag der Bürger an ihre Gemeinde nicht sein“, so die Bürgerinitiative. Gegen den Tunnelwunsch der Rablander wird von der Gemeinde vorgebracht, dieser sei technisch nicht machbar. „Renommierte Tunnelbauexperten sagen genau das Gegenteil: die Gesamtuntertunnelung ist machbar, eine Verlängerung des Tunnels der oberirdischen Trasse – wie von der Gemeinde in Aussicht gestellt – wegen des hohen Grundwasserspiegels aber nicht“, so die Vertreter der Bürgerinitiative. „Es bleibt also bei einem Tunnelportal, das gerade einmal 70 Meter von einer Wohnsiedlung entfernt errichtet wird.“ Der Tunnel in diesem Bereich unterlaufe nahezu die Keller der direkt anliegenden Wohnhäuser. „Deren Eigentümer wurden bis dato weder durch die Gemeindeverwaltung, noch durch den beauftragten Techniker ausreichend aufgeklärt.“ Bei der Bewertung der Varianten – übrigens kommt dabei nie die durch externe Experten und jene des Landes optimierte Tunnelvariante zum Zug, sondern immer eine vom Land vorgeschlagene Trasse mit einem verkürzten Tunnel – stützt sich die Gemeinde auf eine von einem regelmäßig für die Gemeinde tätigen Ingenieur ausgearbeitete Bewertungsmatrix. „Wer sich diese Matrix genauer ansieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus“, heißt es von Seiten der Bürgerinitiative. So werde die Auswirkung der oberirdischen Trasse auf die Lärmentwicklung im Dorf als „neutral“ bewertet. „Neutral? Eine offene Schnellstraße in 100 Metern Entfernung zum Dorfzentrum?“, fragt sich die Bürgerinitiative. Ebenso „neutral“ wird der Eingriff ins Ortsbild bewertet. „Es wundert uns, wie man zu einer solchen Einschätzung kommen kann, wenn man sich vor Augen hält, dass eine neue Straße unmittelbar neben dem Dorf quer durch den Kulturgrund schneidet, an manchen Stellen sogar wegen des Grundwassers auf einem erhöhten Damm – Tunnelportale und Betonwände inklusive.“ Und als „neutral“ hat der Ingenieur die oberirdische Trasse schließlich auch in Sachen Verbrauch von Siedlungsflächen bewertet. „Bei überschlägig 30.000 Quadratmetern Flächenverbrauch, also rund viereinhalb Fußballfeldern, ist das eine – sagen wir einmal – gewagte Einschätzung“, so die Bürger­initiative. Sie kündigt an, ihren Widerstand gegen eine oberirdische Trasse fortzusetzen. „Wir wissen die übergroße Mehrheit der Rablander auf unserer Seite und fühlen uns unseren Kindern und Kindeskindern verpflichtet. Das ist für uns das Argument, das zählt – und nicht die Tatsache, dass das Land eine Untertunnelung angeblich ,nicht will‘“, so die Bürgerinitiative.

Bürgerinitiative Rabland, 31.05.2017
Vinschger Sonderausgabe

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