Leserbriefe

Aufarbeitung der Corona-Pandemie

Laut Koalitionsprogramm will die Landesregierung die Covid-19-Pandemie und all die Maßnahmen von 2020 bis 2023 aufarbeiten. Das ist zu begrüßen. Es wird wohl ein schwieriges Unterfangen werden. Mit der Untersuchung und Bewertung all der Restriktionen und Regelungen dürfen aber nicht jene beauftragt werden, die sich alles ausgedacht und die harten Maßnahmen bis zur Impfpflicht verordnet und durchgeführt haben, auch nicht jene, die unkritisch mitgemacht und zugeschaut haben. Es wäre ähnlich, wie wenn ein Missetäter selbst ermächtigt würde, sein eigenes Gerichtsurteil zu verfassen und das Ausmaß der Strafe festzulegen. Ohne Rehabilitation jener, die ausgegrenzt und verunglimpft worden sind, vor allem jener, die vom Arbeitsplatz entlassen und zu Unrecht bestraft worden sind, wird es nicht möglich sein, wieder eine elementare Vertrauensbasis zur öffentlichen Verwaltung, inklusive Gesundheitsbehörde, zur Justiz und auch zu den Medien herzustellen. Eine öffentliche Entschuldigung wäre ein erster kleiner Schritt. Johannes Fragner-Unterpertinger (Mals), Sepp Kusstatscher (Villanders), Arno Teutsch (Leifers), 25.05.2024 Geschätzte SanitätIch bedanke mich für die Behandlung in den Krankenhäusern. Es geht mir jetzt wieder besser und ich bitte um Verständnis, wenn ich überzogen reagiert habe. Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

Rosmarie Gander, 29.05.2024

Gedanken zum Schwimmbadbau in Graun

In Graun hat Ende März der Bau des neuen Hallenbads mit Saunalandschaft und Gastronomiebetrieb begonnen. In einer Gemeinde mit rund 2.400 Einwohnern, in einem politischen Bezirk mit nur 35.000 Einwohnern. Rechnet man noch die Gemeinden Naturns, Plaus und Partschins hinzu, dann hat der geografische Bezirk Vinschgau in etwa 45.500 Einwohner. Auf diese Zahl kommen aktuell 3 öffentliche Hallenbäder mit Saunastrukturen, zukünftig 4. Kein Bezirk in Südtirol hat dann eine höhere Dichte an solchen Anlagen. Keine „Hallenbad-Gemeinde“ in Südtirol, es gibt insgesamt 14, hat weniger Einwohner als Graun im Vinschgau. Und bei weitem handelt es sich dabei nicht um strukturschwache oder touristisch unterentwickelte Kommunen. Wenn man den Radius für das Projekt in Graun etwas weiter steckt, dann muss man natürlich auch noch die Grenzgemeinde Nauders miteinbeziehen. Hier wohnen rund 1.600 potentielle Schwimmer- und Saunagängerinnen. Natürlich wird auch die naheliegende Schweiz eine Rolle bei den Besucherzahlen spielen. Zählt man zur Vollständigkeit auch die Anzahl der Gästebetten der „Kirchturm-im-See-Ferienregion“ und jener der „Oberländer“ zusammen, ergeben sich rund 7.200 Betten, wobei auf die Gemeinde Graun nur rund 3.000 Betten entfallen. Natürlich ist die Ferienregion Reschenpass, mit rund 418.000 Nächtigungen im Jahr 2022, die stärkste Tourismusregion im sonst schwachen Vinschgau. Vergleicht man die Zahlen z.B. mit Innichen (3.405 Einwohner/573.000 Nächtigungen) erklärt sich mir nicht, wieso im tourismusstarken und bevölkerungsreicheren Pustertal nicht auch 4 öffentliche Hallenbäder zu finden sind (Innichen hat nach einer längeren Schließungszeit erst seit kurzem, durch Unterstützung des Tourismusvereins, wieder geöffnet)? Man muss sich immer im Klaren sein, dass solche öffentlichen Strukturen nie kostendeckend zu betreiben sind, sondern immer auch eine Belastung für die jeweiligen Gemeindeverwaltungen, sei es im laufenden Betrieb, als auch bei Investitionen, darstellen. Während andere Gemeinde um die Fortführung oder Wiedereröffnung ringen, wird hier eine neue Struktur gebaut, bei der zuvor immer von einer 7 Millionen Euro Baukostengrenze gesprochen wurde, aktuell aber von 12 Millionen die Rede ist und ich bezweifle, dass diese eingehalten werden kann. Generell stellt sich mir die Frage nach der konzeptionellen Ausrichtung des Hallenbads in Graun. Auf den Plänen der Machbarkeitsstudie ist das 25-Meterbecken in Kombination mit einem Strömungskanal eingezeichnet. Wurde hier bedacht, dass Sportbecken eine Wassertemperatur von 27-28 Grad haben sollten und Erlebnis-/Familienbecken eine Wassertemperatur von 31-33 Grad? Hallenbäder sind natürlich wichtige Infrastrukturen. Neben Einheimischen und Touristen sind sie auch für den Schul- und Vereinssport von großer Bedeutung. In weniger als 20 Minuten Fahrzeit, in Mals, steht ein Schwimmbad, dem mit Sicherheit eine Sanierung und Umgestaltung gut tun würde. Vor Jahren fand dieser Wunsch auch über den Bürgerhaushalt, unter dem ehemaligen Bürgermeister Ulrich Veith, seinen Ausdruck. Man hätte die Chance nutzen sollen, um ein gemeindeübergreifendes Projekt zu schaffen. Ein Projekt, wie es in Südtirol bisher kein vergleichbares gibt; bei dem bei Bau, Instandhaltung und Führung über die Gemeindegrenzen hinaus gedacht wird. Ein Projekt, das es vermeidet, innerhalb weniger Kilometer eine Konkurrenzsituation zu schaffen, sich Gäste streitig zu machen und nebenbei auch noch als nachhaltig verkauft werden kann. Da diese Chance leider verpasst wurde, wird es Verlierer geben; und dieser Verlierer wird in erster Linie sicher das Hallenbad in Mals sein, das seinen Gästen im Winter keine Rutschbahn oder ähnliches bieten kann. Es bleibt zu hoffen, dass auch das Hallenbad in Graun erfolgreich geführt werden kann und es sich nicht nur um ein Projekt handelt, das von der Politik auf „Druck“ umgesetzt wird. Mögen die Parkplätze auch weiterhin von den „Gemeindeauswärtigen“ so gut genutzt werden, damit die Einnahmen für den Führungsbeitrag der Anlage reichen werden (denn wer sagt, dass das Land auch weiterhin Geldmittel für den Betrieb zur Verfügung stellt?). Denn wie kosten-, personal- und organisationsintensiv eine Struktur dieser Größe ist, wird die Gemeinde Graun und auch die Schöneben AG erst merken, sobald das Hallenbad für einige Zeit geöffnet ist. Also dann, bis es an der Grenzgemeinde heißt „Wasser marsch“ oder „gut schwitz“.

Name der Redaktion bekannt, Graun, 28.04.2024
Vinschger Sonderausgabe

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