Leserbriefe

Endlosthema „Doppelpass“

Angeregt vom Leserbrief des Herrn Luis Pixner aus Kastelbell-Tschars, mein Beitrag zur gerechteren Geschichtsbewältigung. Die Vorstellung, man könnte mit der Staatsbürgerschaft Österreichs das Unrecht gegen Südtirol wieder gut machen, ist mehr als fragwürdig und eher ein Vorwand für die revanchistische Politik einiger unverbesserlichen patriotischen Kreise Südtirols. Wohl wissend wessen Wurzeln ich entstamme und welches - vor allem kulturelles - Unrecht gegen Südtirol begangen wurde, sehe ich mich veranlasst hinzuweisen, dass wir Südtiroler nicht nur alles unschuldige Opfer mit einer blendend weißen Weste sind. Während der kurzen Zeit der deutschen Besatzung in Italien gab es den SOD (Südtiroler Ordnungsdienst), bestehend aus fanatischen Nazianhängern. Wie viele Morde und Unrechtmäßigkeiten diese Organisation begangen hat, wäre noch aufzuarbeiten, sofern das heute noch möglich ist. Fest steht, dass während diesem kurzen Zeitraum im letzten Kriegsjahr in Südtirol weitaus mehr Menschen, darunter auch Südtiroler, ums Leben kamen als während der gesamten Jahre der faschistischen Unterdrückung. Zur Erinnerung: kurz vor Kriegsende, die deutsche Wehrmacht war auf dem Rückzug vor den anrückenden Amerikanern, wurden bei Laas willkürlich 12 italienische Arbeiter erschossen, angeblich von einer SS-Einheit, jedenfalls durch Verrat von Südtiroler Seite, sehr wahrscheinlich durch den SOD. Selbst das faschistische Italien hat während der gesamten Jahren der Unterdrückung keine 12 Südtiroler erschossen oder erschießen lassen. Bei allem Verständnis was unsere Vorfahren in jener Zeit erlitten haben, kann dies niemals die Ermordung von Menschen rechtfertigen. Nie enden wollende ungerechte, einseitige Schuldzuweisungen gegen Italien sind kein Beitrag für ein friedliches, wohlhabendes, einmalig schönes Südtirol.

Walter Pöder, Naturns, 21.01.2018

Zur Stellungnahme Stolz auf unsere Bauern

In einem gemeinsamen Leserbrief (in der Vinschger vom 18.01.2018) teilen die Bürgermeister von Laas, Schlanders, Latsch, Kastelbell-Tschars und Martell in Anspielung auf das Interview des Malser Bürgermeisters im Reisemagazin GEO Saison den Einheimischen und Gästen mit, dass sie keine Begründung sehen von Spaziergängen in Obstanlagen abzuraten. Die Aussage des Bürgermeisters Ulrich Veith: („ ... in den Tälern mit den Apfelmonokulturen würde ich niemandem empfehlen, wandern zu gehen“) ist die logische Folge der Warnhinweise, die die Herstellerfirmen von Pestiziden selbst in ihren Sicherheitsdatenblättern geben. So gibt die Herstellerfirma im Sicherheitsdatenblatt zum Wirkstoff Fluazinam (Quelle: ital. Gesundheitsministerium) folgende Warnung ab: „Kann das Kind im Mutterleib schädigen, kann allergische Reaktionen verursachen.“ Der Anwender wird aufgefordert das behandelte Grundstück nicht innerhalb von 24 Stunden nach der Behandlung wieder zu betreten. Fluazinam ist der Wirkstoff, der in der heuer durchgeführten Studie des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz (DVN) auf Südtirols Spielplätzen am häufigsten gefunden wurde. Der Anwender selbst kennt somit die Gefahr und kann sich dementsprechend verhalten. Wer von den Einheimischen und Gästen ist in Kenntnis davon, welches Grundsstück in welchem Zeitraum mit welchem Wirkstoff behandelt wurde? Wohl niemand. Daher sind Einheimische und Gäste darauf angewiesen von Amtspersonen vor Gefahren gewarnt zu werden. Gemäß Art. 32 der italienischen Verfassung ist der Schutz der Gesundheit ein fundamentales Recht des Individuums. Die Gemeindeordnung der Autonomen Region Trentino - Südtirol sieht vor, dass der Bürgermeister Maßnahmen auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit ergreift. Bürgermeister Ulrich Veith ist durch die abgegebene Empfehlung seiner Verpflichtung als Bürgermeister nachgekommen. Anscheinend sind sich obgenannte Bürgermeister der Tragweite ihrer Aussage nicht bewusst. Mit ihrer Entwarnung schlagen sie nicht nur die Warnhinweise der Herstellerfirmen und des italienischen Gesundheitsministeriums in den Wind, sondern kommunizieren nach außen, dass sie ihrer Verpflichtung Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren zu schützen nicht nachkommen. Unverständlich ist ihre Aussage auch im Hinblick auf das Ergebnis der heurigen Studie des DVN, wonach zwischen Schlanders und Partschins 92% der Kinderspielplätze mit Pestiziden kontaminiert sind. Geben die Bürgermeister auch dort Entwarnung? Im Übrigen sind auch wir stolz auf die Leistungen der Bauern, wohl wissend, dass der Großteil von ihnen auch Opfer dieses unheilsamen Systems geworden ist.

Der Vorstand der Umweltschutzgruppe Vinschgau, Vinschgau, 22.01.2018

Johannes Fragner-Unterpertinger – Mein Kopf des Jahres

Die Malser Initiative für eine pestizidfreie Gemeinde hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, welche einmalig ist. Nach dem Grundsatz, dass Gesundheit wichtiger ist als kurzfristiges Gewinnstreben, hat sie ein Nachdenken in weiten Kreisen der Bauern, aber auch der gesamten Bevölkerung angeregt. Nicht nur in Mals selbst, sondern in ganz Südtirol und auch international findet der Malser Weg Beachtung. Die Ankündigung von LR Schuler, seinen Hof teilweise auf biologische Produktionsweise umzustellen, ist vielleicht auch auf diese Initiative zurückzuführen. Dies hat sicherlich eine zusätzliche positive Signalwirkung. Aus diesen Gründen ist Johannes Fragner-Unterpertinger, der Sprecher des Promotorenkomitees der Volksabstimmung für eine pestizidfreie Gemeinde Mals, für mich der Kopf des Jahres. Ich wünsche ihm weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen auf seinem Weg. Er möge sich auch in Zukunft nicht durch unqualifizierte Zurufe einzelner Personen, welche die Zeichen der Zeit nicht erkennen, beeinflussen lassen.

Hanns Fliri, Naturns, 16.01.2018

Die Kürbis-Geschichte

Mit einer neuen 76-jährigen Bürgerin zog auch ein Kürbis von Brandenburg im Oktober 2017 nach Prad. Er erhielt seinen Platz in der OK-Bar-Agums. Nicht nur als „Deko“ sollte er dort stehen und so fiel uns ein, sein Gewicht von unseren Gästen schätzen zu lassen. Viele schätzten fleißig und gaben ihren Tipp ab. Als Siegerprämie winkte eine Maß Bier und ein Wies´n-Herz. Der Erlös sollte einem guten Zweck/ einer bedürftigen Familie gespendet werden. Ein Vorschlag kam von unseren Gästen, den wir gern angenommen haben. Beim Oktoberfest wurde fleißig weiter geschätzt und unser „Jos“ tippte auf das Gramm genau – 28,9kg brachte der Brandenburger Kürbis auf die Waage. Aber damit nicht genug – Jos „schlachtete“ ihn aus und schnitzte ihn, so dass er als Weihnachtsdeko in unserer Bar stand. Das Kürbisfleisch wurde als Suppe verkocht und verspeist.

Marion Blank und Georg Polin, OK-Bar Agums , 16.01.2018

Stolz auf unsere Bauern

Als Bürgermeister von Gemeinden, wo seit Jahrzehnten Obstbau betrieben wird, sehen wir keine Begründung, unseren Menschen und auch unseren Gästen das Spazieren in der Natur und auch auf Wegen in den Obstanlagen zu verbieten bzw. es ihnen abzuraten. Es gibt viele Besucher unseres Tales, die eine gepflegte Landschaft suchen und auch vorfinden. Dank einer von Menschenhand geschaffenen Kulturlandschaft können wir stolz sein auf die Bauern, die beginnend von der Almwirtschaft hin zur Viehhaltung bis zum Obst- und Weinbau eine Landwirtschaft betreiben, die vielfältig und zukunftsträchtig ist. Schritte der Veränderung hat es in der Vergangenheit gegeben und wird es auch zukünftig brauchen, aber mit Bedachtheit, Umsicht und dem nötigen Verständnis für das Gemeinsame und Verbindende.

Die Bürgermeister von Laas, Schlanders, Latsch, Kastelbell/Tschars und Martell, Laas, Schlanders, Latsch, Kastelbell/Tschars und Martell, 16.01.2018

Nur heimische Lebensmittel schenken?

Im der Vinschger vom 20.12.2017 fordert die Südtiroler Bauernjugend dazu auf, ein „Stück Heimat zu schenken“ und Geschenken mit heimischen Südtiroler Produkten den Vorzug zu geben. Wer heimische Lebensmittel kauft, lasse nicht nur das Geld im Land, sondern helfe mit, unnötigen Schwerverkehr zu vermeiden. Ein hehres Ziel, das aber gerade aus Sicht der Landwirtschaft ein zweischneidiges Schwert ist. Laut dem Südtiroler Bauernbund lagerten zum 1.12.2017 in Südtiroler 721.936 Tonnen heimische Äpfel. Der geringste Wert seit Jahren. Sollten diese auch nur regional verzehrt werden bedeutet dies, dass bei insgesamt ca 520.000 Einwohnern bis zur nächsten Ernte jeder Einwohner Südtirols 1,38 Tonnen Äpfel essen müsste. Damit das ganze etwas vergnüglicher wird, könnten die jährlich produzierten 350.000 Hektoliter Wein (laut Suedtirolwein.com)helfen, das sind dann auch nur 67,3 Liter pro Person. Auch wenn die aus anderen Ländern anreisenden Touristen dabei helfen, ein ganz schöner Brocken.

Volker Schulte, Deutschland, 16.01.2018

Reaktionen Doppelpass

Das Thema zweite Staatsbürgerschaft ist für Südtiroler eine kleine Wiedergutmachung eines Unrechts seit dem ersten Weltkrieg. Als man, ohne zu fragen, alle Südtiroler zu Italienern abgestempelt hat. Ein besonderer Dank gilt all denen, die sich für dieses Herzensanliegen bemühen und es vorangebracht haben. Erwartungsgemäß kritisieren italienische, nationalistische Kreise, Querulanten und Neider, all das, was für Südtirol Gut und Recht ist. Gleich ob es um Erringen von Autonomie, Sprachgruppenbestimmung, Proporz oder historische Ortsnamen usw. geht. Kolonialistisches Denken ist allgegenwärtig. Wie bekannt, haben 26 Staaten in der EU, darunter auch Italien, eine solche gesetzliche Regelung für die zweite Staatsbürgerschaft getroffen. Es stellt sich schon die Frage, warum sollte diese Regelung Österreich für Südtirol nicht umsetzten dürfen bzw. gleich behandelt werden. Zudem auch Österreich für Südtirol eine Schutzmachtfunktion hat. Ich freue mich und werde sobald es möglich ist, um die österreichische Staatsbürgerschaft ansuchen. In der Hoffnung weiterhin doch Tiroler, Katholik und Europäer zu bleiben.

Luis Pixner, Kastelbell/Tschars, 16.01.2018

Nächtliche Vandalenakte: Bäume als Opfer

In den Schlanderser Malaunen, auf einem Erholungsplatz von der Gemeinde, sind in letzter Zeit immer wieder Bäume beschädigt worden. Die Aktionen wurden scheinbar über Nacht ausgeführt. Obwohl der Baum kein Hindernis war und niemandem ein Dorn im Auge sein dürfte, wurden immer wieder die Äste gestutzt und auch der Stamm angesägt, damit der Baum zugrunde geht.

Name der Redaktion bekannt, 16.01.2018

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