Leserbriefe

„Heimat reloaded“ (der Vinschger Nr. 12 vom 05.04.2018)

Im Zusammenhang mit Kaspar Villiger weise ich gerne auf die „Schweizer Besonderheit“ hin. Einen fest gewählten Bundespräsidenten kennt die Schweizer Eidgenossenschaft nicht. Jedes Jahr wählt die Vereinigte Bundesversammlung aus dem 7er Gremium den Präsidenten und den Vizepräsidenten, der dann im darauf folgenden Jahr zum Präsidenten gewählt wird. Kaspar Villiger gehörte von 1989 bis 2003 dem Bundesrat an und amtierte in den Jahren 1995 und 2002 als Bundespräsident. In dieser Funktion leitet er die wöchentlichen Sitzungen des Bundesrates und vertritt die Schweiz bei besonderen Anlässen, besondere Befugnisse oder „Macht“ wie z.B. ein Ministerpräsident hat er nicht.

Peter H. Schmid, Kastelbell, 07.04.2018

Zum Leserbrief von Karsten Nachbaur (der Vinschger Nr. 12/2018)

„Fast schlecht“ wird es dem lieben Karsten Nachbaur, wenn er daran denkt, was der Umwelt und was uns „zugemutet“ wird. Wäre dem so, dass wir „Leid geprüft“ sind, dann wäre seine Übelkeit berechtigt. Vor zehn Jahren sind meine Frau und ich aus dem Schweizer Mittelland hierher nach Kastelbell gezogen. Unser Domizil liegt direkt neben einer großen Apfelplantage. Wir sind somit direkt konfrontiert mit diesen „Gefahren“, also müssten wir längst krank sein und toxikologisch bedenkliche Werte aufweisen. Dem ist aber nicht so Herr Nachbaur, im Gegenteil, wir erfreuen uns allerbester Gesundheit. Gerade das gesunde Klima hier im Vinschgau bewog uns dazu, nach der Pensionierung die Schweiz zu verlassen. Atemwegbeschwerden und häufige Erkältungen gehören der Vergangenheit an, ebenso Bodennebel und hohe Feinstaubbelastung. Wer „Spritzmittel freien Urlaub“ will, der sucht sich irgendwo im Pazifik eine unbewohnte Insel. Erstaunlicherweise werden nur die Obstbauern angegriffen, hingegen wird die Feinstaubbelastung auf der Straße vom Reschen bis Meran und weiter kommentarlos akzeptiert. Da sind dann halt „Alle“ die Verursacher. Mit Verwunderung stelle ich fest, wer sich alles um die Umwelt hier im Vinschgau Gedanken macht. Da ist der „Malser Weg“, dem sich seinerzeit das Umweltinstitut München, das sich in der Zwischenzeit leise „vom Acker machte“, angebiedert hatte. Ausgerechnet aus München, die Stadt mit der zweithöchsten Feinstaubbelastung der BRD. Damit befasst sich dieses „Institut“ jedoch nicht. Und jetzt will noch die Umweltschutzgruppe Vinschgau in einem Workshop „einen Masterplan bezüglich Biodiversität in Obstbaugebieten mit Beteiligten aus den Gemeinden Mals, Glurns, Schluderns und Schlanders erarbeiten“. Und der Rest vom Vinschgau? „Biodiversität“, ein Schelm der denkt, dass hier „BIO“ gemeint war. Die „Biologische Vielfalt“ bedeutet die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft (Bio = Leben / Diversität = Vielfalt). Übrigens, wer sich die Zeit nimmt und mal googelt, stellt leicht fest, dass es mit der Biodiversität weltweit im Argen steht. Gerne zitiere ich abschließend Thomas Mann aus seiner Erzählung „Herr und Hund“ (1918): „Es kann aber auch sein, dass das Ganze, nach allen Veranstaltungen und Umständlichkeiten, ausgeht wie das Hornberger Schießen und still im Sande verläuft.“

Peter H. Schmid, Kastelbell, 07.04.2018

„…weil ich überzeugt bin, dass ich es schaffen kann.“

Vor nicht allzu langer Zeit hat ein Betreuter unseres Vereins, Alfred (Name erfunden), uns über Post einen Brief zukommen lassen, in dem er uns von seinem größten Bedürfnis und Wunsch erzählt: „Ich bin ein betreuter Klient eines Vereines, der seit Jahren im Burggrafenamt tätig ist, um Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren in die Arbeitswelt zu reintegrieren. Ich schreibe diesen Brief, weil ich überzeugt bin, dass ich es schaffen kann, wenn ich noch eine Chance im Arbeitsmarkt bekomme, ich möchte beweisen, dass ich noch nützlich sein kann. Ich will mich nicht als ‚Klotz am Bein’ fühlen, sondern will wieder den richtigen Platz in der Gesellschaft finden, wo ich meine erlernten Kompetenzen und Fähigkeiten anwenden kann. Ich suche auch jene Solidarität, von der man immer spricht, die man aber ganz selten wirklich erlebt. Ich suche auch Großzügigkeit (Güte), weil ich Lust habe zu arbeiten, und ich denke ein Arbeitgeber oder Unternehmer sollte nicht ausschließlich Vorteile und Risiken abwägen. Ich möchte euch nur um einen Versuch bitten, lasst mich versuchen, in einem produktiven Arbeitskontext mitzuarbeiten, und ihr werdet es nicht bereuen.“ - Die Verantwortlichen des Vereines antworten wie folgt auf diesen rührenden Brief: „Unser Ziel ist es, die öffentliche Meinung dafür zu sensibilisieren, denn wir benötigen Firmen, die bereit sind Menschen in Notlagen anzustellen. Firmen können dies sogar mittels Betriebspraktika für Erwachsene machen, und über sämtliche Steuervorteile verfügen, die solche Anstellungen mit sich bringen. Der Verein begleitet jedes Eingliederungsprojekt und steht dem Betrieb für die gesamte Dauer unterstützend zur Seite. Dieser Klient ist nun bereits seit zwei Jahren für ein Arbeits-Training bei uns aufgenommen, hat ein positiv abgeschlossenes Praktikum in einem öffentlich/privatem Betrieb hinter sich, hat gute manuelle Fertigkeiten, ist inzwischen wieder sozial gut integriert, autonom und zuverlässig. Zu bevorzugen wären klein bis mittelgroße Betriebe, in denen das Zwischenmenschliche noch einen Stellenwert hat. Ein Arbeitsumfeld, das in unseren Augen für Alfred am hilfreichsten wäre, und in dem er seine Fähigkeiten bestmöglichst einsetzen könnte, wäre sicherlich die Landwirtschaft, aber auch Hilfs-Magazineur, Hilfs-Hausmeister in einem Hotel, Betrieb oder Supermarkt stünden ihm gut, zumal er kleine Instandhaltungsarbeiten geschickt löst. Wir versuchen Alfred im Burggrafenamt oder in der Nähe unterzubringen, damit er sich autonom und ohne große Schwierigkeiten bewegen kann.“ - Das, was uns bewogen hat, diesen Artikel zu schreiben, ist die Überzeugung darüber, dass Alfred es schaffen kann. Wir glauben daran, dass er eine Chance verdient hat, um der Gesellschaft nützlich zu sein. Wir wollen, dass er sich nicht als Last für die Gemeinschaft fühlen muss, sondern seinen Arbeitsbeitrag leisten kann. Wir versuchen an die Solidarität zu appellieren, welche der modernen Gesellschaft nicht fehlen sollte, und welche weitreichender sein sollte, als Gesetze und Vorschriften. Diese sollten sich nicht zwischen uns und jene Menschen stellen, mit denen das Leben nicht so gütig gewesen ist.

Verein Hands, Eva Zadra, 11.04.2018

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