Der Vortrags- und Informationsnachmittag stieß auf reges Interesse.
Eröffnet hat den Nachmittag der Pflege-Experte Lukas Buchli (links) mit einem Impulsreferat.
Eine Station des Demenz-Parcours

„Das Herz wird nicht dement“

Gemeinsam für ein demenzfreundliches Miteinander

Publiziert in 18 / 2026 - Erschienen am 6. Oktober 2026

Martell/Graun - Mit der Alterung der Bevölkerung steigt auch die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken. „Demenz ist eine große Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Es ist wichtig, dass wir füreinander da sind und Verantwortung füreinander übernehmen.“ Das sagte Karin Tschurtschenthaler, die Direktorin der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, am 1. Oktober, dem Tag der Senioren, als sie im Bürgerhaus Martell viele direkt und indirekt Interessierte zum Vortrags- und Informationsnachmittag „Altern in der Gemeinde“ begrüßen konnte. Den Willkommensgruß im Namen der Gemeinde überbrachte Bernadette Oberhofer. Die Veranstaltungsreihe „Altern in der Gemeinde“ – ein weiterer Nachmittag findet am 26. Oktober im Vereinshaus in Graun statt -
ist eine Initiative im Rahmen des Interreg-Projektes SOLIS zwischen Italien und der Schweiz. Es handelt sich um eine grenzüberschreitende Kooperation zwischen den Sozialdiensten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau und dem „Center da sandà Engiadina Bassa“.

„Das Hirn schrumpft, die Emotionen bleiben“

Ziel des Projektes ist es, der Bevölkerung die Möglichkeit zu bieten, sich frühzeitig über Angebote, Dienstleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten im Territorium zu informieren, mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen und vor allem das Thema Demenz in den Mittelpunkt zu rücken. „Das Herz ist nicht dement“, sagte der Pflege-Experte Lukas Buchli aus der Schweiz in seinem Impulsvortrag. „Es ist die Hirnmasse, die schrumpft, die Emotionen aber bleiben voll erhalten.“ Wenn Erinnerungen nach und nach verblassen, entstehen bei den Betroffenen Hohlräume, die es mit Liebe, Trost, Bindung, Einbeziehung, Identität und Beschäftigung zu füllen gelte. Demenz (O-Ton Buchli: „Es ist ein unaufhaltsames Abschiednehmen in Raten“) sei nicht nur eine Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft, sondern auch für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Das Verbleiben der emotionalen Ebene ist laut Buchli mit Risiken, aber auch einer großen Ressource verbunden: „Wir müssen lernen, diese Ressource zu steuern.“

Wie gehe ich mit Demenz um?

Mit konkreten Erfahrungen sowie Tipps für den Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden, warteten Alexandra Kaiser und Anna Fink von der Vereinigung ASAA (Alzheimer Südtirol Alto Adige) auf. „Uns liegen besonders die Pflegenden am Herzen“, stimmten sie überein. Demenz werde oft versteckt. Wichtig sei es, betroffene Personen nicht bloßzustellen, zum Beispiel mit unnötigen Fragen. An pflegende Angehörige richteten Kaiser und Fink den Appell, sich Freiräume zu schaffen und auf den Erhalt der sozialen Kontakte zu achten. Vorgestellt haben sie auch den Demenz-Parcours, bei dem man im Bürgerhaus selbst nachempfinden konnte, wie der Alltag für Menschen mit Demenz-
erkrankungen konkret ausschaut.

„Es ist gut, Hilfe zu suchen 60+“

Walburg Wielander, die Leiterin des Bereichs Senioren bei den Sozialdiensten, stellte die Angebote des ambulanten Betreuungsdienstes und die entsprechenden Leistungen vor, während Maria Kofler (Projekt SOLIS) die neue Informationsbroschüre „Es ist gut, Hilfe zu suchen 60+“ präsentierte. Die Broschüre, entstanden im Rahmen des Projektes SOLIS, bietet auf einfache, ansprechende, verständliche und überschaubare Weise einen kompakten Überblick über wichtige Angebote, Dienste und Initiativen für Menschen 60+ und ihre Angehörigen. Die handliche Broschüre soll Orientierung geben, Vernetzung fördern und den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Der Marteller Bürgermeister Georg Altstätter, seines Zeichens auch Vizepräsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, bedankte sich abschließend bei allen Beteiligten für die Veranstaltung des Nachmittags.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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