Der Schulmann Paul Thöni: Ein Hundertjähriger
Mals - Am 14. Mai 2026 feierte Paul Thöni in seinem Zuhause in Mals seinen 100. Geburtstag – in bemerkenswerter körperlicher Gesundheit und geistiger Frische, liebevoll umsorgt von seinen Töchtern.
Sein Lebensweg ist geprägt von Entbehrungen, Willenskraft und einem tiefen Verantwortungsgefühl für Bildung und Gemeinschaft. Paul Thöni besuchte zunächst die italienische Volksschule und nach der Zeit der sogenannten „Option“ die deutsche Oberschule. Während seiner Militärzeit gelang es ihm, eine Ausbildung an einer Luftkriegsschule zu absolvieren. Die folgenden Jahre sollten jedoch zu einer schweren Prüfung werden: In Kriegsgefangenschaft und nach einer schweren Verwundung, die zur Amputation seines rechten Fußes führte, sah er sich an einem Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Eine Ärztekommission bescheinigte ihm lediglich 20 Prozent Arbeitsfähigkeit.
Doch Paul Thöni ließ sich nicht entmutigen. Als er 1947 als „heimgekehrtes, mittelloses Kriegsrelikt“ in die Heimat zurückkehrte, fand er bald eine erste Anstellung. Trotz zahlreicher Aufenthalte in Lazaretten und Militärspitälern bereitete er sich mit großer Disziplin auf die Matura vor, die er als Privatist erfolgreich bestand. Damit legte er den Grundstein für seine lebenslange Tätigkeit im Schuldienst.
Thöni wirkte mit unermüdlichem Einsatz als Lehrer und Direktor. Mit großem Engagement setzte er sich für den Aufbau und die Stärkung der deutschen Schule ein, insbesondere in Mals und oberem Vinschgau. Sein Wirken war getragen von der tiefen Überzeugung, dass Bildung nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Identität stiftet und Zukunft ermöglicht. Dem Fortbestand der deutschen Schule galt stets seine besondere Sorge und Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt ist es seinem Einsatz zu verdanken, dass die schulischen Einrichtungen in Mals und Umgebung eine solide Grundlage und gute Entwicklungsmöglichkeiten erhielten.
Als er 1985 in den Ruhestand trat, tat er dies mit leiser Wehmut, aber auch mit großer Dankbarkeit: „Als Quereinsteiger hat mir die Schule viel Freude bereitet“, erinnert er sich, „und ich denke gerne an die vielen tüchtigen, stets einsatzbereiten Mitarbeiter, denen ich großen Dank schulde.“
Auch sein privates Leben war reich erfüllt. Über sechs Jahrzehnte hinweg durfte er seine gebildete und ihm eng verbundene Lebensgefährtin an seiner Seite wissen: eine Zeit, die er selbst als den „schönsten Abschnitt meines Lebens“ bezeichnet. Aus dieser Gemeinschaft gingen zwei tüchtige und erfolgreiche Töchter hervor.
Heute blicken Familie, Freunde, ehemalige Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen sowie unzählige frühere Schülerinnen und Schüler mit großer Wertschätzung und Dankbarkeit auf das Lebenswerk von Dr. Paul Thöni. Sie alle wünschen ihm weiterhin Gesundheit, Zufriedenheit und viele freudige Stunden.
Mögen ihm sein wacher Geist und seine Lebensfreude noch lange erhalten bleiben.