Schule lebt durch Vielfalt
Lyzeum Schlanders feiert sein 60-jähriges Bestehen. Politiker mutig dafür gekämpft.
Schlanders - Genau 60 Jahre nach dem ersten Schultag am 1. Oktober 1966 feierte das Real- und Sprachengymnasium Schlanders am 1. Oktober 2026 sein 60-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit der Schulgemeinschaft kamen zahlreiche Absolventinnen und Absolventen, ehemalige Schulführungskräfte, Lehrpersonen und Mitarbeitende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde Schlanders, der Politik auf Bezirks- und Landesebene und der Presse zusammen, um auf sechs Jahrzehnte Schulgeschichte zurückzublicken. Es sei ein Ausdruck dessen, was diese Schule leisten kann, sagte Direktorin Verena Rinner, als sie auf die gerade mal 3-wöchige Vorbereitungszeit zurückblickte. Sie begrüßte alle Anwesenden und bat Bildungsdirektor Gustav Tschenett, der auch drei Jahre als Direktor am Real- und Sprachengymnasiums gewirkt hatte, um seine Grußworte. „Ich erinnere mich gerne an meine ersten Gehversuche als Schulführungskraft hier an dieser Schule. Das Lyzeum ist immer eine Schule gewesen, wo Menschen später zu erfolgreichen Persönlichkeiten herangereift sind. Ihr seid hier in guten Händen“, so Gustav Tschenett.
Historische Einordnung
Es waren erst 20 Jahre seit dem 2. Weltkrieg vergangen und die Bombenattentate lagen erst fünf Jahre zurück, als sich der damalige Landeshauptmann Silvius Magnano und der Schlanderser Bürgermeister Erich Müller für eine Außenstelle des Realgymnasiums von Brixen in Schlanders stark gemacht haben. Das sei sehr mutig gewesen, sagte Gottfried Tappeiner, Absolvent dieser Schule und Gastredner bei der 60-Jahr-Feier am 1. Oktober. Es sei eine Zeit enormer Spannungen zwischen den Volksgruppen gewesen, es gab einen Geburtenüberschuss und eine hohe Abwanderung, als der Ruf nach einem Bildungsangebot im Vinschgau laut wurde. So wurde nach der Einheitsmittelschule das Schulangebot um eine Oberschule erweitert und es entstand eine Schule, die für Mädchen und Buben offen war und den Weg zu den Universitäten öffnete. Soweit die historische Einordnung durch den gebürtigen Laaser Gottfried Tappeiner, Universitätsprofessor im Ruhestand.
Zeit des Aufbruchs
Es sei laut Tappeiner eine Zeit des Aufbruchs gewesen und manch ein Lehrer war gar etwas revolutionär, aber es sei undenkbar gewesen, die Autorität eines Lehrers anzuzweifeln. Mit Schmunzeln erinnerte er sich an den Pfarrer, der Turnen unterrichtete, an den ersten Schulleiter und Theatermenschen Peppi Feichtinger, der zwischen offener Kameradschaft und absoluter Autorität wirkte; er erinnerte sich an einen stockkonservativen, aber entgegenkommenden DDr. Heinrich Kofler und an einen viel zu nachsichtigen DDr. Josef Georg Simmerle. „Ich möchte mich bei dieser Institution und den Menschen bedanken, die auch mir persönlich und vielen anderen Menschen Bildung und Erziehung geschenkt haben. Was Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern für das Land tun, ist nicht zu unterschätzen,“ so Gottfried Tappeiner.
Er sehe eine extrem spannende Schulgeneration, die gerade heranwächst, die kritisch sei und den Diskurs suche. Gottfried Tappeiner wünschte allen viel Neugierde, Empathie und Tatendrang.
Ein besonderer Moment
Viel Applaus erntete die Schülerin Sophia Pfitscher für ihre Schülerrede. Sophia schilderte einen typischen „Schulstress-Tag“ und erinnerte daran, dass beim späteren Zurückblicken nicht nur Noten zählen, sondern vor allem Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, die über die Schulzeit hinaus bleiben. Apropos Schulzeit: Neun „Erstklässler“ von 1966 waren der Einladung zum 60-Jahr-Jubiläum gefolgt und erinnerten sich beim anschließenden Umtrunk ausgiebig an ihre Schulzeit am Lyzeum in Schlanders.