Seit 1962 hinter dem Tresen
Rosl ist mit ihren 88 Jahren noch immer Herz und Seele der Bar Enzian in Tarsch.
Tarsch - Sie ist die Erste, die am Morgen die Tür öffnet und die Letzte, die zusperrt: Seit dem 6. Mai 1962 ist Rosa geb. Braun Wwe. Wörnhart – sie wird im Dezember 89 Jahre alt – das Herz und die Seele der Bar Enzian in Tarsch. Unterstützt wird Rosl, speziell an Wochenenden, von Sohn Manfred mit Tanja und den zwei Enkelkindern Lisa und Anna. Die lange Geschichte der Bar Enzian spiegelt die Höhen und Tiefen des Gastgewerbes und der touristischen Entwicklung in der Zeit ab Mitte der 1950er Jahre bis heute wider. Es war Hubert Wörnhart, geboren 1935 in Tarsch und Maurer von Beruf, der 1955 einen Hausanger erwarb, um sich ein Haus zu bauen. Im Erdgeschoss des Gebäudes wurde alsbald die Bar Enzian eröffnet. Nach dem Militärdienst schloss Hubert die Bauarbeiten in der Bar ab. Oberhalb der Bar errichtete er später für die Unterbringung von Gästen zwei Stockwerke und ein Dachgeschoss. 1960 haben Hubert und Rosl geheiratet. 1967 kam Hugo zur Welt, ein Jahr später Manfred. Als Hubert im Alter von nur 48 Jahren starb, begannen für Rosl schwierige Jahre. Sie musste den Barbetrieb mehr oder weniger allein weiterführen. Zu einem weiteren Schicksalsschlag kam es 10. Jänner 2022, als ihr Sohn Hugo starb. Er war lange Zeit Waaler und hat viele Jahre mit viel Herzblut in der Bar mitgeholfen.
Von Zigaretten bis Kegelbahn
Mit den Zeiten, wie sie Rosl in den 1960er oder 1970er Jahren in der Bar erlebte, sind mit den heutigen Standards kaum vergleichbar. Früher kam es nicht selten vor, dass Gäste noch vor dem Gang zur Kirche für ein „Stamperle” oder auch „Stutzen“ Schnaps einkehrten. Konsumiert wurde damals vor allem Wein. Auch „Kracherler“ waren üblich. Produziert wurde die kohlensäurehaltige Limonade beim Unternehmen Schweitzer in Latsch. Zum Sortiment gehörten auch belegte Brote, „Gelati“, Zuckerlen und Kaugummi. Auch Zigaretten konnte man in der Bar Enzian kaufen. Besonders gefragt war das Telefon. Ein solches hatten damals nur der Pfarrer, der Fraktionsvorsteher, der Tarscher Wirt (Zum Riesen) und die Bar Enzian. Als in der Bar ein Fernsehapparat aufgestellt wurde, „saßen die Leute manchmal bis in die Morgenstunden vor dem Fernseher, um sich zum Beispiel Boxkämpfe anzusehen“, erinnert sich Rosl. Viel genutzt – vor allem von Vereinen – wurde früher auch die überdachte Kegelbahn. Sie wurde 2023 abgebaut. Eng verbunden ist die Geschichte der Bar mit den Entwicklungen in Tarsch.
Höhen und Tiefen
Wirtschaftlich gut lief die Bar, als seinerzeit die Beregnung gebaut wurde (es waren viele Arbeiter zu Gast), als oberhalb des Dorfes „campi“ des Militärs stattgefunden haben oder als das Skigebiet auf der Tarscher Alm eröffnet wurde. Der Skibetrieb lief von 1978 bis 2007. Nach der Feuernacht im Juni 1961 wurde es schwierig. Rosl: „Musizieren oder Singen, wie das bei uns oft der Fall war, wurde untersagt.“ Ein beliebter Treffpunkt war und ist die Bar weiterhin für Kartenspieler. Krank war die Rosl nie und im Urlaub war sie auch nie. Nur drei Mal musste sie kurz ins Krankenhaus: als sie ihre Söhne auf die Welt brachte und als sie einmal ein Bauchbeschwerden hatte. Notgedrungen aussetzen musste sie ihre Arbeit nur einmal, und zwar während der Corona-Pandemie. Wer bei der Rosl einkehrt, weiß, dass man etwas Zeit haben muss. Für sie ist die Bar ein echter Halt und sie möchte bleiben, solange sie es schafft.