Vor zahlreichem Publikum las Andreas Lechner in der Bibliothek in Schlanders aus dem Roman „Heimatgold“ vor.
Auch Passagen aus dem Rohtext seines neuen Romans „Heimatstein“ trug er vor.
Zwei der Bilder von Anna Mesniankina, die in der Bibliothek ausgestellt waren.

„Ich heiße halt auch Lechner“

Andreas Lechner aus München liest Passagen aus dem Rohtext seines neuen Romans „Heimatstein“ vor.

Publiziert in 18 / 2026 - Erschienen am 6. Oktober 2026

Schlanders - Einen besonderen Abend erlebten Literatur- und Kunstfreunde am 22. September in der Mittelpunktbibliothek Schlandersburg in Schlanders. Zur Veranstaltung konnte Bibliotheksleiter Raimund Rechenmacher nicht nur den Autor, Regisseur, Produzenten, Komponisten und Schauspieler Andreas Lechner aus München begrüßen, sondern auch die ukrainische Malerin Anna Mesniankina. „Unsere Bibliothek ist ein Ort, an dem Worte und Bilder seit jeher miteinander in Dialog treten. Heute dürfen wir genau das erleben: Literatur, die uns bewegt, und Kunst, die uns berührt“, führte Rechenmacher in die Veranstaltung ein. Der Abend war Teil der „Vinschger Literaturtage“, die noch bis zum 11. Oktober dauern. Einen besonderen Dank zollte Rechenmacher dem Team des „Franz-Tumler-Literaturpreises“ für die Organisation der Literaturtage.

Arbeitswochen am Kulturhof Rimpf

Im Vorfeld der Veranstaltung in der Schlandersburg hatten Andreas Lechner und Anna Mesniankina mehrere Wochen lang am Rimpfhof gearbeitet. In der BASIS in Schlanders waren sie bereits 2025 künstlerisch tätig gewesen. Zum Auftakt las Andreas Lechner aus seinem Buch „Heimatgold“ vor. In diesem Roman, erschienen 2019 im Münchner Volk Verlag, hatte sich Lechner auf die Spurensuche seiner Vorfahren mütterlicherseits gemacht. Im Mittelpunkt des Romans steht Josef Straßberger, Lechners Großvater mütterlicherseits. Das Buch schildert den Werdegang eines Bauernbuben aus Kolbermoor, der den Ersten Weltkrieg überlebt und trotz einer Kriegsverwundung zu den Gewichthebern des TSV 1860 München geht. Er wird deutscher Meister, Weltmeister und Weltrekordhalter. Seinen größten Erfolg erzielt Josef Straßberger bei den Olympischen Spielen 1928 mit einer Goldmedaille.

Spurensuche in Laas

In seinem neuen Roman „Heimatstein“, an dem er derzeit noch arbeitet, befasst sich Andreas Lechner mit seinen Vorfahren väterlicherseits. Sein Großvater Josef Lechner war zur Zeit der Option von Laas nach Kiefersfelden ausgewandert, wo er bei der „Marmorindustrie Kiefer“ Arbeit fand. Die Familie zog später nach München, wo Andreas 1959 als Sohn von Frieda Straßberger und Franz Lechner – dem Sohn von Josef Lechner – geboren wurde. „Es geht mir um eine Spurensuche, um das Verstehen meiner Herkunft“, schickte Andreas Lechner voraus, bevor er einige Passagen aus dem Rohtext des Romans vorlas. In einer davon greift er das Begräbnis von Josef Lechner aus Parnetz („Marmor-Lechner“) auf, der bereits 1883 seinen eigenen Marmorbruch in Laas hatte. „Ich heiße halt auch Lechner. Wie verwandt ich mit welchen Lechners bin, weiß ich nicht und ist mir auch egal“, sagte Andreas Lechner. Sein neuer Roman sei eine „fiktive Geschichte“. Gedankt hat er allen, die ihn bei seinen Recherchen unterstützt haben und dies weiterhin tun. Namentlich nannte er den Künstler Reinhold Tappeiner, Wilfried Stimpfl und die Lasa Marmo. „Das Gerüst des Romans ist zwar historisch und auch die Orte sind real, aber der Kern des Romans ist die Leidenschaft eines Bergbauernbuben für den Marmor“, hatte Andreas Lechner in einem Interview mit dem der Vinschger (Ausgabe 16/2025 vom 09.09.2025) angekündigt.

Zwischen Natur und Abstraktion

Bis Anfang Oktober waren in der Bibliothek in Schlanders zudem neue Bilder von Anna Mesniankina zu sehen, die sie am Rimphof geschaffen hatte. Die Malerin, die 2022 aus der Ukraine geflohen ist, setzt sich in ihren Arbeiten vor allem mit der Natur, der Landschaft und den Bergen auseinander, wobei Malereien zwischen Natur und Abstraktion entstehen. Mesniankina hat sich auf eine Mischtechnik spezialisiert, wobei sie auch Pigmente verwendet. „Ihre Bilder tragen eine eigene Sprache. Eine Bildsprache, die von Verlust und Hoffnung erzählt, von Landschaften der Erinnerung und von der Kraft, die entsteht, wenn man trotz allem weiter schafft, weiter malt, weiter lebt“, würdigte Raimund Rechenmacher ihr künstlerisches Schaffen. Andere Arbeiten von Anna Mesniankina können noch bis Ende November unter dem Motto „Fäden der Vergangenheit“ im Gasthaus „Sonneck“ in Allitz besichtigt werden. 

Weitere Lesungen

Nach der Eröffnung der Vinschger Literaturtage mit der Franz-Tumler-Literaturpreisträgerin 2025, Christina König, in Laas, dem Abend mit Andreas Lechner und Anna Mesniankina in der Schlandersburg, einer weiteren Veranstaltung in der Schlandersburg mit Horst Moser, der aus seinem neuen Roman „Weil wir nichts wussten“ vorlas, und einer Lesung von Lorena Pircher mit Musik von Lukas Punter in der St.-Johann-Kirche in Taufers im Münstertal werden die Literaturtage am 11. Oktober um 17 Uhr in der St.-Benedikt-Kirche in Mals abgeschlossen, und zwar mit einer Lesung der Lyrikerin Roberta Dapunt und einer Ausstellung von Antoinette Bader.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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