Die Grundlage für das immaterielle Kulturerbe Transhumanz bildet die Arbeit der Hirten.
Ein Teil der Schafe kam bei der Rückkehr von den Weiden im Ötztal auch an der neuen Heilbronner Hütte vorbei.
Beim Schafübertrieb am 13. September (von links): Elisabeth Berger (Koordination Dolomiten UNESCO Welterbe), Leo Hilpold (Direktor des Landesamtes für Natur), Manuel Gurschler (Obmann Agrargemeinschaft Rofenberg), Marcella Morandini (UNESCO-Sonderbeauftragte des Landes) und Hirte Markus Götsch.

Im Zeichen der Transhumanz

Land wertet immaterielles Kulturerbe mit konkreter Unterstützung auf.

Publiziert in 18 / 2026 - Erschienen am 6. Oktober 2026

Schnalstal - Im Schnalstal stand das zweite Wochenende im September ganz im Zeichen der Transhumanz. Tausende Schafe kehrten mit ihren Hirten von den Sommerweiden bei Vent im Ötztal wieder ins Schnalstal zurück. Bei der länderübergreifenden Wanderweidewirtschaft handelt es sich um eine jahrhundertealte Praxis im Alpen- und im Mittelmeerraum. Seit 2019 ist sie als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Damit werden Traditionen, Bräuche und Wissensformen gewürdigt, die Gemeinschaften über Generationen hinweg prägen und verbinden. „Wir setzen uns verstärkt für die Aufwertung des immateriellen Kulturerbes in Südtirol ein – von der traditionellen Bewässerung durch die Waale über den Alpinismus bis hin zur Transhumanz“, unterstreicht der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz Peter Brunner. Es sei wichtig, auf den kulturellen Wert dieser Traditionen aufmerksam zu machen.

Konkrete Unterstützung

Das Land Südtirol, das die Koordination aller UNESCO-Anerkennungen in Südtirol in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren innehat, die Tradition der Transhumanz auch ganz konkret. So stellte heuer das Forstinspektorat Meran den Agrargemeinschaften Niedertal und Rofenberg Holz zur Verfügung. Mit diesem wurden Speltenzäune aus Lärche errichtet, um jene Flächen einzuzäunen, in denen die Schafe vor dem Abtrieb zusammengetrieben werden. Dieser Zaun war 2026 für Rofenberg komplett zu erneuern, für Niedertal zum Teil. Georg Pircher, Direktor des Forstinspektorates Meran: „Der Südtiroler Forstdienst unterstützt die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft auf vielfältige Weise. Wir leisten gerne einen Beitrag, diese spezielle Art der Almbewirtschaftung im Schnalstal für die Zukunft zu erhalten.“ Wie schon 2025 konnte das Land die Bauern zudem auch in diesem Sommer mit dem Ankauf von Salz für die Schafe unterstützen.

Die Rolle der Hirten

Eine besondere Rolle in der Transhumanz kommt den Hirten und Treibern und ihren Hunden zu. Ihre Arbeit bildet die Grundlage für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO. Hirte Markus Götsch: „Ich bin stolz darauf, diese traditionsreiche und verantwortungsvolle Arbeit auszuüben. Auch wenn sie im Gebirge nicht immer ungefährlich ist und im weitläufigen Gebiet noch immer alles zu Fuß und in Handarbeit erledigt werden muss.“ Dazu kämen neue Herausforderungen, etwa durch Großraubtiere. Noch handle es sich bei den Sommerweiden um wolfsfreie Almen, „sonst könnten keine Schafe mehr aufgetrieben werden“, sagt Götsch. „Damit diese jahrhundertealte Tradition auch in Zukunft lebendig bleibt, braucht es eine ausreichende Zahl an Schafen und verlässliche Rahmenbedingungen“, betont Manuel Gurschler, Obmann der Agrargemeinschaft Rofenberg. Aktuell werden rund 1.500 Schafe von Kurzras aus ins Ötztal getrieben. Sollte diese Zahl unter 1.000 sinken, wäre die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. Daher sei es wichtig, den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten. „Gerade im Internationalen Jahr der Weiden und Hirten, das die Vereinten Nationen 2026 ausgerufen haben, gilt unser Dank all jenen, die diese wertvolle Tradition mit viel Einsatz, Erfahrung und Leidenschaft lebendig halten und weitertragen“, sagt Marcella Morandini, UNESCO-Sonderbeauftragte des Landes.

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