„Dort, wo das Schweigen spricht“
Schlanders - Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der jährlich am 27. Jänner begangen wird, haben die UPAD-Sektion Schlanders, die UPAD-Stiftung und der „Circolo Culturale Val Venosta Silandro“ kürzlich zu einem Vortragsnachmittag mit Juri Falcone aus Schlanders eingeladen. Unter dem Titel „La dove il silenzio parla“ (zu Deutsch: „Dort, wo das Schweigen spricht“), wartete Falcone im Gemeinschaftssaal der Schule für die italienische Sprachgruppe in Schlanders mit persönlichen Erfahrungen, Eindrücken und Fotos von mehreren Reisen auf, die er seit seiner Oberschulzeit beim Besuch mehrerer Konzentrationslager gemacht hat. „Es ist etwas anderes, ob man das, was in den Konzentrationslagern begangen wurde, nur aus dem Unterricht oder aus Geschichtsbüchern kennt, oder ob man die ehemaligen Vernichtungsstätten und Museen besichtigt“, sagte Falcone, der an der Mittelschule Naturns Italienisch unterrichtet. Das erste Mal hatte er noch vor seinem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften (Università degli Studi eCampus Como) als Oberschüler im Rahmen des Reise-Projektes „Zug der Erinnerung“ die Gedenkstätten im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht. Später reiste er mehrmals mit Freunden und Verwandten zu ehemaligen Konzentrationslagern, vor allem in Polen. Dem Publikum zeigte er aber nicht nur Fotos der Lager Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz II (Vernichtungslager Birkenau), Stutthof und weiterer Konzentrationslager, sondern blendete auch Fotos aus Krakau, Danzig und anderen Städten ein. Es sei ihm ein Anliegen aufzuzeigen, wie die Menschen heute in diesen Städten leben und welche Kultur sie haben. Besonders beeindruckt habe ihn u.a. das Museum „Fabryka Emalia Oskara Schindlera“. Dieses staatliche Museum ist in einem ehemaligen Gebäude der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler in Krakau untergebracht. Es stellt die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 dar, ein besonderer Schwerpunkt ist das Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto. Bedauert hat Falcone, dass Teile der Bevölkerung in Polen „rassistisch geblieben sind.“ Er sehe darin einen weiteren Beweis dafür, „dass der Mensch aus der Geschichte nichts lernt und nie etwas gelernt hat.“ Pietro Salvatore Reina dankte dem Referenten und stellte das weitere UPAD-Programm in Schlanders vor.