Die Verabschiedung im Anschluss an den Wortgottesdienst in der Kirche.
Karin Mitterer in weißer Albe spricht ein Gebet.

Erstes Begräbnis ohne Pfarrer

Publiziert in 33 / 2019 - Erschienen am 1. Oktober 2019

Tschars - Was vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen wäre, ist nun Wirklichkeit geworden. Zum ersten Mal fand am 23. August in Tschars und wohl auch im gesamten Vinschgau ein Begräbnis ohne einen Pfarrer statt. An dessen Stelle leitete Karin Mitterer die Beerdigung. In weißer Albe (liturgisches Gewand) nahm sie die Einsegnung vor, sprach den Angehörigen Trost zu und erwähnte, dass im christlichen Glauben der Tod nicht das Ende sei. Souverän führte sie durch den Wortgottesdienst, las das Evangelium, erinnerte in ihrer Ansprache an das Leben des Verstorbenen und erbat den Segen für die Hinterbliebenen. „Die Teilnehmer am Begräbnis zeigten sich beeindruckt von der einfühlsamen Gestaltung der Feier“, sagte Herbert Blaas, der Präsident der Pfarrgemeinde Tschars, dem „der Vinschger“. Der Unterschied einer solchen Begräbnisfeier zur herkömmlichen Beerdigung mit einem Priester ist, dass anstelle der Eucharistiefeier eine Wort-Gottes-Feier ohne Opferung, Wandlung und Kommunion stattfindet. Ansonsten bleibt der gewohnte Ablauf mit Einsegnung, Einzug in die Kirche, Wort-Gottes-Feier, Auszug zum Friedhof und Verabschiedung gleich wie bei einem Begräbnis mit dem Pfarrer. Gemeinsam mit 16 weiteren Frauen und Männern besucht Karin Mitterer einen dafür vorgesehenen, dreijährigen Kurs an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen. Den 1. Teil hat sie bereits absolviert. Die Teilnehmer/innen müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllen, u. a. die bischöfliche Beauftragung zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern, die Bereitschaft zur Teilnahme an allen Lehrveranstaltungen und ein positiv verlaufendes Bewerbungsgespräch. Ein wichtiger Bestandteil sind die Praxiseinsätze während der Ausbildung, d.h. die Leitung von drei Beerdigungen ohne die Anwesenheit eines Pfarrers. In der Diözese Bozen-Brixen werden als Reaktion auf den Priestermangel seit 2018 erstmals Kurse zur Leitung von Begräbnisfeiern durch Laien angeboten. Nach Angaben der Diözese ist dies die erste Ausbildung zur Leitung von Begräbnisfeiern in Italien, die nicht nur Diakone, sondern auch Laien (Frauen und Männer) zur Leitung befähigt. Bedenken wegen möglicher Diskussionen über „Zwei-Klassen-Beerdigungen“ hat Karin Mitterer nicht: „Verstorbene zu bestatten ist ein Werk der Barmherzigkeit, zu dem jeder Christ durch die Taufe berufen ist.“ Neben Karin Mitterer nimmt auch Marianne Holzeisen Bauer aus dem Dekanat Naturns (bzw. aus dem Vinschgau) an diesem Kurs teil. 

Oskar Telfser
Oskar Telfser
Vinschger Sonderausgabe

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