Eyrser bangen um ihre Au

Publiziert in 45 / 2013 - Erschienen am 18. Dezember 2013
Hochwasserschutz-Projekt ist umstritten. Noch ist nichts entschieden. Eyrs - Wenngleich die Referenten am Podium versicherten, dass die Eyrser Au nicht Schaden nehmen würde, sind die Befürchtungen in der Eyrser Bevölkerung groß. Gezeigt hat sich das bei einem gut besuchten Informationsabend am 13. Dezember im Kultursaal von Eyrs, wo das Projekt „Hochwasserschutz Laas“ vorgestellt wurde. Es handelt sich um ein Nachfolgeprojekt des mit EU-Mitteln finanzierten „Etsch-Dialogs“. Ingenieur Walter Gostner, unter dessen Federführung die Projektarbeiten erfolgt waren, stellte die Ziele und Details des Projekts vor. Es gehe vordergründig um den Hochwasserschutz, aber auch um ökologische Aspekte und die Verbesserung des Erholungswertes von Flussräumen. 4 Varianten wurden im Zuge so genannter Flussraum-Foren erarbeitet. „Die von uns bevorzugte Variante sah vor, die rund 21 ha große Eyrser Au sowie ca. 19 ha an Privatgründen als Wasser-Rückhalteraum einzuplanen“, sagte Gostner. Diese Variante sei allerdings am Widerstand der privaten Grundbesitzer gescheitert, obwohl pro ha 40.000 Euro gezahlt und im Falle von Hochwasser zusätzlich auch die effektiven Schäden vergütet worden wären. Außerdem hätte man einen Altarm der Etsch wiederbeleben können. Nach der Ablehnung habe man sich auf die „Variante 2“ konzentriert: 1) nur die Eyrser Au als Rückhalteraum, wobei regelmäßig gezielte Flutungen stattfinden sollen und rund um die Au ein Damm mit einer Höhe zwischen 1 und 2,5 Metern errichtet würde; 2) Aufweitung der Etsch in Richtung Laas; 3) Gerinneausbau in Laas. Die Leitsätze modernen Hochwasserschutzes seien: „Rückhalten wo möglich, Durchleiten wo nötig“ sowie „Keine Verschlechterung für Unterlieger“. Im Falle ­großer Hochwasserereignisse wären in Laas aufgrund des Wassers aus der Etsch und des Eckbachs (Schgumser Graben) ca. 15 Gebäude stark gefährdet. „Die Bevölkerung soll das letzte Wort haben“ 95% der Eyrser Au gehören der Fraktion Eyrs, also der Allgemeinheit. „Bevor dieses Projekt umgesetzt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden,“ hatte Fraktionspräsident Reinhard Kurz bereits zu Beginn klar gestellt. So müsse die Fraktion Ausgleichsflächen für jenen Grund erhalten, der beim Bau des Dammes verloren ginge. „Vor allem aber muss die Bevölkerung das letzte Wort haben. Noch ist nichts entschieden, heute wird nur informiert und diskutiert“, so Kurz. Bei der Diskussion zeigte sich, dass viele Eyrser um die Au bangen: „Bei Flutungen gelangt auch Material in die Au und diese wird dann aussehen wie eine Wüste“; „Verändern wird sich die Au auf jeden Fall“; „Eyrs wird nichts mehr von der Au haben.“ Kritisiert wurde auch, dass sich die privaten Grundbesitzer – die meisten sind Laaser – geweigert hatten, ihre Obstwiesen als eventuellen Rückhalteraum zur Verfügung zu stellen. Auch Alternativen wurden genannt, etwa ein Ausbaggern der Etsch. Mauro Spagnolo und Julius Staffler vom Amt für Wasserschutzbauten sowie auch Walter Gostner bestritten, dass die Au Schaden nehmen würde. „Viel Material kommt sicher nicht hinein“, so Gostner. „Ohne Konsens fangen wir nicht an“ Spagnolo sagte, dass Ausbaggern viel Zeit und viel Geld koste. Außerdem werde das Projekt, das Ausgaben von ca. 6 Mio. Euro vorsieht - es handelt sich um Geldmittel der EU - nur dann angegangen wird, wenn ein Konsens in der Gemeinde erzielt wird. Es sei auch vorstellbar, zunächst den Gerinneausbau in Laas und die Aufweitung der Etsch in Angriff zu nehmen und die Eyrser Au erst in ein paar Jahren als Rückhalteraum zu gestalten. BM Andreas Tappeiner mahnte zu mehr Gemeinschaftsgefühl innerhalb der gesamten Gemeinde. „Fraktionsgrenzen“ sollte es in diesem Sinn nicht geben. Er stellte auch klar, dass das Ziel, die gefährdete „rote Zone“ in Laas vor Hochwasser zu schützen, bei allen Varianten in unterschiedlichem Ausmaß erreicht würde und dass die Eyrser Au in allen Varianten als Rückhalteraum vorgesehen ist. „Über eure Köpfe hinweg wird nicht entschieden“ Reinhard Kurz versicherte den teils aufgebrachten Bürgern abschließend, „dass sicher keine Entscheidung über eure Köpfe hinweg fallen wird.“ Es seien noch zu viele Fragen offen. Für 2014 kündigte Kurz eine Bürgerversammlung an, bei der das Thema erneut aufs Tapet gebracht wird. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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